Donnerstag, 30. April 2009

Pizza Napkin

Immer wenn ich in den USA für ein Auslandspraktikum war nahm ich einige Pfunde oder Kilogramm zu. Das Amerikanische Essen war wohl nicht für meinen Gaumen geeignet, oder mein Essverhalten in Übersee war anders als in Deutschland – oder es war eine Kombination von beidem.

Das Essen an der State University of New York (SUNY) in Stony Brook war aber auch extrem ungesund. Wie das viele Universitäten in den USA machen, hatte auch die SUNY die Speisesäle auf dem Campus (auch Food Courts genannr) und in den Wohnheimen an große Fastfood Ketten vermietet, welche die Studenten mit Burgern, Pommes und Pizza versorgten.

Darüber hinaus mussten die alle regulär eingeschrieben Undergradute (so was wie Vordiplom) Studenten einen sogenannten Meal Plan (Versorgungsplan) kaufen. Das heißt, die Studenten, bzw. eher ihre Eltern mussten Monat für Monat einen festen Geldbetrag auf die ID-Karten ihrer Sprösslinge überweisen, damit diese in den verschiedenen Mense auf dem Campus ihr Essen damit bezahlen konnten.

Dieser Meal Plan galt natürlich nur für die Burgerketten und sonstigen Fast Food Restaurants auf dem Campus. Restaurants in der Stadt akzeptierten die Meal Plans der Studenten nicht als valides Zahlungsmittel.

Mit anderen Worten, die Studierenden waren gezwungen alle Mahlzeiten auf dem Campus einzunehmen und hatten praktisch keine andere Wahl, als sich von den Ketten auf XXXL Format aufpumpen zu lassen.

Die vielen Cafe-Stände mit Muffins, Donuts, Brownies und vielen andere Leckereien trugen darüber hinaus zu meinen neuen und verbesserten Körpermassen bei – dabei musste ich als Gaststudent noch nicht einmal einen Meal Plan bezahlen, sondern konnte als Praktikant auch selbst entscheiden,ob und was ich essen wollte. Doch das Angebot in den Food Courts wurde dadurch nicht besser.

Bei einem der Essensbesuche im Students Activity Sender (SAG) stand vor mir in der Kassenschlange ein Student mit einer Pizza auf dem Teller. Nachdem er dem Kassierer seine Meal Plan Karte zum Bezahlen hingehalten hatte fing er an, sich Servietten (engl. Napkins) aus einer Spenderbox neben der Kasse zu ziehen.

Er zog eine Serviette nach der anderen as der Box und schien gar nicht mehr aufzuhören wollen. Schließlich ging er mit einer Handvoll Servietten und seinem Pizza Tablett in der anderen Hand weg und setzte sich an einen Tisch am Fenster.

Nachdem ich gezahlt hatte, setzte ich mich an einen Tisch ganz in der Nähe des Studenten aus der Kassenschlange. Dieser hatte inzwischen angefangen, den Fett-Tümpel auf seiner Pizza mit den Servietten abzutupfen, um wenigstens ein bisschen Fett weniger konsumieren zu müssen.

Andere Gäste nahmen die Pizza in eine Hand, bogen die Enden hoch und neigten den Teig in Richtung ihres Tellers, so dass das Fett runter floss. Viel gesünder wurde die Pizza dadurch jedoch nicht, aber in einem Land, in dem Leute zum Abnehmen zwei Dutzend Low Fat Mini Donuts essen und glauben, sie würden dabei Gewicht verlieren, braucht einen gar nichts mehr zu wundern.