Freitag, 29. August 2008

Der verhinderte Abschleppdienst

Im Haus in dem sich meine Innenstadt-WG befand gab es noch zwei weitere Studi-Wohnungen mit je 5 Zimmern. Obwohl die eine WG im Stock über unserer Wohnung und die andere im Stock darunter lag, bekamen wir von den anderen Studenten im Haus nicht viel mit.

Ab und zu begegnete man sich im Treppenhaus, aber darüber hinaus hatten wir nur sehr wenig Kontakt. Lediglich wenn einer der Mitbewohner oder die ganze WG eine Party feierten, war es üblich, dass man sich gegenseitig einlud.

Die meisten Partys fanden in unserer Wohnung statt, meine Mitbewohner und ich waren deutlich feierfreudiger als die anderen Studenten im Haus. Manchmal kam es aber doch vor, dass eine der anderen beiden WGs feierte - meistens wenn dort jemand ein- oder auszog.

Kurz nachdem eine junge Psychologiestudentin in die WG im Stock über uns eingezogen war, flatterte eine Einladung zu einer WG-Party in unseren Briefkasten. Heinrich, Manuela und ich machten aus, dass wir uns gegen 22 Uhr in der Küche treffen wollten, um dann gemeinsam zur Party hoch zu gehen.

Ich traf Heinrich aber schon früher am Abend im Flur und kurz darauf saßen wir in der Küche bei eine Kanne Tee und quatschten über Gott und die Welt. Darüber hinaus überlegten wir uns, ob wir nicht schon früher zur Party gehen sollten. Der Lärm der Musik und der Gäste in der Wohnung über uns war kaum zu überhören.
Heinrich hatte sich für den Abend viel vorgenommen und wollte lieber früher hoch gehen als zu spät.

„Auf der Party sind bestimmt viele Erstsemester-Studentinnen“, überlegte er. „Vielleicht kann ich da ja eine kleine Psychologin abschleppen!“

„Willst Du dann nicht lieber alleine hoch gehen?“, fragte ich. „Alleine hast Du vielleicht bessere Chancen, als wenn Manuela und ich dabei sind.“

„Hm, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Das ist aber keine schlechte Idee. Ich gehe dann wohl besser mal, ich hoffe Du nimmst mir das nicht übel.“

Mit diesen Worten stand Heinrich auf und verließ kurz darauf die Wohnung. Manuela und ich folgten ihm eine knappe halbe Stunde später nach.

In der Nachbar-WG tummelten sich viele junge Studenten und Studentinnen und ein großer Teil davon war schon recht angeheitert. Bier, Wein und stärkerer Alkohol waren bei solchen Gelegenheiten meist im Überfluss vorhanden.

In der Küche – beim Wassertrog – herrschte wie immer bei Partys ein großes Gedränge und ich brauchte einige Minuten, bis ich zwei Plastikbecher mit Rotwein für Manuela und mich organisiert hatte.

Danach mischten wir uns unter das Volk. Gut zwei Stunden und einige Becher Wein später beschlossen Manuela und ich, dass es Zeit zum Schlafengehen war und wir wieder in unsere WG runter gehen wollten. Manuela wollte bei der Wohnungstür warten, während ich nach Heinrich suchen ging. Wenig später entdeckte ich ihn in einem der Zimmer beim Gespräch mit einem Mitbewohner aus der Party-WG.

„Hey Heinrich, Manuela und ich haben genug und gehen wieder runter zu uns. Kommst Du mit?“

„Nö ich bleibe noch etwas hier“, antwortete er. „Geht mal ruhig. Ich kenn ja den Weg.“

„Dann noch viel Glück beim Abschleppen einer kleinen Psychologin“, wünschte ich ihm.

Heinrich guckte mich entgeistert an, ebenso wie drei Studentinnen, die neben ihm standen und sich bis vor einem Moment noch angeregt miteinander unterhalten hatten – der Alkohol hatte wohl meine Zunge gelöst.

„Du gehst wohl besser wieder zurück in die Wohnung. Du bist ja betrunken und weißt nicht was Du redest“, versuchte Heinrich die Situation zu retten.

Seinem Blick nach zu urteilen glaubte er aber auch nicht mehr daran, dass er nach diesem Spruch von mir heute Abend noch ein Erfolgserlebnis haben würde.