In der Innenstadt zu wohnen hat viele Vor- und einige Nachteile. Einer der großen Vorteile ist natürlich, dass man schnell zu allen wichtigen Geschäften und Orten zu Fuß gehen kann und keine lange Anfahrtszeit oder nervige Parkplatzsuche hat. Wenn man zum Beispiel mal vergessen hat, eine Zitrone zu kaufen, dann läuft man eben schnell zum nächsten Supermarkt und kauft sich eine.
Zum Kino kann man problemlos zu Fuß laufen – und kommt natürlich immer zu spät zum Treffen mit den Freunden, da diese längere Anreisewege haben und sich daher früher auf den Weg gemacht haben, um pünktlich zu kommen.
Einer der Nachteile ist, dass man Samstags praktisch nicht ausschlafen kann, da in der Fußgängerzone vor dem Fenster bereits um 9 Uhr die Einkäufer lautstark ihren Geschäften nachgehen und spätestens um 10 Uhr der erste Akkordeonspieler vor dem Haus mit seiner Endlosschleife von „La Toccata“ (in der Hochgeschwindigkeitsversion) beginnt.
Tritt man vor die eigene Haustür – sofern das überhaupt möglich ist, weil nicht selten Döner-Essende Einkäufer (um 10 Uhr früh!) auf der Stufe hocken und diese nur unter schmatzendem Protest wieder frei geben, als hätten sie diesen Platz am Abend vorher telefonisch reserviert – steht man sofort im Einkaufsgetümmel, ohne auch nur den Hauch einer Chance dieses zu haben, dieses zu umgehen.
Aber man geht nicht nur mit den Einkäufern in der Innenstadt auf Tuchfühlung, sondern auch mit seinen Nachbarn, da die Häuser in der Stadt alle sehr eng aufeinander stehen und man problemlos in die Wohnungen der anderen schauen kann und selbst in die Wohnung geschaut bekommt.
Manchmal kann das ganz lustig sein, wie im Fall des Damenfitness-Studios auf der einen Hausseite meiner Innenstadt-WG, manchmal kann das auch eher anstrengend sein, wie zum Beispiel im Fall des lustigen Abends einer meiner Nachbarinnen im Sommer vor einigen Jahren.
Unsere Nachbarn feierten mitten in der Woche eine Party. Ein Geburtstag oder was ähnliches. Dagegen ist eigentlich nichts auszusetzen, vor allem nicht von uns Studenten, da wir als in unserer WG auch schon die ein oder andere Party gefeiert haben und dabei nicht gerade um 22 Uhr die Musik abgedreht hatten.
Interessant war jedoch nicht die Party an sich, sondern was im Schlafzimmer zur Straße hin passierte. Dessen Fenster stand offen und ich konnte von meinem Zimmer aus praktisch jedes Wort hören, das auf der anderen Straßenseite gesprochen wurde. Offensichtlich versuchte ein männlicher Gast bei der Gastgeberin zu landen.
Er schwärmte von sich und seiner Arbeit und all den Sachen die er macht und machen will. Er versuchte zwar auch aufmerksam für die Dinge zu sein, die sein weibliches Gegenüber sagte, auch wenn er sie oft nicht lange Reden ließ, denn meistens hörte ich nur ihn reden ... und Shakira singen!
Einer von den beiden hatte nämlich die Maxi-CD von „Underneath your Clothes“ von Shakira aufgelegt und auf „Wiederholen“ eingestellt, so dass dieser Song in Endlosschleife aus dem CD Player schallte und aufgrund der geringen Distanz zum Nachbarhaus auch in meine Ohren drang, da ich das Fenster geöffnet hatte, um die Sommerhitze etwas zu vertreiben.
Das war zwar etwas nervig, weil ich nun nicht gerade ein großer Shakira Fan bin, aber ich baute darauf, dass die beiden bald zum gemütlichen Teil dieses Annäherungsversuchs übergehen würden und dann die Musik durch eine eher private Geräuschkulisse ersetzen würden.
Als meine Freundin Manuela und ich gegen Mitternacht ins Bett gingen, lief nebenan immer noch Shakira und man hörte ihn immer quatschen. Ich starrte im Bett eine Weile lang an die Decke und dachte mir, „Nun lass ihn halt endlich ran, damit mal Ruhe herrscht.“
Dann schlief ich trotz, oder vielleicht auch wegen Shakira ein.
Gegen drei Uhr früh wachte ich noch einmal auf. Shakira explorierte immer noch die Kleidung ihres Gegenübers, der Schwätzer in der Nachbarwohnung war immer noch beim Vorspiel. So langsam ging mir das auf den Geist!
Ich schaute zu meiner Freundin rüber, sie starrte Löcher in die Dunkelheit.
„Also so langsam kann ich den Song echt nicht mehr hören. Ich hoffe, die kommen bald mal zur Sache.“
„Das wird heute Nacht nichts mehr, wenn sie ihn jetzt noch nicht rangelassen hat, dann wird sie es auch den Rest der Nacht nicht tun“, erwiderte sie.
„Und was machen wir jetzt? Wir müssen beide morgen früh arbeiten und ich habe keine Lust darauf, dass mich Shakira noch mal in den Schlaf singt.“
„Was willst Du machen? Bei denen klingeln? Du weißt ja noch nicht einmal welche Klingel das ist!“
„Wir könnten denen irgendwas ins Fenster schmeißen, eine feuchte Klopapierrolle oder so.“
„Triffst Du das Fenster auf die Entfernung?“
Das war ein guter Punkt. Also tat ich das einzige, was mir noch übrig blieb. Ich ging zum Fenster und rief über die Straße: „Poppt endlich oder macht die Musik aus, aber entscheidet euch mal!“
Kurz darauf wurde das Fenster geschlossen und Shakira verstummte. Den Rest der Nacht schlief ich friedlich wie ein Baby.
Donnerstag, 12. März 2009
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1 Kommentare:
Hahaha, das kenne ich zu gut :D LOL! Geht uns auch so, jeden Freitag Abend!
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