Bei einem meiner Praktika an der New York University wohnte ich mit Max, einem Studenten aus Litauen zusammen in einer kleinen zwei Zimmer Wohnung im Herzen von Brooklyn.
Die Wohnung lag genau auf der Grenze zwischen einem Jüdischen und einem Afroamerikanischem Wohngebiet. Wenn ich spät abends mit der U-Bahn Linie F von Manhattan zu meiner Wohnung in Brooklyn fuhr, war ich meistens der einzige weiße Fahrgast in der gesamten U-Bahn. Das war schon ein komisches Gefühl.
Überhaupt stießen in dem Wohngebiet die Gegensätze aufeinander. Die Jüdischen Häuser waren alle sehr gepflegt, die Rasen gemäht und die Hecken sauber beschnitten. Auf der anderen Seite der Nostrand Avenue begann unübersehbar das Afroamerikanische Wohngebiet: überall lagen Mülltüten auf dem Gehweg, viele Häuser hatten dringend eine Sanierung notwendig und die Rasen und Hecken sahen deutlich ungepflegter aus als auf der anderen Seite der Straße. Der Unterschied zwischen Arm und Reich war hier unübersehbar.
Da ich jeden Morgen und jeden Abend über eine Dreiviertelstunde mit der U-Bahn fahren musste, um zur Uni zu kommen, blieb abends ich nach der Arbeit oft in Manhattan, um dort noch etwas von New York City zu sehen. So besuchte ich dort eine Broadway Show im Theater der Marriott Hotels am Times Square und trank danach einen Cocktail im rotierenden Restaurant im obersten Stock des Hotels oder ich sah einen Auftritt der Blue Man Group.
Oft lief ich abends aber nur durch Manhattan und sah mir Straßen oder Stadtteile an, die ich noch nicht gesehen hatte. So lief ich eines Abends die 8th Avenue runter und wollte wieder zurück in Richtung Broadway, als ich mich unvermittelt vor einer Straßensperre wieder fand. Alle paar Meter standen Polizisten oder Spezialeinheiten in schwarzen Anzügen mit dunklen Brillen und einem Kabel in einem Ohr – wie in einem Will Smith Film.
Neugierig wie ich nun einmal bin, sprach ich einen Polizisten an, um zu fragen, was da los ist.
„Der Präsident und die First Lady sind gerade beim Abendessen in einem Restaurant auf dieser Straße“, erwiderte der Polizist.
„Dafür das ganze Aufkommen?“
„Der Präsident ist ein wichtiger Mann.“ Der Polizist winkte mir mit seiner Hand. „Bitte gehen Sie weiter.“
„Aber ich würde gerne diese Straße gehen, da ich zum Broadway will,“ sagte ich.
„Das tut mir leid, aber hier können Sie nicht durch. Nehmen Sie die nächste Querstraße einen Block südlich von hier.“
„Können Sie mich nicht durchlassen. Der nächste Block ist ganz schön lang. Ich werde den Präsidenten auch nicht um ein Autogramm bitten. Ich möchte nur durch.“
Der Polizist blieb hart: „Wenn Sie nicht gleich weiter gehen, muss ich Sie verhaften.“
Das war ein sehr überzeugendes Argument. Also ging ich weiter bis zur nächsten Querstraße, die plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt war.
So traf ich nur fast einmal den Amerikanischen Präsidenten...
Donnerstag, 6. November 2008
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