Meine Ex-Mitbewohnerin Diana ließ selbst nach ihrem Auszug meine Mitbewohner und mich nicht so schnell in Frieden.
Da Diana das größte Zimmer in der Wohnung bewohnt hatte und ich das kleinste, zog ich in Dianas altes Zimmer nach. Das war schon das zweite Mal, dass ich in Dianas altes Zimmer zog – bei meinem Einzug in die Wohnung hatte ich Dianas Zimmer übernommen – und wie sich bald heraus stellte, war es auch das zweite Mal, dass Diana mir einen kaputten Telefonanschluss hinterließ. Das war wohl kaum Zufall.
Beim ersten Mal hatte ein Telekom-Techniker den Anschluss noch kostenlos repariert, doch dieses Mal musste ich 50 Euro bezahlen, um mein Telefon wieder angeschlossen zu bekommen.
Darüber hinaus hatte Diana sich bei ihrem Auszug hatte beklagt, dass die Rückwand ihres Schranks verschwunden wäre und sie hatte Arno oder mich unter Verdacht. Welchen Nutzen wir an ihrer Schrankrückwand haben sollten, konnte sie uns nicht erläutern, doch sie ließ sich nicht von der Behauptung abbringen, dass einer von uns ihre Rückwand genommen haben solle.
Da ihre Auszugshelfer jedoch schon dabei waren, ihre Sachen in einen Kleinlaster zu verladen, hatte Diana keine Zeit, um sich mit Arno und mir wegen der verschwundenen Rückwand zu streiten. Wir versprachen ihr, dass wir uns melden würden, falls sie wieder auftauchte – und dann war Diana auch schon weg.
Die Rückwand tauchte wie erwartet nicht mehr auf. Wir gaben uns aber auch keine Mühe danach zu suchen.
Als Arno einige Monate später ebenfalls auszog, stellt er fest, dass die Rückwand seiner Kommode fehlte und ich merkte bei meinem Auszug, dass mein Nachtkästchen keine Rückwand mehr hatte. Offenbar gab es einen Rückwände-Dieb in der Wohnung oder Diana hatte sich doch noch an uns gerächt, bevor sie aus unserer Wohnung und unserem Leben verschwand.
Das war aber noch nicht alles. Eine andere Sache fiel mir zuerst auch nicht auf, da meine Mitbewohner oft Küchenutensilien in ihren Zimmern bunkerten. Nach einigen Tagen merkte ich dann aber doch, dass mein Topf, mein Brotmesser, ein paar Untersetzer und einiges vom Besteck fehlte.
Ein Anruf bei Dianas neuer Telefonnummer erbrachte schnell des Rätsels Lösung:
„Das waren Deine Sachen? Ich dachte das wäre Alt-WG Besitz“, tönte die verabscheute Stimme aus dem Hörer.
„Und selbst wenn es Alt-WG Besitz gewesen wäre, dann hättest Du noch lange kein Recht, es mitzunehmen“, erklärte ich Diana. „Die WG besteht auch nach Deinem Auszug noch weiter und Du kannst nicht einfach mitnehmen was Dir gefällt!“
„Ich bin die letzte Mitbewohnerin der alten WG gewesen und daher gehört alles mir.“
„Weißt Du was: wir haben Dir Deine Kaution noch nicht wieder überwiesen. Du bekommst sie erst wieder, wenn Du mir mein Eigentum wieder zurück geschickt hast. Tschüß!“
Nach diesem Gespräch passierte wochenlang jedoch nichts. Ich bekam kein Paket und auch sonst keine Nachricht unserer Ex-Mitbewohnerin. Also zog ich eines schönen Tages los, hob Dianas Kaution vom WG-Konto ab und kaufte mir einen neuen Topf, ein gutes Brotmesser mit einem Olivenholz-Griff, ein paar Schneidbrettchen und etwas Besteck. Danach waren noch knapp 50 Euro von Dianas Kaution übrig. Diese verrechnete ich mit den Kosten für den Telekom-Techniker, der mir den Telefonanschluss im Zimmer repariert hatte. Ich schenkte Diana dann sogar noch ein paar Euro – meine Großzügigkeit an diesem Tag war mal wieder grenzenlos!
Gut eine Woche später erhielt ich ein Päckchen von Diana. Darin waren mein Topf, mein altes Brotmesser und das fehlende Besteck. Diana hatte sich tatsächlich mal an ihr Wort gehalten.
Anstelle ihrer Kaution bekam sie von mir nur einen Brief zugeschickt, in dem ich ihr erklärte, dass ich das Geld für neue Küchenutensilien ausgegeben habe, da sie mir meine Sachen viel zu spät zurück geschickt hatte und sie nicht damit zu rechnen braucht, noch etwas zurück zu bekommen.
Das Schreiben und Verschicken dieses Briefs bereitete mir eine hämische Freude. Auch wenn es nach all dem Ärger und all den Streits, die ich mit Diana hatte nur ein Tropfen auf den heißen Stein war, so war dieser Brief doch das erste und einzige Mal, dass ich Diana eines auswischen konnte, und sie sich nicht wieder herausreden konnte oder ihren Hals aus der Schlinge ziehen konnte, sondern einfach erdulden musste, was über sie herein brach.
Von Diana erhielt ich nie eine Antwort auf diesen Brief und auch sonst meldete sie sich nicht mehr bei meinen Mitbewohnern und mir. Als ich einige Wochen später mal mit meiner Ex-Mitbewohnerin Sigrid telefonierte, begrüßte ich sie mit: „Hallo Sigrid, weißt Du was? Der Drachen ist weg!“
„Echt?“, antwortete sie, denn sie hatte natürlich sofort verstanden, um wen es ging. „Da habt ihr bestimmt eine fette Party gefeiert, oder?“
„Darauf kannst Du Gift nehmen!“
Inzwischen ist die Zeit mit Diana in der Wohnung schon einige Jahre her und ich sollte sie eigentlich schon lange vergessen haben, aber so jemanden wie Diana vergisst man leider nicht so leicht. Sie war die schlimmste Mitbewohnerin, die ich je hatte und nur mein Ex-Mitbewohner Gerhard kann ihr zumindest im Ansatz das Wasser reichen, auch wenn er aus ganz anderen Gründen ein anstrengender Mitbewohner war als sie. Gerhard war psychisch krank, Diana einfach nur boshaft.
Vor ein paar Jahren entdeckte ich, dass Diana sich selbstständig gemacht hatte und für ihren ein-Frau Betrieb eine Webseite erstellt hatte. Ab und zu klicke ich mal drauf und amüsiere mich über die stümperhaft gemachte Seite und die Aufstellung ihrer erfolgreichen Projekte, welche kürzer ist als die Liste von vegetarischen Gerichten im Burger King.
Hoffentlich geht’s ihr so dreckig, wie die Webseite vermuten lässt - ich würde es ihr von ganzem Herzen gönnen.
Mittwoch, 13. August 2008
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