Als ich mein Auslandsjahr in den USA machte, lernte ich die Amerikaner und deren Kultur sehr intensiv kennen. In vielen Dingen sind die Menschen auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans den Menschen diesseitig sehr ähnlich.
Zwei Sachen, die in den USA sehr unterschiedlich sind als bei uns, fielen mir aber deutlich auf. Zum einen konnte man dort wirklich alles auf Pump kaufen. So besaß meine Vermieterin nicht nur 5 oder 6 Kreditkarten und besorgte sich immer wieder eine neue, wenn die alte „Maxed Out“ (überzogen) war. Sie bekam auch von den städtischen Elektrizitätswerk und von der Telefongesellschaft Kredit auf ihre monatlichen Rechnungen gewährt.
Debroah zahlte oft nur die Zinsen für den Kredit auf die monatlichen Rechnungen und schob so einen stetig anwachsenden Berg von Telefon und Stromschulden vor sich her.
Meine Vermieterin war aber nicht die einzige, die sich so leichtfertig in die Schuldenfalle stürzte. Lindsay, eine meiner beiden wissenschaftlichen Hilfskräfte an der Uni schwärmte mir bei einem Treffen vor, dass sie sich mit ihren 19 Jahren einen nagelneuen Ford Mustang gekauft hätte. Sie konnte sich den Wagen aber nur leisten, indem sie einen Kredit von 14.000 US$ aufgenommen hätte, welcher ihr vom Autohändler direkt vor Ort gewährt worden wäre.
Sie freute sich noch, dass sie, als 19 Jahre junge College Studentin ohne festen Job schon so einen hohen Kredit bekommen würde. Ich dachte mir aber, dass in diesem Land irgendwas falsch läuft, wenn sie als mittellose College Studentin schon einen 14.000$ Kredit bekommt.
Allison wollte kurz nach ihrem zwanzigsten Geburtstag Heiraten und wollte auf die Hochzeitsfeier auf einem Schiff nach Kanada feiern, da sie in den USA mit unter 21 Jahren noch keinen Alkohol trinken durfte. In Kanada ist das Mindestalter für den Genuss von alkoholischen Getränken 18 Jahre, nur so konnte sie auf ihrer eigenen Hochzeit mit den Gästen anstoßen.
„Vielleicht ist das auch einfach ein Zeichen dafür, dass Du noch ein wenig zu jung zum Heiraten bist“, meinte ich zu ihr. Aber Lindsay hatte für alles eine Antwort: „Oh, das ist doch alles kein Problem. In Kanada darf ich trinken und nach der Hochzeit kommen wir wieder nach New York zurück und dann muss ich eben noch ein Jahr warten, bis ich mal wieder was trinken darf.“
*** ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt ***
Aber zurück zu Amerika und der zweiten Sache, die mir aufgefallen war: die Fernsehkultur.
Fernsehen ist den Amerikanern sehr wichtig und es ist ein integraler Bestandteil der Freizeitgestaltung und der (un)Wissensvermittlung. Wenn man die Nachrichten im Amerikanischen Fernsehen sieht, wird einem klar, was mit dem Spruch „only bad news are good news“ (nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten) gemeint ist.
In den US-Nachrichtensendungen wird jede noch so kleine Mücke zu einem gewaltigen Mammut aufgeblasen. Wurde zum Beispiel mal jemand von einer Wespe gestochen, so liefen kurz darauf Reportagen im Fernsehen über den Angriff der tödlichen Killerwespen aus Mexico, die jeden jederzeit und überall anfallen und zu Tode stechen können.
Fielen die ersten fünf Schneeflocken im Dezember wurde gleich von der neuen Eiszeit berichtet, die über den Staate New York hereinbrechen würde und für Verkehrschaos, tausende erfrorene Menschen und stundenlange Stromausfälle sorgen würde. Menschen wurden auf der Straße interviewt und befragt, wie sie sich auf die Eiskatastrophe vorbereiten würden und ob sie Angst um sich und ihre Angehörigen haben würden.
Das Fernsehen, die Radiosender und die Tageszeitungen versuchten sich praktisch gegenseitig den Rang abzulaufen beim Berichten von noch schrecklicheren Katastrophen und Gefahren für Leib und Leben der New Yorker Vorstadtbewohner.
Eine Schlägerei von Jugendlichen vor einem lokalen Kino löste eine Welle von Berichten über den Einfluss von organisierten Gangs und der Mafia auf den örtlichen Einzelhandel und das alltägliche Leben aus. Eine durchgebrannte Heizspirale in einem Toaster führte unwillkürlich zu Reportagen über die Lebensgefahren durch Haushaltsgeräte und ein Unwetter zu endlosen Sendungen mit Live-Bildern von durch Blitzschlag entzündeten Häusern und getöteten Menschen.
Der mehr oder minder aufmerksame Konsument all der gesendeten oder gedruckten Katastrophenberichte wurde dadurch auf einem dauerhaft erhöhten Erregungsniveau gehalten. Die Nachrichten vermittelten den Eindruck, dass man ständig Angst um seine Gesundheit, sein Leben, sein Eigentum und seine Familie haben sollte.
Mit den regelmäßig zwischen den Nachrichten eingestreuten Verkaufsshows, war das die perfekte Masche, um den Menschen unnützen Tand anzudrehen. Frei nach dem Motto „The more you shop, the more you safe“ (je mehr Sie kaufen, desto mehr sparen Sie) – diesen Spruch habe ich tatsächlich mehrfach im Shopping Kanal zu hören bekommen.
Eine alte Weisheit besagt, dass Menschen, die ständig in Angst leben sich leichter kontrollieren lassen. Die Amerikanischen Fernsehsender zeigen deutlich, dass sich Menschen in Angst auch leichter ausnehmen lassen.
Zum Glück sind die Fernsehsender in Deutschland noch nicht ganz so weit, wie ihre Amerikanischen Pendants.
Mittwoch, 17. Dezember 2008
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1 Kommentare:
damit hast du nicht zuletzt moore's "bowling for columbine" sehr präzise auf den punkt gebracht ;)
nieder mit den "africanized bees"
;)
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