Donnerstag, 15. Januar 2009

The best of Lars

Mein Mitbewohner Lars Spulte gerne immer ab, was für ein toller Hengst er ist und was er alles kann und macht. Natürlich war das meiste davon nur heiße Luft und verpuffte schneller als ein Furz in einer Ventilatorenfabrik, aber unterhaltsam war es schon manchmal.
Hier ist eine kurze Liste von Lars Originalsprüchen:

Manuela und ich hatte uns am Wochenende eine Pizza gebacken. So komplett im Alleingang, d.h. inklusive Teig kneten, Gemüse schnipseln, Tomatensauce würzen und sogar Gouda reiben. So schmeckt die Pizza am Besten.

Als die Pizza im Ofen vor sich hin brutzelte kam Lars in die Küche, schnüffelte ein paar Mal und beugte sich dann zum Ofen runter: „Geil ihr habt Pizza gemacht? Was ist denn da drauf, ich dachte Du bist Vegetarier“, sage er zu mir gewandt.

„Nun ja, das übliche. Paprika, Oliven, Artischocken, Peperoni, Pilze und ganz viel Käse!“

„Nee, auf eine echte Pizza gehört auch Salami oder Schinken oder ein paar Sardellen“, erwiderte Lars. „Ihr müsst wissen, dass ich ein echter Pizza-Experte bin!“

Danach verdrückte sich Lars wieder und ließ und unsere Pizza in Ruhe genießen.

Ein paar Tage später wurde ich Zeuge von Lars’ Pizza-Expertise. Er hatte sich beim Penny Markt eine billige Tiefkühlpizza gekauft und war gerade dabei sie aus der Folie zu schälen, als ich in die Küche kam. Lars stellte sich dabei aber so ungeschickt an, dass die gefrorene Pizza erst einmal auf dem Boden landete, bevor er sie in den vorgeheizten Ofen bugsierte.

„Na, ist der Pizza-Experte beim Backen?“, kommentierte ich seine Aktion trocken.

„Das ist heute mal eine Ausnahme. Normalerweise mache ich die Pizza natürlich selbst“, wehrte Lars ab.

„Nee is klar“, meinte ich.


Lars kiffte gerne mal und wollte groß in die Produktion seines eigenen Krauts einsteigen, um sich das Geld für den Einkauf zu sparen. Er kannte zwar Leute, die ihm den Stoff besorgen konnten, hatte aber keinen Plan woher er an Samen für den eigenen Garten kommen würde.

Schließlich fragte er Hannes, den Freund von meiner Mitbewohnerin Tatjana, welcher auch ab und an mal ein Tütchen mitbrachte, ob er nicht jemanden kenne, der ihm das Ausgangsmaterial für seinen Lieblingszeitvertreib verkaufen könnte. Tatsächlich konnte Hannes Samen besorgen, sogar für umsonst.

Nachdem Lars damit mehr oder weniger erfolgreich ein paar Pflanzen aufgezogen und anschließend getrocknet hatte, lief er mit einer kleinen Plastiktüte voller Blätter durch die Wohnung und fragte jeden, ob er ihm nicht was abkaufen wolle. Er kam sich offenbar wie ein studentischer Pablo Escobar vor.

Als er Hannes fragte, ob er ihm für 20 Euro ein paar Blätter abkaufen wollte, platze diesem der Kragen. „Hör mal, ich habe Dir die Samen umsonst besorgt und Du willst mir den Stoff, den Du damit gezüchtet hast jetzt verkaufen? Bist Du noch ganz sauber? Ohne mich würdest Du Dich immer noch durch die Weltgeschichte fragen. Natürlich gibst Du mir ein paar Gramm umsonst. Das ist doch wohl klar, oder?“

„Jetzt mach mal nicht so ein Dampf“, wehrte Lars ab. „Ich geb Dir ja was ab. Das mit dem Verkaufen war doch nur ein Spaß.“



Unter der Dusche sang Lars gerne. Aber weder sein Gesangestalent noch die Auswahl der Lieder konnten uns andere Mitbewohner so recht überzeugen. Oft sang er morgens „Oh Tannenbaum“, selbst mitten im Sommer.

Lars konnte es aber auch nicht bleiben lassen und uns in die Hintergründe für seine Liederauswahl einzuweihen: „Wisst ihr, was das Beste am Morgen ist?“ frage er Tatjana und mich als wir morgens beim Frühstück in der Küche zusammen saßen. „Sich in der Morgensonne unter der warmen Dusche einen runterzuholen. Das ist richtig geil.“

Dann verschwand er in Richtung Badezimmer. Ich hoffte nur, dass er sich am Anfang seiner Dusche einen wedelte und nicht erst zum Schluss, wenn er das Wasser schon abgedreht hatte. Immerhin erklärte dies, warum sich sein bevorzugtes Liedgut um Baumstämme drehte...