Um die Sicherheit stand es in unserem Studentenwohnheim nicht sonderlich gut. Die Eingangstür zu jedem Block stand meistens Tag und Nacht offen. Und so kam es durchaus mal vor, dass ein Fahrrad oder andere Wertgegenstände aus dem Keller verschwanden.
Jede Wohnung hatte natürlich auch noch eine eigene Tür. Eines Tages vergaß ich meinen Schlüssel in der Wohnung und da keiner meiner Mitbewohner da war, musste ich vor der Tür warten, bis jemand nach Hause kam, um mir die Tür aufzuschließen.
Als erster tauchte jedoch unser Nachbar Nico auf. Er fragte mich, warum ich auf der Treppe sitzen würde. Ich erzählte ihm von meinem Missgeschick. Er lachte und meinte: „Pass auf, ich helfe Dir!“
Er ging in seine Wohnung und kam kurz darauf mit einem Taschenmesser wieder heraus. Er steckte das Messer zwischen die Tür und den Rahmen und mit einem leisen Klick sprang die Tür auf. Ich war sehr überrascht, dass das so einfach ging. Auf der anderen Seite erklärte diese Aktion, wieso unser Türrahmen auf Höhe der Klinke so verkratzt war, offenbar war Nico nicht der erste der diesen Trick ausführte.
Ich bedankte mich bei Nico, ging zurück in die Wohnung und fing an, meine Wertsachen unter dem Bett und in der hintersten Ecke meines Schranks zu verteilen. Eingebrochen wurde während meiner Zeit in dieser Wohnung zum Glück nicht. Jedoch verschwanden trotzdem ein paar CDs von mir, doch da habe ich eher meinen DJ-Mitbewohner Lars unter Verdacht, der seine eigene CD Sammlung vielleicht etwas bereichert hat.
Mittwoch, 27. Juni 2007
Montag, 25. Juni 2007
Nächtlicher Störenfried (Epilog)
Meinen nächtlichen Besucher hatte ich offenbar an meinen Mitbewohner Wigald weiter vermitteln können. Doch die Freude über die erfolgreiche Vertreibung des Nagers währte nur kurz.
So erzählte mir Wigald, dass er die Maus dabei erwischt hatte, wie sie gerade dabei war einen Durchgang zwischen unseren beiden Zimmern zu graben. Sie hatte angefangen das Loch aufzubrechen, durch welches die Heizungsrohre von seinem in mein Zimmer liefen. Als Wigald aufgrund des Geräuschpegels das Licht in seinem Zimmer anmachte, schaute der Schwanz der Maus aus dem bereit beachtlich angewachsenen Loch in der Wand hinaus. Wigald, ein Mann der Tat, griff beherzt nach dem Schwanz der Maus, um sie aus dem Loch zu ziehen. Überrascht quietsche die Maus und versuchte tiefer in das Loch zu laufen. Im Endeffekt siegte der Nager beim Schwanz-Tauziehen Mann gegen Maus und versteckte sich im Wandloch.
Wigald schob zunächst eine große Kiste vor das Loch, damit er den Rest der Nacht Ruhe hatte und der Nager eingesperrt war. Am nächsten Morgen gibste er es zu. Entweder, so meinte er, hätte er die Maus nun lebendig eingemauert oder sie ist über Löcher im Boden oder einen Hohlraum zwischen den Wänden entfleucht und stört nun die WG unter uns.
Wir hatten in unserer Wohnung zunächst einmal Ruhe vor den Nagetieren.
So erzählte mir Wigald, dass er die Maus dabei erwischt hatte, wie sie gerade dabei war einen Durchgang zwischen unseren beiden Zimmern zu graben. Sie hatte angefangen das Loch aufzubrechen, durch welches die Heizungsrohre von seinem in mein Zimmer liefen. Als Wigald aufgrund des Geräuschpegels das Licht in seinem Zimmer anmachte, schaute der Schwanz der Maus aus dem bereit beachtlich angewachsenen Loch in der Wand hinaus. Wigald, ein Mann der Tat, griff beherzt nach dem Schwanz der Maus, um sie aus dem Loch zu ziehen. Überrascht quietsche die Maus und versuchte tiefer in das Loch zu laufen. Im Endeffekt siegte der Nager beim Schwanz-Tauziehen Mann gegen Maus und versteckte sich im Wandloch.
Wigald schob zunächst eine große Kiste vor das Loch, damit er den Rest der Nacht Ruhe hatte und der Nager eingesperrt war. Am nächsten Morgen gibste er es zu. Entweder, so meinte er, hätte er die Maus nun lebendig eingemauert oder sie ist über Löcher im Boden oder einen Hohlraum zwischen den Wänden entfleucht und stört nun die WG unter uns.
Wir hatten in unserer Wohnung zunächst einmal Ruhe vor den Nagetieren.
Freitag, 22. Juni 2007
Eine 25 Liter Biomülltonne ist keine gute Idee
Meine Mitbewohnerin Simone musste einmal auf die harte Tour herausfinden, dass es nicht so gut ist, wenn man einen 25 Liter Biomülleimer hat. Es war im Hochsommer, das Wetter war heiß und sonnig und wir verbrachten unsere Zeit am Hörnle (einem Strandbad) oder am Uni Strand. An Putzen oder Müll raus bringen dachte niemand. So füllten sich alle Tonnen, der Gelbe Sack und natürlich auch der Biomüll.
Mit fiel zwar schon auf, dass der Biomüll sich bedrohlich füllte, aber ich hatte keine Lust wieder einmal Simones Putzdienst zu erfüllen. Ich hatte schon so oft den Müll runter gebracht, obwohl ich nicht dran war und dachte mir, ich warte mal ab und schaue, wann Simone endlich mal ihre Pflicht erfüllt.
Einige Tage später war der Biomüll tatsächlich geleert und die Tonne sogar geputzt. Hatte Simone tatsächlich ihre innere Hausfrau entdeckt?
Später am Abend kam Simone in die Küche und erklärte, dass wir uns eine kleinere Biomülltonne zulegen sollten. Als ich fragte, was der Grund für diese Idee war meinte sie, dass sie heute den Biomüll runter gebracht habe und ihn kaum tragen konnte. Darüber hinaus wäre der Müll total widerlich gewesen. Denn als sie die Tonne auskippte, musste sie entdecken, dass das untere Drittel praktisch komplett aus Maden bestand. Sie hat dann spontan dem Gott der Biomülltonne noch ein Opfer gebracht und ihr Mensaessen wieder gesehen. So bekamen die Maden noch ein leckeres warmes Essen...
Diese Schocktherapie hielt jedoch leider nicht allzu lang. Als Simone das nächste Mal mit dem Biomüll dran war, dauerte es wieder etwas lange, bis sie ihn runter gebracht hat. Dabei hatten wir keine kleinere Tonne gekauft. Manche Leute lernen es eben nie.
Mit fiel zwar schon auf, dass der Biomüll sich bedrohlich füllte, aber ich hatte keine Lust wieder einmal Simones Putzdienst zu erfüllen. Ich hatte schon so oft den Müll runter gebracht, obwohl ich nicht dran war und dachte mir, ich warte mal ab und schaue, wann Simone endlich mal ihre Pflicht erfüllt.
Einige Tage später war der Biomüll tatsächlich geleert und die Tonne sogar geputzt. Hatte Simone tatsächlich ihre innere Hausfrau entdeckt?
Später am Abend kam Simone in die Küche und erklärte, dass wir uns eine kleinere Biomülltonne zulegen sollten. Als ich fragte, was der Grund für diese Idee war meinte sie, dass sie heute den Biomüll runter gebracht habe und ihn kaum tragen konnte. Darüber hinaus wäre der Müll total widerlich gewesen. Denn als sie die Tonne auskippte, musste sie entdecken, dass das untere Drittel praktisch komplett aus Maden bestand. Sie hat dann spontan dem Gott der Biomülltonne noch ein Opfer gebracht und ihr Mensaessen wieder gesehen. So bekamen die Maden noch ein leckeres warmes Essen...
Diese Schocktherapie hielt jedoch leider nicht allzu lang. Als Simone das nächste Mal mit dem Biomüll dran war, dauerte es wieder etwas lange, bis sie ihn runter gebracht hat. Dabei hatten wir keine kleinere Tonne gekauft. Manche Leute lernen es eben nie.
Mittwoch, 20. Juni 2007
Später Besuch der Meersburg
In den ersten drei Monaten meines Studiums wohnte ich in einem Zimmer in einer Ferienwohnung in Meersburg, da ich in Konstanz keine Bleibe gefunden hatte. Meersburg liegt auf der anderen Seite des Überlinger Sees und ich musste jeden morgen mit der Fähre nach Konstanz fahren und abends wieder zurück.
Meersburg ist ein beliebtes Reiseziel für Bodensee-Touristen. Neben einer schönen Strandpromenade und einem tollen Ausblick über den Bodensee (insbesondere von der Oberstadt aus), bietet Meersburg auch noch die Namensgebende Burg und das Haus der Anette von Droste Hülshoff als Sehenswürdigkeiten. Darüber hinaus ist im Sommer in der Stadt praktisch 6 Monate lang Dauerparty mit Bierzelt, Blasmusik und Würstchenverkauf. Das kann für die Einwohner ganz schön anstrengend aber auch lukrativ sein. Dafür haben die meisten Geschäfte von Ende Oktober bis Anfang April geschlossen und die Einwohnerzahl halbiert sich.
Ich habe von Oktober bis Ende Dezember in Meersburg gewohnt und bin von der Sommerparty größtenteils verschont geblieben. Das Absurde an meiner Zeit in Meersburg ist, dass ich es in diesen drei Monaten nicht geschafft habe, mal die Burg zu besichtigen, obwohl diese keine 200 Meter von meiner Ferienwohnung entfernt war.
Ich hatte eben immer etwas Besseres zu tun, als mir die Meersburg anzusehen. Ich dachte, ich könnte ja auch noch morgen gehen oder übermorgen oder am kommenden Wochenende, oder ... So ist das eben mit Sehenswürdigkeiten in der eigenen Stadt. Man geht nicht hin, weil man jederzeit gehen könnte und so keinen Drang verspürt das jetzt zu tun. Dann zieht man weg und stellt auf einmal fest, dass man sich seine ehemalige Heimatstadt gar nicht wirklich angeschaut hat.
So habe ich zum Beispiel unsere Hauptstadt Berlin auch erst besucht, nachdem ich bereits die Metropolen London, Paris, Warschau, Washington D.C., Amsterdam und Ottawa gesehen hatte.
Den Besuch der Meersburg habe ich zwei Monate nach meinen Umzug in meine Konstanzer Studenten-WG gemeinsam mit meiner Schwester nachgeholt. Ich rief sie an einem Samstag früh an und lud sie zu einem Meersburg-Trip ein mit den Worten: „Jetzt habe ich da drei Monate lang gewohnt und mir diese dämliche Burg trotzdem nicht angesehen. Das holen wir jetzt nach!“ Die Burg war echt ganz nett und ganz und gar nicht dämlich.
Inzwischen wohne ich in Hamburg. Im Konstanzer Münster war ich in meinen 11 Jahren am Bodensee jedoch nicht einmal drin...
Meersburg ist ein beliebtes Reiseziel für Bodensee-Touristen. Neben einer schönen Strandpromenade und einem tollen Ausblick über den Bodensee (insbesondere von der Oberstadt aus), bietet Meersburg auch noch die Namensgebende Burg und das Haus der Anette von Droste Hülshoff als Sehenswürdigkeiten. Darüber hinaus ist im Sommer in der Stadt praktisch 6 Monate lang Dauerparty mit Bierzelt, Blasmusik und Würstchenverkauf. Das kann für die Einwohner ganz schön anstrengend aber auch lukrativ sein. Dafür haben die meisten Geschäfte von Ende Oktober bis Anfang April geschlossen und die Einwohnerzahl halbiert sich.
Ich habe von Oktober bis Ende Dezember in Meersburg gewohnt und bin von der Sommerparty größtenteils verschont geblieben. Das Absurde an meiner Zeit in Meersburg ist, dass ich es in diesen drei Monaten nicht geschafft habe, mal die Burg zu besichtigen, obwohl diese keine 200 Meter von meiner Ferienwohnung entfernt war.
Ich hatte eben immer etwas Besseres zu tun, als mir die Meersburg anzusehen. Ich dachte, ich könnte ja auch noch morgen gehen oder übermorgen oder am kommenden Wochenende, oder ... So ist das eben mit Sehenswürdigkeiten in der eigenen Stadt. Man geht nicht hin, weil man jederzeit gehen könnte und so keinen Drang verspürt das jetzt zu tun. Dann zieht man weg und stellt auf einmal fest, dass man sich seine ehemalige Heimatstadt gar nicht wirklich angeschaut hat.
So habe ich zum Beispiel unsere Hauptstadt Berlin auch erst besucht, nachdem ich bereits die Metropolen London, Paris, Warschau, Washington D.C., Amsterdam und Ottawa gesehen hatte.
Den Besuch der Meersburg habe ich zwei Monate nach meinen Umzug in meine Konstanzer Studenten-WG gemeinsam mit meiner Schwester nachgeholt. Ich rief sie an einem Samstag früh an und lud sie zu einem Meersburg-Trip ein mit den Worten: „Jetzt habe ich da drei Monate lang gewohnt und mir diese dämliche Burg trotzdem nicht angesehen. Das holen wir jetzt nach!“ Die Burg war echt ganz nett und ganz und gar nicht dämlich.Inzwischen wohne ich in Hamburg. Im Konstanzer Münster war ich in meinen 11 Jahren am Bodensee jedoch nicht einmal drin...
Montag, 18. Juni 2007
Schattenspiele unter der Dusche
In meiner Studenten-WG war fast alles klein und beengt. Die Zimmer waren von 10,5 qm bis 14 qm groß, die Küche hatte 12 qm, das Bad knapp 8 Quadratmeter. Das einzige, was wirklich groß war, war die Duschkabine. Diese ging über die volle Breite des Bads und hatte eine ebenso lange Duschwand. Man konnte problemlos zu zwei darin duschen. Mein Mitbewohner Lars und seine Freundin, die Dauerzwischenmieterin, nutzen diese Dusche oft für längere, ähm, sagen wir mal Reinlichkeitsaufenthalte.
Wir hatten in der Duschkabine so viel Platz, dass wir auf einer Seite der Duschwanne eine kleine Palme stehen hatten, die so zu einer regelmäßigen Wässerung kam – wie sie das überlebt hat, ist mir heute noch ein Rätsel. Eigentlich hätte die Pflanze elendig absaufen müssen...
Ein kleiner Nachteil der Dusche war jedoch, dass sie an die Außenwand des Hauses grenze und daher das einzige Fenster im Badezimmer direkt in der Duschkabine war. Es hatte zwar eine Milchglasscheibe, aber wenn man abends das Licht im Bad eingeschaltet hatte, bekamen die umliegenden Wohngemeinschaften eine kostenlose Schattenspiel-Vorstellung.
Das Wohnheim bestand aus drei Reihen mit je drei Wohnblöcken. Vom Balkon der ersten Reihe konnte man problemlos alles beobachten, was in der Dusche der zweiten passierte und vom Balkon der zweiten, die Geschehnisse der dritten. Unsere WG war in der dritten Reihe, d.h. wir hatten alle Nachteile und keinen der Vorteile.
Eine Freundin von mir wohnte im Block uns gegenüber. Wenn ich sie an der Uni oder rund um das Wohnheim traf, fragte sie mich ab und zu, ob mein Mitbewohner wieder seine Freundin zu Besuch habe. Beim ersten Mal wunderte ich mich noch, woher sie das wisse. Sie meinte, man konnte die beiden beim abendlichen Sex unter der Dusche im Fenster beobachten. Die Rasta-Locken von Lars waren so markant, dass man ihn und seine Freundin eindeutig erkennen konnte.
Als ich Lars mal darauf hinwies, dass ihre gemeinsamen Wasserspiele zum GEZ-freien Fernsehprogramm der Nachbarn geworden waren, meinte er lediglich, dass ihn das nicht stören würde. So kamen die Nachbarn auch weiterhin auf ihre Kosten.
Wenn Lars mal alleine duschte, sang er gerne das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“ – selbst im Hochsommer. Lange Zeit wunderte ich mich, was es mit diesem Gesang auf sich hatte, bis uns Lars mal erzählte, dass das Schönste am Morgen das Masturbieren unter der Dusche wäre – na hoffentlich spült er danach die Dusche gut aus!
Wir hatten in der Duschkabine so viel Platz, dass wir auf einer Seite der Duschwanne eine kleine Palme stehen hatten, die so zu einer regelmäßigen Wässerung kam – wie sie das überlebt hat, ist mir heute noch ein Rätsel. Eigentlich hätte die Pflanze elendig absaufen müssen...
Ein kleiner Nachteil der Dusche war jedoch, dass sie an die Außenwand des Hauses grenze und daher das einzige Fenster im Badezimmer direkt in der Duschkabine war. Es hatte zwar eine Milchglasscheibe, aber wenn man abends das Licht im Bad eingeschaltet hatte, bekamen die umliegenden Wohngemeinschaften eine kostenlose Schattenspiel-Vorstellung.
Das Wohnheim bestand aus drei Reihen mit je drei Wohnblöcken. Vom Balkon der ersten Reihe konnte man problemlos alles beobachten, was in der Dusche der zweiten passierte und vom Balkon der zweiten, die Geschehnisse der dritten. Unsere WG war in der dritten Reihe, d.h. wir hatten alle Nachteile und keinen der Vorteile.
Eine Freundin von mir wohnte im Block uns gegenüber. Wenn ich sie an der Uni oder rund um das Wohnheim traf, fragte sie mich ab und zu, ob mein Mitbewohner wieder seine Freundin zu Besuch habe. Beim ersten Mal wunderte ich mich noch, woher sie das wisse. Sie meinte, man konnte die beiden beim abendlichen Sex unter der Dusche im Fenster beobachten. Die Rasta-Locken von Lars waren so markant, dass man ihn und seine Freundin eindeutig erkennen konnte.
Als ich Lars mal darauf hinwies, dass ihre gemeinsamen Wasserspiele zum GEZ-freien Fernsehprogramm der Nachbarn geworden waren, meinte er lediglich, dass ihn das nicht stören würde. So kamen die Nachbarn auch weiterhin auf ihre Kosten.
Wenn Lars mal alleine duschte, sang er gerne das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“ – selbst im Hochsommer. Lange Zeit wunderte ich mich, was es mit diesem Gesang auf sich hatte, bis uns Lars mal erzählte, dass das Schönste am Morgen das Masturbieren unter der Dusche wäre – na hoffentlich spült er danach die Dusche gut aus!
Samstag, 16. Juni 2007
Nächtlicher Störenfried (Teil 2)
Nachdem ich meinem nächtlichen Besucher den Zutritt zu meinem Zimmer für das Erste versperrt hatte, wähnte ich mich und meine Nachtruhe in Sicherheit. Gut zwei Wochen nach dem ersten Aufeinandertreffen von Mann und Maus in meinem Zimmer wachte ich nachts erneut durch die, mir inzwischen bekannten Trappel-Geräusche in meinem Zimmer auf. Sofort war mir klar, dass mein Hausgast sich wieder Zutritt zu meinem Schlafzimmer verschafft hatte.
Ich stand auf, ging im Dunkeln zur Tür und machte gleich das große Zimmerlicht an. Sehen konnte ich die Maus natürlich nicht. Diese hatte sich wahrscheinlich schon beim ersten Geräusch irgendwo versteckt. Ich wollte primär auch nicht die Maus finden, sondern erst einmal meine Gipsarbeit beim Astloch im Dielenboden überprüfen, um herauszufinden, wie der Nager wieder in Mein Zimmer gekommen war. Der Gips war jedoch nicht beschädigt und dichtete das Astloch immer noch komplett ab. Nicht einmal ein Spalt war zu sehen. Wie hatte es die Maus nur wieder in mein Zimmer geschafft?
Wichtiger als diese Frage war jedoch erst einmal: Wie bekomme ich die Maus jetzt wieder raus, damit ich ungestört weiter schlafen konnte?
Dieses Mal war die Maus aber schlauer oder ängstlicher als bei unserem letzten Zusammentreffen. Nachdem ich das Licht wieder ausgeschaltet hatte und in mein Bett zurückgegangen war, herrschte lange Zeit Ruhe im Raum. Offenbar war die Maus wieder auf demselben Weg verschwunden, auf dem sie in mein Zimmer gekommen war. Also drehte ich mich im Bett um und versuchte wieder einzuschlafen. In dieser Nacht wurde ich nicht noch einmal gestört.
Am nächsten Morgen begab ich mich dann auf die Suche nach dem Einfallstor für diese Plage. Ich rückte alle Möbel vor, um dahinter nach Ritzen im Boden oder Löchern in der Wand zu suchen, doch ich wurde nicht wirklich fündig. Dort wo die Heizungsrohre ins Zimmer hinein kamen und auch dort wo sie wieder hinaus gingen, war die Wand zugegipst, so dass kaum ein Spalt zu sehen war. Da würde unmöglich eine Maus durch passen.
So brach ich die Suche irgendwann unverrichteter Dinge ab. Vielleicht war die Maus abends durch die offene Tür in mein Zimmer gelangt und hatte sich dann bis zur Dunkelheit irgendwo versteckt. Diese Erklärung war jedoch unbefriedigend, da sie nicht aufklären konnte, wohin die Maus in der Nacht verschwunden war. Fakt ist, dass ich ein paar Tage lang Ruhe vor dem Störenfried hatte.
Am darauf folgenden Samstag fiel mir beim Putzen meines Zimmers auf, dass ein beachtliches Häufchen Sand oder Putz an der Wand unter der Stelle lag wo das Antennenkabel für den Fernseher in mein Zimmer kam. Ich sah mir das Loch für das Kabel genauer an und stellte fest, dass jemand oder etwas das vorhandene Loch in der Wand beachtlich ausgebaut hatte und ich nun problemlos in den Flur hinaus schauen konnte.
Im ersten Moment dachte ich, dass meine eigenartige Mitbewohnerin Diana dahinter stecken könnte, da sie mir schon seit einiger Zeit nachspionierte. Dann verwarf ich diese Idee wieder, da das Loch nur knapp über den Boden war und sie sicher nicht so gelenkig war, dass sie sich vor meinem Zimmer derart auf den Boden legen könnte, um durch das Loch in mein Zimmer zu gucken. So blieb nur noch die Maus übrig, die für diese handwerkliche Leistung in Frage kam. Aber kann sich eine Maus den Putz einer 20 Zentimeter dicken Hauswand – bei uns im Altbau waren die Wände noch wesentlich dicker als bei modernen Gebäuden - graben? Eine Recherche im Internet ergab, dass Mäuse und insbesondere Ratten das sogar sehr gut können. Also waren wieder meine Fähigkeiten als Gipser gefragt, um diesem Einfallsloch für die Maus ein Ende zu bereiten. Ich arbeitete sehr großzügig, um es der Maus denkbar schwer zu machen, sich da noch einmal durchzugraben.
So hatte ich dann vor der Maus wieder Ruhe. Das Loch im Boden war gestopft, das in der Wand auch. Die Antennenkabel hat die Behandlung auch überstanden. Also war alles in Ordnung ... bei mir zumindest.
Wenige Tage später traf ich meinen Mitbewohner Wigald, der das Zimmer neben mir bewohnte, im Flur. Kaum hatte er mich gesehen sprach er mich an: „Du wirst nicht erraten, was mir letzte Nacht passiert ist: ich hatte eine Maus in meinem Zimmer!“
Ich stand auf, ging im Dunkeln zur Tür und machte gleich das große Zimmerlicht an. Sehen konnte ich die Maus natürlich nicht. Diese hatte sich wahrscheinlich schon beim ersten Geräusch irgendwo versteckt. Ich wollte primär auch nicht die Maus finden, sondern erst einmal meine Gipsarbeit beim Astloch im Dielenboden überprüfen, um herauszufinden, wie der Nager wieder in Mein Zimmer gekommen war. Der Gips war jedoch nicht beschädigt und dichtete das Astloch immer noch komplett ab. Nicht einmal ein Spalt war zu sehen. Wie hatte es die Maus nur wieder in mein Zimmer geschafft?
Wichtiger als diese Frage war jedoch erst einmal: Wie bekomme ich die Maus jetzt wieder raus, damit ich ungestört weiter schlafen konnte?
Dieses Mal war die Maus aber schlauer oder ängstlicher als bei unserem letzten Zusammentreffen. Nachdem ich das Licht wieder ausgeschaltet hatte und in mein Bett zurückgegangen war, herrschte lange Zeit Ruhe im Raum. Offenbar war die Maus wieder auf demselben Weg verschwunden, auf dem sie in mein Zimmer gekommen war. Also drehte ich mich im Bett um und versuchte wieder einzuschlafen. In dieser Nacht wurde ich nicht noch einmal gestört.
Am nächsten Morgen begab ich mich dann auf die Suche nach dem Einfallstor für diese Plage. Ich rückte alle Möbel vor, um dahinter nach Ritzen im Boden oder Löchern in der Wand zu suchen, doch ich wurde nicht wirklich fündig. Dort wo die Heizungsrohre ins Zimmer hinein kamen und auch dort wo sie wieder hinaus gingen, war die Wand zugegipst, so dass kaum ein Spalt zu sehen war. Da würde unmöglich eine Maus durch passen.
So brach ich die Suche irgendwann unverrichteter Dinge ab. Vielleicht war die Maus abends durch die offene Tür in mein Zimmer gelangt und hatte sich dann bis zur Dunkelheit irgendwo versteckt. Diese Erklärung war jedoch unbefriedigend, da sie nicht aufklären konnte, wohin die Maus in der Nacht verschwunden war. Fakt ist, dass ich ein paar Tage lang Ruhe vor dem Störenfried hatte.
Am darauf folgenden Samstag fiel mir beim Putzen meines Zimmers auf, dass ein beachtliches Häufchen Sand oder Putz an der Wand unter der Stelle lag wo das Antennenkabel für den Fernseher in mein Zimmer kam. Ich sah mir das Loch für das Kabel genauer an und stellte fest, dass jemand oder etwas das vorhandene Loch in der Wand beachtlich ausgebaut hatte und ich nun problemlos in den Flur hinaus schauen konnte.
Im ersten Moment dachte ich, dass meine eigenartige Mitbewohnerin Diana dahinter stecken könnte, da sie mir schon seit einiger Zeit nachspionierte. Dann verwarf ich diese Idee wieder, da das Loch nur knapp über den Boden war und sie sicher nicht so gelenkig war, dass sie sich vor meinem Zimmer derart auf den Boden legen könnte, um durch das Loch in mein Zimmer zu gucken. So blieb nur noch die Maus übrig, die für diese handwerkliche Leistung in Frage kam. Aber kann sich eine Maus den Putz einer 20 Zentimeter dicken Hauswand – bei uns im Altbau waren die Wände noch wesentlich dicker als bei modernen Gebäuden - graben? Eine Recherche im Internet ergab, dass Mäuse und insbesondere Ratten das sogar sehr gut können. Also waren wieder meine Fähigkeiten als Gipser gefragt, um diesem Einfallsloch für die Maus ein Ende zu bereiten. Ich arbeitete sehr großzügig, um es der Maus denkbar schwer zu machen, sich da noch einmal durchzugraben.
So hatte ich dann vor der Maus wieder Ruhe. Das Loch im Boden war gestopft, das in der Wand auch. Die Antennenkabel hat die Behandlung auch überstanden. Also war alles in Ordnung ... bei mir zumindest.
Wenige Tage später traf ich meinen Mitbewohner Wigald, der das Zimmer neben mir bewohnte, im Flur. Kaum hatte er mich gesehen sprach er mich an: „Du wirst nicht erraten, was mir letzte Nacht passiert ist: ich hatte eine Maus in meinem Zimmer!“
Donnerstag, 14. Juni 2007
Balkonpflanzen
Mein Mitbewohner und möchtegern-DJ Lars war nicht nur unsere WG-Schwein, sondern hatte auch noch allerlei anderen Unsinn im Kopf. Die beste Musik, sagte er manchmal, entsteht bei einem ordentlichen Trip. Wenn er was geraucht habe, dann sei er locker und entspannt und die Übergänge zwischen den Songs würden ihm dann am leichtesten von der Hand gehen. Also rauchte er häufig und gerne mal einen Joint.
Lars’ Studium wurde zwar von seinen Eltern bezahlt, aber diese gaben ihm nur Geld für die Miete, sein Auto und etwas für die Lebenshaltung. Allen anderen Luxus musste er sich über das Auflegen von Musik oder durch sonstige Aktivitäten verdienen. Da schlug das Geld für sein Gras natürlich eine große Bresche in Lars’ Finanzplanung.
Lars fand jedoch schnell eine Lösung für dieses Problem: selbst anbauen!
Über einen Freund meiner Mitbewohnerin Tatjana kam Lars dann sogar an ein paar Samen, die er natürlich sofort in ein einige kleine Blumentöpfe pflanzte und auf sein Fensterbrett stellte. Schon bald lief Lars jubilierend durch die Wohnung und verkündete, dass die ersten Blättchen aus dem Boden der Blumentöpfe sprossen. Hanf ist eine sehr schnell wachsende Pflanze und ehe Lars es sich versehen hatte, wurde sein Fensterbrett zu klein für sein neu gefundenes Hobby.
Mit etwas Überzeugungskraft, dass diese Pflanzen völlig harmlos wären und das überhaupt alle WGs ihren eigenen Anbau betreiben würden, überredete Lars meine Mitbewohnerin Caroline, dass er die Pflanzen bei ihr auf den Balkon stellen dürfe, weil sie für sein Fensterbrett zu groß geworden waren.
Zu der Zeit wohnte ich noch im kleinsten Zimmer der WG zwischen Carolines Balkonzimmer und Lars Zimmer. Unserem Wohnblock gegenüber war eine große Tankstelle mit angeschlossener Autowerkstatt. Als ich eines Morgens mal wieder etwas länger schlief wurde ich durch lautes Lachen geweckt. Ich ging ans Fenster und blickte zur Tankstelle hinüber, um zu sehen, wer dort gelacht hatte. Die Automechaniker machten gerade eine Zigarettenpause beim Hinterausgang der Werkstatt. Sie blickten alle in die Richtung von unserem Balkon, unterhielten sich und lachten immer wieder laut. Was das wohl zu bedeuten hatte?
Als ich am späten Nachmittag von der Uni zurück kam, fuhr ich auf dem Heimweg mit dem Fahrrad um die Tankstelle herum, in der Hoffnung, herausfinden zu können, worüber die Mechaniker heute morgen so sehr gelacht haben. Es dauerte nicht lange, bis ich die Ursache für das Gelächter ausmachen konnte: über das Geländer unseres Balkons reckten einige Pflanzen ihre fünffingerigen Blätter unübersehbar der Sonne entgegen.
Kaum zu Hause angekommen knüpfte ich mir Lars vor und sagte ihm, dass er seine Pflanzen sofort vom Balkon entfernen solle, da die ganze Nachbarschaft sehen kann, was er dort züchtet. Er versuchte sich zunächst noch in Ausflüchten, doch als Tatjana und Caroline auch noch dazu kamen, wurde Lars überstimmt und musste seine Pflanzen wieder in sein Zimmer zurück stellen. Dort überlebten drei der fünf Pflanzen bis zur Erntezeit, zwei fielen einem ganz anderes Desaster zum Opfer – mehr dazu gibt es in einem anderen Beitrag zu lesen.
Nachdem Lars die Blüten und Blätter getrocknet hatte lief er triumphierend mit seinem Plastik-Säckchen voll Hanf durch die Wohnung und zeigte es jedem der sehen oder auch nicht sehen wollte.
Als Lars dann auch noch bei Tatjana anfragte, ob ihr Freund nicht ein paar Gramm kaufen wolle, platzte Tatjana der Kragen: „ohne meinen Freund hättest Du überhaupt keine Samen bekommen, das versteht sich doch wohl von selbst, dass Du ihm kostenlos was abgibst!“
Es war das erste und letzte Mal, das Lars bei uns in der Wohnung Hanf anbauen durfte.
Lars’ Studium wurde zwar von seinen Eltern bezahlt, aber diese gaben ihm nur Geld für die Miete, sein Auto und etwas für die Lebenshaltung. Allen anderen Luxus musste er sich über das Auflegen von Musik oder durch sonstige Aktivitäten verdienen. Da schlug das Geld für sein Gras natürlich eine große Bresche in Lars’ Finanzplanung.
Lars fand jedoch schnell eine Lösung für dieses Problem: selbst anbauen!
Über einen Freund meiner Mitbewohnerin Tatjana kam Lars dann sogar an ein paar Samen, die er natürlich sofort in ein einige kleine Blumentöpfe pflanzte und auf sein Fensterbrett stellte. Schon bald lief Lars jubilierend durch die Wohnung und verkündete, dass die ersten Blättchen aus dem Boden der Blumentöpfe sprossen. Hanf ist eine sehr schnell wachsende Pflanze und ehe Lars es sich versehen hatte, wurde sein Fensterbrett zu klein für sein neu gefundenes Hobby.
Mit etwas Überzeugungskraft, dass diese Pflanzen völlig harmlos wären und das überhaupt alle WGs ihren eigenen Anbau betreiben würden, überredete Lars meine Mitbewohnerin Caroline, dass er die Pflanzen bei ihr auf den Balkon stellen dürfe, weil sie für sein Fensterbrett zu groß geworden waren.
Zu der Zeit wohnte ich noch im kleinsten Zimmer der WG zwischen Carolines Balkonzimmer und Lars Zimmer. Unserem Wohnblock gegenüber war eine große Tankstelle mit angeschlossener Autowerkstatt. Als ich eines Morgens mal wieder etwas länger schlief wurde ich durch lautes Lachen geweckt. Ich ging ans Fenster und blickte zur Tankstelle hinüber, um zu sehen, wer dort gelacht hatte. Die Automechaniker machten gerade eine Zigarettenpause beim Hinterausgang der Werkstatt. Sie blickten alle in die Richtung von unserem Balkon, unterhielten sich und lachten immer wieder laut. Was das wohl zu bedeuten hatte?
Als ich am späten Nachmittag von der Uni zurück kam, fuhr ich auf dem Heimweg mit dem Fahrrad um die Tankstelle herum, in der Hoffnung, herausfinden zu können, worüber die Mechaniker heute morgen so sehr gelacht haben. Es dauerte nicht lange, bis ich die Ursache für das Gelächter ausmachen konnte: über das Geländer unseres Balkons reckten einige Pflanzen ihre fünffingerigen Blätter unübersehbar der Sonne entgegen.
Kaum zu Hause angekommen knüpfte ich mir Lars vor und sagte ihm, dass er seine Pflanzen sofort vom Balkon entfernen solle, da die ganze Nachbarschaft sehen kann, was er dort züchtet. Er versuchte sich zunächst noch in Ausflüchten, doch als Tatjana und Caroline auch noch dazu kamen, wurde Lars überstimmt und musste seine Pflanzen wieder in sein Zimmer zurück stellen. Dort überlebten drei der fünf Pflanzen bis zur Erntezeit, zwei fielen einem ganz anderes Desaster zum Opfer – mehr dazu gibt es in einem anderen Beitrag zu lesen.
Nachdem Lars die Blüten und Blätter getrocknet hatte lief er triumphierend mit seinem Plastik-Säckchen voll Hanf durch die Wohnung und zeigte es jedem der sehen oder auch nicht sehen wollte.
Als Lars dann auch noch bei Tatjana anfragte, ob ihr Freund nicht ein paar Gramm kaufen wolle, platzte Tatjana der Kragen: „ohne meinen Freund hättest Du überhaupt keine Samen bekommen, das versteht sich doch wohl von selbst, dass Du ihm kostenlos was abgibst!“
Es war das erste und letzte Mal, das Lars bei uns in der Wohnung Hanf anbauen durfte.
Mittwoch, 13. Juni 2007
„Uschi“ sucht einen Freund
Das kostenlose Konstanzer Magazin „Kulturblatt“ genoss in meiner Studenten-WG Kultstatus. Einmal im Monat kam dieses DIN A5 große Heft raus und bot Veranstaltungstipps, Berichte über Restaurants, Nachtclubs, Museen und Veranstaltungen rund um den Bodensee. Darüber hinaus, und das war für uns der wichtigste Teil, verfügte das Magazin auch über Partnersuchanzeigen. Diese wurden von einem vorlauten Redakteur meist nicht sehr höflich kommentiert. Bei den Anzeigen, die manch einer in diesem Blatt unterbrachte, war das jedoch auch kein Wunder. So suchten regelmäßig ältere Herren Kontakt zu jungen Studentinnen, um sie behutsam in die Künste der Liebe einzuführen, Ehemänner oder Männer in festen Partnerschaften hielten nach etwas Abwechslung und festen Partnerinnen für Seitensprünge Ausschau oder Paare suchten einen Interessenten für eine Ménage à trois.
Der Setzer der Anzeigen ließ es sich nicht nehmen, den zumeist männlichen Inserenten scharfzüngige Kommentare unter die Anzeigen zu schreiben. Für die Schreiber der Inserate war das vielleicht nicht so unterhaltsam, aber wir Leser amüsierten uns köstlich. Oft lasen wir uns in der WG gegenseitig die besten Anzeigen vor oder sammelten alte Ausgaben, um bei Kaffeekränzchen die schönsten und schäbigsten Kommentare den Gästen vorzutragen.
Eines Tages kam Caroline ganz aufgeregt nach Hause. „Tatjana“, rief sie, „ich habe das neuste Kulturblatt mitgebracht“. Ich hörte die Aufregung der beiden aus meinem Zimmer und gesellte mich zu den Mitbewohnerinnen, welche inzwischen in der Küche saßen und gebannt die Partneranzeigen im Kulturblatt studierten. Neugierig fragte ich, was an dem Kulturblatt denn so toll sei. „Da ist unsere Anzeige drin“, meinte Caroline.
Schnell hatten die beiden sich erklärt: Tatjana und Caroline war es offenbar zu langweilig geworden, die Anzeigen nur zu lesen. Sie wollten herausfinden ob und wer auf eine derartige Anzeige antwortete und hatten das Geld investiert, um selbst eine Partnersuche zu starten. Tatjana hatte jedoch einen festen Freund und Caroline war nach der letzten gescheiterten Beziehung freundlos glücklich...
Die Anzeige lautete ungefähr so: „22jährige Studentin, 164, 92-64-85, blonde Haare, blauen Augen, sucht netten Mann (bis 40 Jahre) zum Ausgehen, Kuscheln und vieles mehr. Chiffre ...“ – die Anzeige war so offensichtlich unecht, dass wir ehrlich gesagt nicht damit rechneten viele Antworten zu bekommen. In den nächsten Tagen trudelten jedoch 12 oder 13 Briefe bei „Uschi“ - wie wir die junge Studentin getauft hatten - ein.
Jeden Mittag nachdem die Post eingetroffen war, saßen Caroline und Tatjana in der Küche und amüsierten sich laut lachend über die Liebesbriefe ihrer Verehrer. Einige davon gaben sie mir auch zum Lesen, oder sie trugen die besten Stellen gleich laut vor. Die Passfotos der Autoren machten in der WG ebenfalls die Runde und ein paar davon hingen eine Zeit lang sogar an unserer Pinwand in der Küche. Nichts ahnend waren die Schreiber dieser Briefe auf einen bösen Spaß herein gefallen – doch wer auf ein Inserat in den Kulturblättern antwortet, sollte auf alles gefasst sein...
Einige der Briefe schienen aber auch nicht so ganz ernst gemeint zu sein. Zum Teil steckten Fotos dabei, die ein Sohn nicht einmal seinen Eltern zeigen sollte. Ein anderer Teil der Briefe war so abstrus, dass sie wohl kaum aufrichtig sein konnten.
Einer der Bewerber schloss seinen Brief mit den Worten: „You gotta try me out!“ (Du musst mich einfach ausprobieren).
Näää, lieber nicht!
Der Setzer der Anzeigen ließ es sich nicht nehmen, den zumeist männlichen Inserenten scharfzüngige Kommentare unter die Anzeigen zu schreiben. Für die Schreiber der Inserate war das vielleicht nicht so unterhaltsam, aber wir Leser amüsierten uns köstlich. Oft lasen wir uns in der WG gegenseitig die besten Anzeigen vor oder sammelten alte Ausgaben, um bei Kaffeekränzchen die schönsten und schäbigsten Kommentare den Gästen vorzutragen.
Eines Tages kam Caroline ganz aufgeregt nach Hause. „Tatjana“, rief sie, „ich habe das neuste Kulturblatt mitgebracht“. Ich hörte die Aufregung der beiden aus meinem Zimmer und gesellte mich zu den Mitbewohnerinnen, welche inzwischen in der Küche saßen und gebannt die Partneranzeigen im Kulturblatt studierten. Neugierig fragte ich, was an dem Kulturblatt denn so toll sei. „Da ist unsere Anzeige drin“, meinte Caroline.
Schnell hatten die beiden sich erklärt: Tatjana und Caroline war es offenbar zu langweilig geworden, die Anzeigen nur zu lesen. Sie wollten herausfinden ob und wer auf eine derartige Anzeige antwortete und hatten das Geld investiert, um selbst eine Partnersuche zu starten. Tatjana hatte jedoch einen festen Freund und Caroline war nach der letzten gescheiterten Beziehung freundlos glücklich...
Die Anzeige lautete ungefähr so: „22jährige Studentin, 164, 92-64-85, blonde Haare, blauen Augen, sucht netten Mann (bis 40 Jahre) zum Ausgehen, Kuscheln und vieles mehr. Chiffre ...“ – die Anzeige war so offensichtlich unecht, dass wir ehrlich gesagt nicht damit rechneten viele Antworten zu bekommen. In den nächsten Tagen trudelten jedoch 12 oder 13 Briefe bei „Uschi“ - wie wir die junge Studentin getauft hatten - ein.
Jeden Mittag nachdem die Post eingetroffen war, saßen Caroline und Tatjana in der Küche und amüsierten sich laut lachend über die Liebesbriefe ihrer Verehrer. Einige davon gaben sie mir auch zum Lesen, oder sie trugen die besten Stellen gleich laut vor. Die Passfotos der Autoren machten in der WG ebenfalls die Runde und ein paar davon hingen eine Zeit lang sogar an unserer Pinwand in der Küche. Nichts ahnend waren die Schreiber dieser Briefe auf einen bösen Spaß herein gefallen – doch wer auf ein Inserat in den Kulturblättern antwortet, sollte auf alles gefasst sein...
Einige der Briefe schienen aber auch nicht so ganz ernst gemeint zu sein. Zum Teil steckten Fotos dabei, die ein Sohn nicht einmal seinen Eltern zeigen sollte. Ein anderer Teil der Briefe war so abstrus, dass sie wohl kaum aufrichtig sein konnten.
Einer der Bewerber schloss seinen Brief mit den Worten: „You gotta try me out!“ (Du musst mich einfach ausprobieren).
Näää, lieber nicht!
Dienstag, 12. Juni 2007
Nächtlicher Störenfried (Teil 1)
Nach meinem Auslandsjahr zog ich in eine Vierer-WG im 4. Stock eines Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert: meine Altbau-WG. Nicht nur, dass in diesem Haus alles krumm und schief war und wir in der Wohnung über zwei unterschiedliche Deckenhöhen und zahlreiche Dachschrägen verfügten, sondern es gab überall Ritzen und Löcher durch die der Wind pfiff. Im Winter musste man entweder die Heizung dauerhaft auf die höchste Stufe stellen oder in eine Decke eingemummt im Zimmer sitzen.
Schlimmer noch als die Kälte waren jedoch all die Tiere, die sich durch die Spalte und Lücken in den Wänden und dem Dielenboden Zutritt zu unserer Wohnung verschafften. Unsere Küche, zum Beispiel, hatte ein Fenster zur Rückseite des Hauses hin. Ungünstigerweise lagerte das Küchenpersonal des angrenzenden Restaurants seine Essensreste auf dieser Seite des Hauses. Unsere Wohnung war zwar im 4. Stock, dennoch schafften zahlreiche Kakerlaken den Weg zu uns hoch und tauchten fortan überall unter und auf den Regalen, Schränken und elektrischen Geräten in der Küche auf. Wir mussten alle unsere Nahrungsmittel in verschlossenen Behältnissen oder im eigenen Zimmer lagern, um diese nicht mit den ungebetenen Gästen teilen zu müssen.
Darüber hinaus bekam ich in meinem neuen Zimmer bald Besuch einer ganz anderen Sorte von Plagegeistern. Eine der Dielen auf dem Boden meines Zimmers hatte ein großes Astloch, das komplett bis zum Zwischenboden durch ging. Damit ich nicht mal mit einem Zeh darin hängen blieb, stopfte ich übergangsweise einen Korken in das Loch. Doch dieser fiel nach einiger Zeit durch und so ließ ich das Loch erst einmal offen stehen.
Eines Nachts wachte ich auf, weil mich irgendein Geräusch geweckt hatte. Ich blieb regungslos im Dunkeln liegen und lauschte. Draußen fuhren einige Autos die Straße entlang, der Wind blies um das Haus und durch den Spalt unter dem Fensterbrett und ... irgendwo trappelten kleine, krallenbewehrte Füße über Holz. Ich hörte genauer hin und mir wurde bald klar, dass die Füße über meinen Holzboden liefen. Kurz darauf raschelte es vehement in einer Ecke, offenbar hatte der Besitzer der Füße etwas entdeckt, das eine nähere Betrachtung - sprich Aufreißen und Anknabbern - lohnte.
Ich schaltete die Lampe neben meinem Bett an und die Geräusche verstummten sofort. Ich schaute mich um, konnte natürlich aber nichts entdecken. Die Maus, die ich in meinem Zimmer vermutete, ließ sich nicht blicken und rief auch nicht „Da bin ich!“ Also machte ich das Licht wieder aus, legte mich aber nicht wieder zum Schlafen hin, sondern wartete darauf, dass die Geräusche wieder anfingen.
Kurz drauf raschelte es wieder. Der Nager hatte offenbar entschieden, dass er keine Angst mehr haben musste. Ich machte wieder das Licht an und das Geräusch hörte prompt auf. Dieses Mal wollte ich mich aber nicht so schnell geschlagen geben. Ich ging an den Schrank und holte eine Taschenlampe heraus. Ich machte das Licht wieder aus und legte mich, mit der Taschenlampe bewaffnet, auf die Lauer.
Dieses Mal dauerte etwas länger, bis die Maus wieder anfing an einer Tüte oder einem Papier zu nagen. Vorsichtig drehte ich den Kopf im Dunkeln, um die ungefähre Quelle der Geräusche auszumachen. Als ich mir sicher war, den Ort des Übeltäters lokalisiert zu haben leuchtete ich mit der Taschenlampe in die entsprechende Zimmerecke und schreckte eine kleine schwarze Maus auf, die flugs unter mein Bett lief. Ich stürzte sofort zur Tür und schaltete das Licht an.
Das Bett stand in einer Zimmerecke in der sonst keine Möbel standen. Die Maus war unter dem Bett gefangen! Ich ging ans Bett, beugte mich hinunter und leuchtete mit der Lampe darunter. Die Maus kauerte in der hintersten Ecke unter dem Bett und konnte weder nach links noch nach rechts entkommen. Ich sprang auf und zerrte die Matratze samt Bettzeug vom Bett runter. Die Maus nutzte die Aufregung um die Flucht nach vorne zu suchen. Vor Angst quiekend lief sie zwischen meinen Füßen hindurch ins Zimmer. Ich drehte mich um und hechtete nach ihr, konnte sie aber nur noch im Astloch im Dielenboden verschwinden sehen. „Da kommt sie also her!“, dachte ich mir.
Da es drei Uhr nachts war und ich weder die Lust noch die Zeit hatte, eine permanente Lösung für das Astloch zu finden, begnügte ich mich damit, heute Nacht ein paar schwere Bücher auf das Loch zu legen. Ich hoffte, dass die Maus mir die teuren Fachbücher nicht verkratzten würde.
Diese Lösung behielt ich in den nächsten paar Nächten bei, bis ich mich eines Abends die Mühe machte, das Astloch mit Gips zu verkleistern. So hatte ich erst einmal Ruhe vor dem nächtlichen Störenfried...
Schlimmer noch als die Kälte waren jedoch all die Tiere, die sich durch die Spalte und Lücken in den Wänden und dem Dielenboden Zutritt zu unserer Wohnung verschafften. Unsere Küche, zum Beispiel, hatte ein Fenster zur Rückseite des Hauses hin. Ungünstigerweise lagerte das Küchenpersonal des angrenzenden Restaurants seine Essensreste auf dieser Seite des Hauses. Unsere Wohnung war zwar im 4. Stock, dennoch schafften zahlreiche Kakerlaken den Weg zu uns hoch und tauchten fortan überall unter und auf den Regalen, Schränken und elektrischen Geräten in der Küche auf. Wir mussten alle unsere Nahrungsmittel in verschlossenen Behältnissen oder im eigenen Zimmer lagern, um diese nicht mit den ungebetenen Gästen teilen zu müssen.
Darüber hinaus bekam ich in meinem neuen Zimmer bald Besuch einer ganz anderen Sorte von Plagegeistern. Eine der Dielen auf dem Boden meines Zimmers hatte ein großes Astloch, das komplett bis zum Zwischenboden durch ging. Damit ich nicht mal mit einem Zeh darin hängen blieb, stopfte ich übergangsweise einen Korken in das Loch. Doch dieser fiel nach einiger Zeit durch und so ließ ich das Loch erst einmal offen stehen.
Eines Nachts wachte ich auf, weil mich irgendein Geräusch geweckt hatte. Ich blieb regungslos im Dunkeln liegen und lauschte. Draußen fuhren einige Autos die Straße entlang, der Wind blies um das Haus und durch den Spalt unter dem Fensterbrett und ... irgendwo trappelten kleine, krallenbewehrte Füße über Holz. Ich hörte genauer hin und mir wurde bald klar, dass die Füße über meinen Holzboden liefen. Kurz darauf raschelte es vehement in einer Ecke, offenbar hatte der Besitzer der Füße etwas entdeckt, das eine nähere Betrachtung - sprich Aufreißen und Anknabbern - lohnte.
Ich schaltete die Lampe neben meinem Bett an und die Geräusche verstummten sofort. Ich schaute mich um, konnte natürlich aber nichts entdecken. Die Maus, die ich in meinem Zimmer vermutete, ließ sich nicht blicken und rief auch nicht „Da bin ich!“ Also machte ich das Licht wieder aus, legte mich aber nicht wieder zum Schlafen hin, sondern wartete darauf, dass die Geräusche wieder anfingen.
Kurz drauf raschelte es wieder. Der Nager hatte offenbar entschieden, dass er keine Angst mehr haben musste. Ich machte wieder das Licht an und das Geräusch hörte prompt auf. Dieses Mal wollte ich mich aber nicht so schnell geschlagen geben. Ich ging an den Schrank und holte eine Taschenlampe heraus. Ich machte das Licht wieder aus und legte mich, mit der Taschenlampe bewaffnet, auf die Lauer.
Dieses Mal dauerte etwas länger, bis die Maus wieder anfing an einer Tüte oder einem Papier zu nagen. Vorsichtig drehte ich den Kopf im Dunkeln, um die ungefähre Quelle der Geräusche auszumachen. Als ich mir sicher war, den Ort des Übeltäters lokalisiert zu haben leuchtete ich mit der Taschenlampe in die entsprechende Zimmerecke und schreckte eine kleine schwarze Maus auf, die flugs unter mein Bett lief. Ich stürzte sofort zur Tür und schaltete das Licht an.
Das Bett stand in einer Zimmerecke in der sonst keine Möbel standen. Die Maus war unter dem Bett gefangen! Ich ging ans Bett, beugte mich hinunter und leuchtete mit der Lampe darunter. Die Maus kauerte in der hintersten Ecke unter dem Bett und konnte weder nach links noch nach rechts entkommen. Ich sprang auf und zerrte die Matratze samt Bettzeug vom Bett runter. Die Maus nutzte die Aufregung um die Flucht nach vorne zu suchen. Vor Angst quiekend lief sie zwischen meinen Füßen hindurch ins Zimmer. Ich drehte mich um und hechtete nach ihr, konnte sie aber nur noch im Astloch im Dielenboden verschwinden sehen. „Da kommt sie also her!“, dachte ich mir.
Da es drei Uhr nachts war und ich weder die Lust noch die Zeit hatte, eine permanente Lösung für das Astloch zu finden, begnügte ich mich damit, heute Nacht ein paar schwere Bücher auf das Loch zu legen. Ich hoffte, dass die Maus mir die teuren Fachbücher nicht verkratzten würde.
Diese Lösung behielt ich in den nächsten paar Nächten bei, bis ich mich eines Abends die Mühe machte, das Astloch mit Gips zu verkleistern. So hatte ich erst einmal Ruhe vor dem nächtlichen Störenfried...
Montag, 11. Juni 2007
Uaah, bin ich müde!
Eine Kommilitonin von mir wohnte eine Zeit lang in einer WG in der Schweiz. Viele Studenten von der Uni oder der FH in Konstanz suchten ihr Wohnglück in Kreuzlingen in der Schweiz. Kreuzlingen grenzt direkt an Konstanz. Man kann problemlos zu Fuß nach Kreuzlingen laufen. Obwohl die Schweiz ein vergleichsweise teures Pflaster ist, waren die Mieten dort oft günstiger als in manch einer WG in Konstanz.
Eine Mitbewohnerin dieser Kommilitonin hatte zu der Zeit eine Fernbeziehung. Ihr Freund kam oft von Freitag bis Sonntag zu Besuch und übernachtete bei der Mitbewohnerin im Zimmer. Ein Schicksal, dass viele Akademiker Paare teilen. Ich habe das auch schon eineinhalb Jahre lang mitgemacht.
Folgende Geschichte trug sich an einem Freitag Abend in der WG meiner Kommilitonin zu. Ihre Mitbewohnerin hatte gerade ihren Freund am Kreuzlinger Bahnhof abgeholt. Meine Kommilitonin saß mit den beiden anderen Mitbewohnern in der Küche und unterhielt sich mit diesen. Das Paar setzte sich eine Weile lang zu den Mitbewohnern und aß zu Abend. Danach beteiligten sie sich auch etwas an der Unterhaltung, bis der Freund sich räkelte und meinte „Uaaah, bin ich müde!“
Daraufhin verschwanden beide im Zimmer der Mitbewohnerin. Wenig später erfüllte das rhythmische Knarren des Hochbetts die Wohngemeinschaft. Offenbar hatte der Freund die andere Bedeutung von Müde im Sinn gehabt...
Nach diesem Abend wurde der Ausspruch „Uaah, bin ich müde“ eine Zeit lang ein Running Gag in meinem Freundeskreis, da meine Kommilitonin natürlich allen ihren Freunden von diesem Ereignis erzählt hatte. Immer wenn wir uns zu einem Kaffeekränzchen, einem Spieleabend oder zum Grillen trafen und jemand verließ den Tisch, sagte er oder sie meistens grinsend „Uaah, bin ich müde.“
Eine Mitbewohnerin dieser Kommilitonin hatte zu der Zeit eine Fernbeziehung. Ihr Freund kam oft von Freitag bis Sonntag zu Besuch und übernachtete bei der Mitbewohnerin im Zimmer. Ein Schicksal, dass viele Akademiker Paare teilen. Ich habe das auch schon eineinhalb Jahre lang mitgemacht.
Folgende Geschichte trug sich an einem Freitag Abend in der WG meiner Kommilitonin zu. Ihre Mitbewohnerin hatte gerade ihren Freund am Kreuzlinger Bahnhof abgeholt. Meine Kommilitonin saß mit den beiden anderen Mitbewohnern in der Küche und unterhielt sich mit diesen. Das Paar setzte sich eine Weile lang zu den Mitbewohnern und aß zu Abend. Danach beteiligten sie sich auch etwas an der Unterhaltung, bis der Freund sich räkelte und meinte „Uaaah, bin ich müde!“
Daraufhin verschwanden beide im Zimmer der Mitbewohnerin. Wenig später erfüllte das rhythmische Knarren des Hochbetts die Wohngemeinschaft. Offenbar hatte der Freund die andere Bedeutung von Müde im Sinn gehabt...
Nach diesem Abend wurde der Ausspruch „Uaah, bin ich müde“ eine Zeit lang ein Running Gag in meinem Freundeskreis, da meine Kommilitonin natürlich allen ihren Freunden von diesem Ereignis erzählt hatte. Immer wenn wir uns zu einem Kaffeekränzchen, einem Spieleabend oder zum Grillen trafen und jemand verließ den Tisch, sagte er oder sie meistens grinsend „Uaah, bin ich müde.“
Sonntag, 10. Juni 2007
Hier riecht’s nach Gas
Die Wohnungen im Studentenwohnheim waren allesamt mit Gasherden ausgestattet. In meinem Elternhaus gab es nur einen Elektroherd und ich hatte noch nie vorher die Gelegenheit gehabt, Erfahrungen im Umgang mit Gasherden zu sammeln. Daher war ich sehr skeptisch was den Gasherd anging. Ich hatte schon oft über Gasexplosionen in Wohnhäusern gelesen und wollte nicht unbedingt Zeuge eines derartigen Vorfalls in unserer Wohnung werden.
Alleine schon der Umstand, dass ständig eine kleine Flamme im Durchlauferhitzer in der Küche brannte, machte mich misstrauisch. Während den zweieinhalb Jahren im Studentenwohnheim lernte ich jedoch, dass alles in Ordnung ist solange die Flamme brennt, man sich aber Sorgen machen musste wenn das Feuer ausging.
In den ersten paar Wochen betrat ich die Wohnung trotzdem immer erst, nachdem ich ausgiebig die Luft im Flur geschnüffelt hatte, um sicher zu stellen, dass wir kein Leck in unserer Gasleitung hatten.
Ein Nachteil des Gas-Durchlauferhitzers war, dass er nicht die Küche und die Dusche gleichzeitig mit heißem Wasser versorgen konnte. Der Wasserhahn in der Küche hatte Priorität über die Dusche, d.h. wenn jemand duschte und das Warmwasser in der Küche aufgedreht wurde, kam im Bad nur noch kaltes Wasser aus dem Duschkopf. So konnte man Mitbewohner die zu lange duschten dezent darauf hinweisen, dass sie das Bad mal wieder freigeben sollten, weil man aufs Klo wollte. Oder wenn Lars mal wieder mit seiner Freundin zusammen allerlei Spielchen unter der Dusche betrieb, konnte man deren Gemüt eine kleine Abkühlung verabreichen.
Manchmal passierten derartige kalte Schauer jedoch auch aus Versehen, wenn ein Mitbewohner an den Wasserhahn in der Küche ging und nicht darauf geachtet hatte, ob die Dusche lief oder nicht.
Für die potentiellen Opfer in der Dusche gab es aber ein untrügliches Anzeichen für eine nahende Abkühlung: der Wasserdruck ließ ein bis zwei Sekunden vor dem kalten Schauer deutlich nach. Wer schnell genug war, konnte den Duschkopf rechtzeitig zur Seite drehen oder dem Wasserstrahl aus dem Weg gehen. Lars brauchte eine Weile bis er das bemerkte und von uns anderen Mitbewohnern war natürlich keiner so zuvorkommend, ihm davon zu erzählen.
Der Herd und der Backofen in der Küche wurden natürlich auch mit Gas betrieben.
Das hatte den Vorteil, dass man immer gleich volle Temperatur unter seinen Töpfen hatte. Der Nachteil davon war jedoch, dass einem das Essen leicht anbrannte und man den Topf dann wieder mühselig putzen musste.
Darüber hinaus brauchten wir Unmengen an Streichhölzern, da die Funkenzünder oft nicht mehr funktionierten. Besonders gefährlich war das Anzünden des Backofens. Denn dazu musste man mit einem brennenden Streichholz in eine Luke im Boden des Backofens fahren. Dabei versengte ich mir so oft die Haare am Arm, dass ich praktisch die gesamte Wohnheimzeit lang einen sauber epilierten rechten Unterarm hatte.
Eine weitere Sache, die mich an der Gastherme immer gestört hatte war, dass sie immer, wenn jemand heißes Wasser haben wollte mit einem lauten Knall ansprang. Anfangs dachte ich jedes Mal: „Gleich explodiert sie.“
Da ich diese Zeilen hier noch verfassen kann, ist diese Befürchtung offenbar nicht eingetreten.
Alleine schon der Umstand, dass ständig eine kleine Flamme im Durchlauferhitzer in der Küche brannte, machte mich misstrauisch. Während den zweieinhalb Jahren im Studentenwohnheim lernte ich jedoch, dass alles in Ordnung ist solange die Flamme brennt, man sich aber Sorgen machen musste wenn das Feuer ausging.
In den ersten paar Wochen betrat ich die Wohnung trotzdem immer erst, nachdem ich ausgiebig die Luft im Flur geschnüffelt hatte, um sicher zu stellen, dass wir kein Leck in unserer Gasleitung hatten.
Ein Nachteil des Gas-Durchlauferhitzers war, dass er nicht die Küche und die Dusche gleichzeitig mit heißem Wasser versorgen konnte. Der Wasserhahn in der Küche hatte Priorität über die Dusche, d.h. wenn jemand duschte und das Warmwasser in der Küche aufgedreht wurde, kam im Bad nur noch kaltes Wasser aus dem Duschkopf. So konnte man Mitbewohner die zu lange duschten dezent darauf hinweisen, dass sie das Bad mal wieder freigeben sollten, weil man aufs Klo wollte. Oder wenn Lars mal wieder mit seiner Freundin zusammen allerlei Spielchen unter der Dusche betrieb, konnte man deren Gemüt eine kleine Abkühlung verabreichen.
Manchmal passierten derartige kalte Schauer jedoch auch aus Versehen, wenn ein Mitbewohner an den Wasserhahn in der Küche ging und nicht darauf geachtet hatte, ob die Dusche lief oder nicht.
Für die potentiellen Opfer in der Dusche gab es aber ein untrügliches Anzeichen für eine nahende Abkühlung: der Wasserdruck ließ ein bis zwei Sekunden vor dem kalten Schauer deutlich nach. Wer schnell genug war, konnte den Duschkopf rechtzeitig zur Seite drehen oder dem Wasserstrahl aus dem Weg gehen. Lars brauchte eine Weile bis er das bemerkte und von uns anderen Mitbewohnern war natürlich keiner so zuvorkommend, ihm davon zu erzählen.
Der Herd und der Backofen in der Küche wurden natürlich auch mit Gas betrieben.
Das hatte den Vorteil, dass man immer gleich volle Temperatur unter seinen Töpfen hatte. Der Nachteil davon war jedoch, dass einem das Essen leicht anbrannte und man den Topf dann wieder mühselig putzen musste.
Darüber hinaus brauchten wir Unmengen an Streichhölzern, da die Funkenzünder oft nicht mehr funktionierten. Besonders gefährlich war das Anzünden des Backofens. Denn dazu musste man mit einem brennenden Streichholz in eine Luke im Boden des Backofens fahren. Dabei versengte ich mir so oft die Haare am Arm, dass ich praktisch die gesamte Wohnheimzeit lang einen sauber epilierten rechten Unterarm hatte.
Eine weitere Sache, die mich an der Gastherme immer gestört hatte war, dass sie immer, wenn jemand heißes Wasser haben wollte mit einem lauten Knall ansprang. Anfangs dachte ich jedes Mal: „Gleich explodiert sie.“
Da ich diese Zeilen hier noch verfassen kann, ist diese Befürchtung offenbar nicht eingetreten.
Samstag, 9. Juni 2007
Zu Gast bei David Hasselhoff
Nachdem meine Freundin und ich aus den USA zurück gekommen waren, mussten wir uns beide neue Wohnungen suchen. Meine Freundin fand eine fünfer WG in der Innenstadt, während ich als vierter Mitbewohner in einen Altbau aus dem 17. Jahrhundert einzog.
In der WG meiner Freundin arbeiteten drei von vier Mitbewohnern bei einer örtlichen Konzertagentur als Caterer, Bühnencrew oder „Mädchen für alles“. So wurde in der Küche oft über aktuelle Konzertveranstaltungen geredet und über die Marotten der einzelnen Musiker. Zum Beispiel als Marilyn Manson mal ein Konzert in Konstanz gab, war die gesamte Konstanzer Crew von dessen Trailer ausgeschlossen und nur das eigene Personal von Manson durfte den Absperrbereich betreten. Die Mitbewohnern Jenny fand das sehr egoistisch und meinte, dass Marilyn Manson wahrscheinlich nicht wollte, dass man seine Barbie-Puppen Sammlung sieht.
Ein anderes Mal musste Heinrich, ein anderer Mitbewohner und der Freund von Jenny, bei der Tournee der Gruppe „Pur“ mit und war nicht wirklich begeistert davon, da er deren Lieder nicht leiden konnte. Er meinte immer, dass er jetzt mit „poor“ (Englisch für armselig, dürftig) auf Tournee gehe. Als er von der Tournee zurück kam ertappte ich ihn oft im Haus beim Pfeifen vom Pur Lied „Abenteuerland“. Als ich ihn darauf ansprach meinte er, dass er eben nach zwei Monaten Tournee von Pur verstrahlt worden sei und nun nicht anders könne.
Das beste Zeugnis der Konzerttätigkeiten der Mitbewohner war jedoch die eingerahmte und handsignierte CD von einer David Hasselhoff Tournee. Der Sänger hatte jedem Mitarbeiter der Bühnencrew ein derartiges Andenken geschenkt. Unter der CD war eine Plakette angebracht, auf der stand „Thanks for making my dreams come true“ („Danke, dass ihr meine Träume wahr gemacht habe“).
Der Empfänger dieses Geschenks hatte sich einen ganz besonderen Ort für dieses Präsent ausgedacht: Es hing in der Toilette an der Wand direkt neben der Schüssel.
David Hasselhoff genoss offenbar kein großes Ansehen in dieser Wohnung...
In der WG meiner Freundin arbeiteten drei von vier Mitbewohnern bei einer örtlichen Konzertagentur als Caterer, Bühnencrew oder „Mädchen für alles“. So wurde in der Küche oft über aktuelle Konzertveranstaltungen geredet und über die Marotten der einzelnen Musiker. Zum Beispiel als Marilyn Manson mal ein Konzert in Konstanz gab, war die gesamte Konstanzer Crew von dessen Trailer ausgeschlossen und nur das eigene Personal von Manson durfte den Absperrbereich betreten. Die Mitbewohnern Jenny fand das sehr egoistisch und meinte, dass Marilyn Manson wahrscheinlich nicht wollte, dass man seine Barbie-Puppen Sammlung sieht.
Ein anderes Mal musste Heinrich, ein anderer Mitbewohner und der Freund von Jenny, bei der Tournee der Gruppe „Pur“ mit und war nicht wirklich begeistert davon, da er deren Lieder nicht leiden konnte. Er meinte immer, dass er jetzt mit „poor“ (Englisch für armselig, dürftig) auf Tournee gehe. Als er von der Tournee zurück kam ertappte ich ihn oft im Haus beim Pfeifen vom Pur Lied „Abenteuerland“. Als ich ihn darauf ansprach meinte er, dass er eben nach zwei Monaten Tournee von Pur verstrahlt worden sei und nun nicht anders könne.
Das beste Zeugnis der Konzerttätigkeiten der Mitbewohner war jedoch die eingerahmte und handsignierte CD von einer David Hasselhoff Tournee. Der Sänger hatte jedem Mitarbeiter der Bühnencrew ein derartiges Andenken geschenkt. Unter der CD war eine Plakette angebracht, auf der stand „Thanks for making my dreams come true“ („Danke, dass ihr meine Träume wahr gemacht habe“).
Der Empfänger dieses Geschenks hatte sich einen ganz besonderen Ort für dieses Präsent ausgedacht: Es hing in der Toilette an der Wand direkt neben der Schüssel.
David Hasselhoff genoss offenbar kein großes Ansehen in dieser Wohnung...
Freitag, 8. Juni 2007
Udo Jürgens live!
Die Wände in unserem Studentenwohnheim waren wahrlich nicht sonderlich dick und erst recht nicht schalldämmend. Nicht nur zwischen den Zimmern einer Wohnung konnte man praktisch alles hören, sondern auch zwischen den Wohnungen auf einem Stock.
Eine Zeit lang wohnte in der Nachbar-WG im nächsten Block eine Studentin, die ein Faible für Deutsche Schlager hatte, insbesondere für Udo Jürgens. Normalerweise hörte ich nicht viel von ihr da sie ihre Schlager auf Zimmerlautstärke hörte.
Ausgerechnet als ich auf meine Neuropsychologie Prüfung lernen wollte, machte meine Zimmernachbarin eine Ausnahme von dieser Regel und gab sich Udo Jürgens in Stadiumslautstärke hin.
Zuerst nahm ich es sportlich. Ich war sicher auch nicht der leiseste Nachbar und hatte auch schon manches Mal Klopfzeichen von Nebenan gehört, wenn ich wieder zu laut „Need for Speed“ oder „Crash Bandicoot“ auf meiner Playstation spielte. Und mit dem Aushilfs-DJ Lars in der Wohnung hatten wir sowieso schon einen Ruf als Lärm-WG weg. Also ertrug ich geduldig den „Griechischen Wein“ und „Mit 66 Jahren“ und hoffte darauf, dass was auch immer diesen plötzlichen Lärmpegel verursacht hatte, sich nach ein paar Stücken Udo Jürgens wieder auf ein erträgliches Niveau einpendeln würde.
Leider trat der erhoffte Erfolg der Udo Jürgens Beschallungstherapie bei meiner Wohnungs-Nachbarin nicht ein. Als erstes klopfte ich zärtlich gegen die Wand, doch das kam offenbar nicht an. Also verlieh ich meinem Klopfen mehr Nachdruck, indem ich mir einen Hammer aus meinem Werkzeugkasten schnappte und mit dem gegen die Wand schlug. Doch auch dieses Unterfangen blieb folgenlos. Udo Jürgens elektronisch verstärkte Stimmbänder waren einfach lauter als mein Pochen. Als „Siebzehn Jahr, Blondes Haar“ von nebenan zum zweiten Mal erschallte sah ich mich gezwungen zu härteren Maßnahmen zu greifen.
Als alter Videofreak hatte ich mir mal eine Dolby Surround Anlage angeschafft, bestehend aus einem ordentlichen Verstärker, zwei Rücklautsprechern und zwei Frontlautsprechern. Einen Centerlautsprecher hatte ich mir noch nicht zugelegt, das wollte ich aber irgendwann mal nachholen. Vor allem die beiden Frontlautsprecher hatten es in sich. Mein Vater hatte sie mir geschenkt, da er sich neue gekauft hatte. Äußerlich sahen sie recht unscheinbar aus: abgerundete Ecken, falsches braunes Holzfurnier, eben etwas altbacken. Unter der biederen Haube schlummerten jedoch gut 200 Watt an Lautsprechern, die nur darauf harrten, einmal ihre Muskeln voll ausspielen zu können. Heute war ihr Tag gekommen!
Um die Wirkung meiner Maßnahme noch etwas zu verstärken, schob ich beide Boxen mit den Lautsprechern vor die Wand zur Nachbarwohnung. Dann legte ich meinen Filmsoundtrack Trainspotting ein, drehte die Lautstärke der Anlage auf den Anschlag, stellte auf Lied Nummer 10 („For What You Dream Of“ von Bedrock), ein sechseinhalb Minuten langer Dance-Song mit einem schnellen Beat, verließ den Raum und machte die Tür zu.
Der Effekt war durchschlagend. Im Küchenregal klirrten die Gläser und das Besteck hüpfte im Kasten. Meine Mitbewohner standen bald alle im Flur und fragten mich, was da gerade passiere. Selbst Lars tauchte auf. Er ging zu meinem Zimmer, hielt beide Hände an die Tür, die unter jedem Beat bebte, drehte sich kurz darauf zu mir um und meinte: „Wow, ich wusste gar nicht, dass du so eine starke Anlage besitzt!“ Aus dem Mund unseres Möchtegern DJs war das ein sehr großes Lob. Ich fühlte mich zutiefst geehrt.
Als die sechseinhalb Minuten lange Behandlung vorbei war, ging ich in mein Zimmer zurück, stellte die Musik aus, schob die Boxen an ihre Plätze zurück und konnte dann für den Rest des Tages ungestört weiter lernen.
Udo Jürgens musste ich nebenan nie wieder singen hören.
Eine Zeit lang wohnte in der Nachbar-WG im nächsten Block eine Studentin, die ein Faible für Deutsche Schlager hatte, insbesondere für Udo Jürgens. Normalerweise hörte ich nicht viel von ihr da sie ihre Schlager auf Zimmerlautstärke hörte.
Ausgerechnet als ich auf meine Neuropsychologie Prüfung lernen wollte, machte meine Zimmernachbarin eine Ausnahme von dieser Regel und gab sich Udo Jürgens in Stadiumslautstärke hin.
Zuerst nahm ich es sportlich. Ich war sicher auch nicht der leiseste Nachbar und hatte auch schon manches Mal Klopfzeichen von Nebenan gehört, wenn ich wieder zu laut „Need for Speed“ oder „Crash Bandicoot“ auf meiner Playstation spielte. Und mit dem Aushilfs-DJ Lars in der Wohnung hatten wir sowieso schon einen Ruf als Lärm-WG weg. Also ertrug ich geduldig den „Griechischen Wein“ und „Mit 66 Jahren“ und hoffte darauf, dass was auch immer diesen plötzlichen Lärmpegel verursacht hatte, sich nach ein paar Stücken Udo Jürgens wieder auf ein erträgliches Niveau einpendeln würde.
Leider trat der erhoffte Erfolg der Udo Jürgens Beschallungstherapie bei meiner Wohnungs-Nachbarin nicht ein. Als erstes klopfte ich zärtlich gegen die Wand, doch das kam offenbar nicht an. Also verlieh ich meinem Klopfen mehr Nachdruck, indem ich mir einen Hammer aus meinem Werkzeugkasten schnappte und mit dem gegen die Wand schlug. Doch auch dieses Unterfangen blieb folgenlos. Udo Jürgens elektronisch verstärkte Stimmbänder waren einfach lauter als mein Pochen. Als „Siebzehn Jahr, Blondes Haar“ von nebenan zum zweiten Mal erschallte sah ich mich gezwungen zu härteren Maßnahmen zu greifen.
Als alter Videofreak hatte ich mir mal eine Dolby Surround Anlage angeschafft, bestehend aus einem ordentlichen Verstärker, zwei Rücklautsprechern und zwei Frontlautsprechern. Einen Centerlautsprecher hatte ich mir noch nicht zugelegt, das wollte ich aber irgendwann mal nachholen. Vor allem die beiden Frontlautsprecher hatten es in sich. Mein Vater hatte sie mir geschenkt, da er sich neue gekauft hatte. Äußerlich sahen sie recht unscheinbar aus: abgerundete Ecken, falsches braunes Holzfurnier, eben etwas altbacken. Unter der biederen Haube schlummerten jedoch gut 200 Watt an Lautsprechern, die nur darauf harrten, einmal ihre Muskeln voll ausspielen zu können. Heute war ihr Tag gekommen!
Um die Wirkung meiner Maßnahme noch etwas zu verstärken, schob ich beide Boxen mit den Lautsprechern vor die Wand zur Nachbarwohnung. Dann legte ich meinen Filmsoundtrack Trainspotting ein, drehte die Lautstärke der Anlage auf den Anschlag, stellte auf Lied Nummer 10 („For What You Dream Of“ von Bedrock), ein sechseinhalb Minuten langer Dance-Song mit einem schnellen Beat, verließ den Raum und machte die Tür zu.
Der Effekt war durchschlagend. Im Küchenregal klirrten die Gläser und das Besteck hüpfte im Kasten. Meine Mitbewohner standen bald alle im Flur und fragten mich, was da gerade passiere. Selbst Lars tauchte auf. Er ging zu meinem Zimmer, hielt beide Hände an die Tür, die unter jedem Beat bebte, drehte sich kurz darauf zu mir um und meinte: „Wow, ich wusste gar nicht, dass du so eine starke Anlage besitzt!“ Aus dem Mund unseres Möchtegern DJs war das ein sehr großes Lob. Ich fühlte mich zutiefst geehrt.
Als die sechseinhalb Minuten lange Behandlung vorbei war, ging ich in mein Zimmer zurück, stellte die Musik aus, schob die Boxen an ihre Plätze zurück und konnte dann für den Rest des Tages ungestört weiter lernen.
Udo Jürgens musste ich nebenan nie wieder singen hören.
Donnerstag, 7. Juni 2007
High Halloween
Halloween feiern hat in Deutschland keine Tradition, doch in Studentenkreisen hat dieses Fest schon seit einiger Zeit Einzug gehalten. So wurden am 31. Oktober in einigen Studenten-WGs Parties gefeiert.
Tatjana, Caroline und ich waren zu einer derartigen Party in die Jägerkaserne eingeladen worden und standen nun vor der Frage, als was wir uns verkleiden würden. Ich war seinerzeit ein großer Fan von der Rocky Horror Picture Show und hatte schon bald eine Idee für ein Kostüm: ich würde als Riff Raff gehen.
Damals hatte ich noch lange Haare, also brauchte ich nur eine Möglichkeit, um mir eine Glatze bis auf ein paar Zotteln am Hinterkopf zu machen. Eine entsprechend zurecht geschnittene weiße Gummi-Badekappe erfüllte diesen Zweck. Dann zog ich einen schwarzen Anzug an, den ich bei einem Second Hand Laden gekauft hatte, stülpte meine weißen Kniestrümpfe über die Hosenbeine und packte mir ein Kissen auf den Rücken. Zuletzt musste ich nur noch mein Gesicht weiß färben und war fertig.
Tatjana und Caroline hatten sich eine etwas aufwendigere Verkleidung ausgewählt. Sie wollten als Kürbisköpfe gehen. Die Kürbisköpfe waren eine klassische Pappmaché Arbeit, sprich ein großer kugelrunder Luftballon wurde mit einer Pampe aus Zeitungsschnipseln und Tapetenkleister ummantelt. Als die Außenhaut trocken war malten Caroline und Tatjana die Köpfe mit orangener Farbe an. Dann wurde die Luft aus dem Ballon gelassen und Öffnungen für Augen, Nase, Mund und den Hals in den Pappmaché Kopf geschnitten.
Schlussendlich konnte der Kopf noch nach Belieben dekoriert werden. Tatjana und Caroline hatten die Idee sich Haare aus verschieden farbigem Lametta zu machen. Caroline klebte sich darüber hinaus noch Watte auf den Kürbiskopf und machte sich Ohren aus Aluminium-Folie. Aber irgendwie gefiel ihr das fertige Werk noch nicht so ganz. Er sah noch nicht „Scheiße“ genug aus, meinte sie.
So kam sie auf die Idee Zigarettenstummel auf den Kopf zu kleben. Da Caroline zu der Zeit noch rauchte, hatte sie genug davon übrig und klebte sich die Kippen mit Sekundenkleber auf den Kürbiskopf. Das Problem an den Kippen und vor allem an dem Sekundenkleber war, dass sie diese erst am Nachmittag vor der Party auf den Kürbis klebte.
Die Party am Abend war ein voller Erfolg. Da ich das erste Mal auf einer Halloween Party war, hatte ich gefürchtet, dass die Beteiligung sehr gering sein könnte, da das kein traditionelles Fest hier war. Doch ich hatte mich glücklicherweise geirrt. Die Party war recht voll und die meisten Gäste waren auch verkleidet. Meine ehemalige Mitbewohnerin Petra und ihr Freund Frank waren auch da und hatten sich als „der Blob“ verkleidet. Das heißt, sie hatten Löcher für ihre Köpfe und Arme in einen rosaroten Duschvorhang geschnitten, sich beide rosa Duschhauben aufgesetzt und liefen so im Doppelpack auf der Party herum.
Die Kürbisköpfe von Tatjana und Caroline kamen ebenfalls gut an. Zum Essen mussten die beiden ihre Köpfe zwar abnehmen oder zumindest hoch schieben, aber Bier aus der Flasche konnte auch durch die Mundöffnung getrunken werden.
Später am Abend benahm sich Caroline jedoch seltsam und beklagte sich irgendwann über Übelkeit und Kopfschmerzen. Offenbar hatte sie zu viele Dämpfe des Sekundenklebers eingeatmet und war high davon geworden. So mussten wir die Party vorzeitig verlassen und Caroline zur WG zurück bringen.
Am nächsten Tag kam sie erst zur Mittagszeit aus ihrem Zimmer raus und sah immer noch etwas bleich aus. Die Idee mit dem Kürbiskopf fand ich trotzdem sehr gut.
Tatjana, Caroline und ich waren zu einer derartigen Party in die Jägerkaserne eingeladen worden und standen nun vor der Frage, als was wir uns verkleiden würden. Ich war seinerzeit ein großer Fan von der Rocky Horror Picture Show und hatte schon bald eine Idee für ein Kostüm: ich würde als Riff Raff gehen.
Damals hatte ich noch lange Haare, also brauchte ich nur eine Möglichkeit, um mir eine Glatze bis auf ein paar Zotteln am Hinterkopf zu machen. Eine entsprechend zurecht geschnittene weiße Gummi-Badekappe erfüllte diesen Zweck. Dann zog ich einen schwarzen Anzug an, den ich bei einem Second Hand Laden gekauft hatte, stülpte meine weißen Kniestrümpfe über die Hosenbeine und packte mir ein Kissen auf den Rücken. Zuletzt musste ich nur noch mein Gesicht weiß färben und war fertig.
Tatjana und Caroline hatten sich eine etwas aufwendigere Verkleidung ausgewählt. Sie wollten als Kürbisköpfe gehen. Die Kürbisköpfe waren eine klassische Pappmaché Arbeit, sprich ein großer kugelrunder Luftballon wurde mit einer Pampe aus Zeitungsschnipseln und Tapetenkleister ummantelt. Als die Außenhaut trocken war malten Caroline und Tatjana die Köpfe mit orangener Farbe an. Dann wurde die Luft aus dem Ballon gelassen und Öffnungen für Augen, Nase, Mund und den Hals in den Pappmaché Kopf geschnitten.
Schlussendlich konnte der Kopf noch nach Belieben dekoriert werden. Tatjana und Caroline hatten die Idee sich Haare aus verschieden farbigem Lametta zu machen. Caroline klebte sich darüber hinaus noch Watte auf den Kürbiskopf und machte sich Ohren aus Aluminium-Folie. Aber irgendwie gefiel ihr das fertige Werk noch nicht so ganz. Er sah noch nicht „Scheiße“ genug aus, meinte sie.
So kam sie auf die Idee Zigarettenstummel auf den Kopf zu kleben. Da Caroline zu der Zeit noch rauchte, hatte sie genug davon übrig und klebte sich die Kippen mit Sekundenkleber auf den Kürbiskopf. Das Problem an den Kippen und vor allem an dem Sekundenkleber war, dass sie diese erst am Nachmittag vor der Party auf den Kürbis klebte.Die Party am Abend war ein voller Erfolg. Da ich das erste Mal auf einer Halloween Party war, hatte ich gefürchtet, dass die Beteiligung sehr gering sein könnte, da das kein traditionelles Fest hier war. Doch ich hatte mich glücklicherweise geirrt. Die Party war recht voll und die meisten Gäste waren auch verkleidet. Meine ehemalige Mitbewohnerin Petra und ihr Freund Frank waren auch da und hatten sich als „der Blob“ verkleidet. Das heißt, sie hatten Löcher für ihre Köpfe und Arme in einen rosaroten Duschvorhang geschnitten, sich beide rosa Duschhauben aufgesetzt und liefen so im Doppelpack auf der Party herum.
Die Kürbisköpfe von Tatjana und Caroline kamen ebenfalls gut an. Zum Essen mussten die beiden ihre Köpfe zwar abnehmen oder zumindest hoch schieben, aber Bier aus der Flasche konnte auch durch die Mundöffnung getrunken werden.Später am Abend benahm sich Caroline jedoch seltsam und beklagte sich irgendwann über Übelkeit und Kopfschmerzen. Offenbar hatte sie zu viele Dämpfe des Sekundenklebers eingeatmet und war high davon geworden. So mussten wir die Party vorzeitig verlassen und Caroline zur WG zurück bringen.
Am nächsten Tag kam sie erst zur Mittagszeit aus ihrem Zimmer raus und sah immer noch etwas bleich aus. Die Idee mit dem Kürbiskopf fand ich trotzdem sehr gut.
Mittwoch, 6. Juni 2007
Ein ungleiches Paar
Meine Mitbewohnerin Petra und ihr Freund Frank waren ein seltsames Paar. Frank war ein sehr lustiger Typ, der gerne herum alberte und lachte. Darüber hinaus konnte er auch kaum still sitzen und zappelte immer herum.
Petra war eher Ernst und Durchsetzungsfähig. Sie gab in der Beziehung sehr deutlich den Ton an. Sie liebte die Ordnung, während Frank kein Problem mit ein bisschen Chaos hatte.
Als ich in die WG einzog hingen in der Küche zum Beispiel zwei Fotos von der Küche. Eines zeigte die sauberen Arbeitsflächen und das andere einen ordentlich aufgeräumten Tisch. Als ich fragte, was es mit diesen Bildern auf sich habe, sagte mir Caroline, dass Petra diese Bilder gemacht und dahin gehängt hat, um den anderen Mitbewohnern zu zeigen, wie eine aufgeräumte Küche aussieht. Sie hoffte wohl, dass die Mitbewohner im Angesicht dieser Bilder den gewünschten Zustand oft herbeiführen würden - was naturgemäß nicht funktionierte.
Petra war meistens auch die erste Person, welcher der Kragen platze, wenn mal was unordentlich war oder der Müll nicht runter gebracht wurde. Mit Lars in der Wohnung kam das sehr oft vor. Letzten Endes war es auch Lars, der für Petras vorzeitigen Auszug aus der WG sorgte ... und der Umstand, dass sie und Frank zusammen zogen.
Petra nörgelte oft an Frank herum: „Tu dies“, „Las das“, „Zappel nicht so viel“, „Halt doch mal die Finger still“, „Das war nicht witzig“, „Sei nicht albern“, ... wir fragten uns manchmal, was diese Beziehung überhaupt zusammen hielt.
Zugegeben, sie hatten auch einige Gemeinsamkeiten. So spielten sie gerne Rollenspiele zusammen und blockierten jeden Mittwoch Abend ab 19 Uhr die Küche mit ihrer Spielegruppe. Und auch sonst unternahmen sie einiges miteinander. Bei unseren Kaffeekränzchen passierte es jedoch oft, dass Petra anfing mit Frank zu streiten und ich mir „nicht schon wieder“ dachte.
Als sie dann zusammen zogen wunderten sich viele und fragten sich, ob das lange funktionieren würde. Die beiden straften die seZweifler jedoch Lügen, indem sie gut zwei Jahre später auch noch Heirateten.
Die Ehe hielt jedoch nur knapp ein Jahr, dann gingen Petra und Frank wieder getrennte Wege. Anscheinend lagen die Zweifler doch nicht so falsch...
Petra war eher Ernst und Durchsetzungsfähig. Sie gab in der Beziehung sehr deutlich den Ton an. Sie liebte die Ordnung, während Frank kein Problem mit ein bisschen Chaos hatte.
Als ich in die WG einzog hingen in der Küche zum Beispiel zwei Fotos von der Küche. Eines zeigte die sauberen Arbeitsflächen und das andere einen ordentlich aufgeräumten Tisch. Als ich fragte, was es mit diesen Bildern auf sich habe, sagte mir Caroline, dass Petra diese Bilder gemacht und dahin gehängt hat, um den anderen Mitbewohnern zu zeigen, wie eine aufgeräumte Küche aussieht. Sie hoffte wohl, dass die Mitbewohner im Angesicht dieser Bilder den gewünschten Zustand oft herbeiführen würden - was naturgemäß nicht funktionierte.
Petra war meistens auch die erste Person, welcher der Kragen platze, wenn mal was unordentlich war oder der Müll nicht runter gebracht wurde. Mit Lars in der Wohnung kam das sehr oft vor. Letzten Endes war es auch Lars, der für Petras vorzeitigen Auszug aus der WG sorgte ... und der Umstand, dass sie und Frank zusammen zogen.
Petra nörgelte oft an Frank herum: „Tu dies“, „Las das“, „Zappel nicht so viel“, „Halt doch mal die Finger still“, „Das war nicht witzig“, „Sei nicht albern“, ... wir fragten uns manchmal, was diese Beziehung überhaupt zusammen hielt.
Zugegeben, sie hatten auch einige Gemeinsamkeiten. So spielten sie gerne Rollenspiele zusammen und blockierten jeden Mittwoch Abend ab 19 Uhr die Küche mit ihrer Spielegruppe. Und auch sonst unternahmen sie einiges miteinander. Bei unseren Kaffeekränzchen passierte es jedoch oft, dass Petra anfing mit Frank zu streiten und ich mir „nicht schon wieder“ dachte.
Als sie dann zusammen zogen wunderten sich viele und fragten sich, ob das lange funktionieren würde. Die beiden straften die seZweifler jedoch Lügen, indem sie gut zwei Jahre später auch noch Heirateten.
Die Ehe hielt jedoch nur knapp ein Jahr, dann gingen Petra und Frank wieder getrennte Wege. Anscheinend lagen die Zweifler doch nicht so falsch...
Dienstag, 5. Juni 2007
Nummer 7 lebt
Wenn man in einer WG wohnt teilt man unfreiwillig viele private Dinge mit seinen Mitbewohnern und so einiges auch freiwillig.
So saßen Nadine, Simone, Johannes und ich mal eines Abends über einem Glas Weißwein in unserer Küche und unterhielten uns über Gott und die Welt. Ein paar Gläser später meinte Johannes, dass jeder in dieser Runde etwas Privates von sich erzählen solle. Er hatte auch schon eine Idee, was das sein könnte: Mit wie vielen Personen man schon Sex hatte.
Da wir alle schon etwas angetrunken waren, fiel die Entscheidung schnell und einstimmig. Wir entschieden jedoch auch, dass Johannes anfangen sollte, nachdem er dieses Thema vorgeschlagen hatte.
Kurze Zeit später wussten wir über den Erfahrungsreichtum unserer Mitbewohner Bescheid: Simone wartete noch auf ihren Märchenprinz, Johannes und ich lagen im Mittelfeld, und Nadine war mit 6 Zählern auf ihrem Konto der absolute Spitzenreiter des Abends.
Nach einer weiteren Weinflasche erfuhren wir auch noch die Namen der jeweiligen Bettgefährten und die Orte des Kennenlernens. Nadine hatte die meisten ihrer Liebhaber beim Surf-Urlaub in Tarifa getroffen. So ist das eben in der Sonne Spaniens. Abends nach dem Surfen sitzt man am Lagerfeuer, eines führt zum anderen und schwupps wird es wieder eng in Nadine’s altem Subaru Bus.
Diese Selbstoffenbarung von Nadine sollte jedoch nicht folgenlos für sie sein. Denn jedes Mal, wenn sie wieder von einem Surftrip nach Tarifa zurück kam, war die erste Frage nach der Begrüßung: „Und, hast Du Nummer 7 kennen gelernt?“
So saßen Nadine, Simone, Johannes und ich mal eines Abends über einem Glas Weißwein in unserer Küche und unterhielten uns über Gott und die Welt. Ein paar Gläser später meinte Johannes, dass jeder in dieser Runde etwas Privates von sich erzählen solle. Er hatte auch schon eine Idee, was das sein könnte: Mit wie vielen Personen man schon Sex hatte.
Da wir alle schon etwas angetrunken waren, fiel die Entscheidung schnell und einstimmig. Wir entschieden jedoch auch, dass Johannes anfangen sollte, nachdem er dieses Thema vorgeschlagen hatte.
Kurze Zeit später wussten wir über den Erfahrungsreichtum unserer Mitbewohner Bescheid: Simone wartete noch auf ihren Märchenprinz, Johannes und ich lagen im Mittelfeld, und Nadine war mit 6 Zählern auf ihrem Konto der absolute Spitzenreiter des Abends.
Nach einer weiteren Weinflasche erfuhren wir auch noch die Namen der jeweiligen Bettgefährten und die Orte des Kennenlernens. Nadine hatte die meisten ihrer Liebhaber beim Surf-Urlaub in Tarifa getroffen. So ist das eben in der Sonne Spaniens. Abends nach dem Surfen sitzt man am Lagerfeuer, eines führt zum anderen und schwupps wird es wieder eng in Nadine’s altem Subaru Bus.
Diese Selbstoffenbarung von Nadine sollte jedoch nicht folgenlos für sie sein. Denn jedes Mal, wenn sie wieder von einem Surftrip nach Tarifa zurück kam, war die erste Frage nach der Begrüßung: „Und, hast Du Nummer 7 kennen gelernt?“
Montag, 4. Juni 2007
Caroline, die Doppelgängerin
Caroline und Petra arbeiteten als Kellnerinnen in derselben runter gekommenen Absteige in der Konstanzer Innenstadt. Caroline sagte oft, dass sich dorthin nur noch verkrachte Existenzen, Alkoholiker und Journalisten der städtischen Zeitung verirrten.
Als Kellnerin, erklärte sie mir einmal, ist man öffentliches Eigentum. Jeder meint, er habe das Recht einen zu bewerten oder zu kritisieren. Oft hieß es, „Du sieht heute Abend aber wieder gut/ schlecht aus“, „Das T-Shirt hattest Du schon am Dienstag an, kannst Du Dir nichts anderes leisten?“, etc...
Viele Männer wollten sie auch gerne mal anfassen, nach dem Motto: „Hey, Dein T-Shirt hängt schief, lass mich das mal machen“ oder „Du hast da einen Fleck, Moment mal...“.
Einmal kam sie abends nach Hause und meinte, dass da so ein Typ in der Ecke saß und sich ein Bier nach dem anderen bestellte. Beim dritten oder vierten Bier hätte er sie auf einmal an der Hüfte festgehalten und gemeint, dass sie so bleich aussehen würde und ob es ihr schlecht ginge. Ob sie sich nicht mal zu ihm auf dem Schoß setzen wolle, damit er sich ihrer annehmen könnte.
Zum Glück hatte der Bartender diese Konversation mitbekommen und besagten Herren anschließend vor die Tür komplimentiert.
Eines anderen Abends kam Caroline völlig außer sich von der Arbeit zurück. Ich saß mit Petra in der Küche und schwatzte. Wir hatten auf Caroline gewartet, um uns ihre Kellnerin-Stories des heutigen Abends anzuhören.
Nachdem sich Caroline einen Tee gekocht hatte und ein zwei Scheiben Toastbrot in den Toaster gesteckt hatte, setzte sie sich hin und meinte, dass sie heute Abend eine ganz verwirrte Frau kennen gelernt habe. Die hätte den einige Stunden am Tresen gesessen, ein paar Tassen Kaffee mit Schuß getrunken und Caroline die ganze Zeit beobachtet.
Als Caroline gerade mal etwas Freilauf hatte und sich mit dem Barkeeper Ralf unterhalten wollte, beugte sich die Frau über den Tresen. Sie sagte zu Caroline, dass sie wie ihre verstorbene Tochter aussehen würde. Darüber hinaus fragte die Frau, ob sie Caroline näher kennen lernen könnte, denn sie würde ihr gerne was Gutes tun wollen, nachdem sie das bei ihrer Tochter nicht mehr könnte. Nett wie Caroline war, versuchte sie der Frau zu erzählen, dass diese Frage nicht angemessen sei und sie sich lieber nicht zu ihr setzen wollte, anstatt einen eindeutigeren Ton anzuschlagen. Die Frau blieb bis zur Sperrzeit und wartete draußen auf die vermeintliche Tochter-Doppelgängerin.
Caroline war froh, dass sie mit dem Fahrrad da war und die Frau auf dem Heimweg abhängen konnte.
Als Kellnerin, erklärte sie mir einmal, ist man öffentliches Eigentum. Jeder meint, er habe das Recht einen zu bewerten oder zu kritisieren. Oft hieß es, „Du sieht heute Abend aber wieder gut/ schlecht aus“, „Das T-Shirt hattest Du schon am Dienstag an, kannst Du Dir nichts anderes leisten?“, etc...
Viele Männer wollten sie auch gerne mal anfassen, nach dem Motto: „Hey, Dein T-Shirt hängt schief, lass mich das mal machen“ oder „Du hast da einen Fleck, Moment mal...“.
Einmal kam sie abends nach Hause und meinte, dass da so ein Typ in der Ecke saß und sich ein Bier nach dem anderen bestellte. Beim dritten oder vierten Bier hätte er sie auf einmal an der Hüfte festgehalten und gemeint, dass sie so bleich aussehen würde und ob es ihr schlecht ginge. Ob sie sich nicht mal zu ihm auf dem Schoß setzen wolle, damit er sich ihrer annehmen könnte.
Zum Glück hatte der Bartender diese Konversation mitbekommen und besagten Herren anschließend vor die Tür komplimentiert.
Eines anderen Abends kam Caroline völlig außer sich von der Arbeit zurück. Ich saß mit Petra in der Küche und schwatzte. Wir hatten auf Caroline gewartet, um uns ihre Kellnerin-Stories des heutigen Abends anzuhören.
Nachdem sich Caroline einen Tee gekocht hatte und ein zwei Scheiben Toastbrot in den Toaster gesteckt hatte, setzte sie sich hin und meinte, dass sie heute Abend eine ganz verwirrte Frau kennen gelernt habe. Die hätte den einige Stunden am Tresen gesessen, ein paar Tassen Kaffee mit Schuß getrunken und Caroline die ganze Zeit beobachtet.
Als Caroline gerade mal etwas Freilauf hatte und sich mit dem Barkeeper Ralf unterhalten wollte, beugte sich die Frau über den Tresen. Sie sagte zu Caroline, dass sie wie ihre verstorbene Tochter aussehen würde. Darüber hinaus fragte die Frau, ob sie Caroline näher kennen lernen könnte, denn sie würde ihr gerne was Gutes tun wollen, nachdem sie das bei ihrer Tochter nicht mehr könnte. Nett wie Caroline war, versuchte sie der Frau zu erzählen, dass diese Frage nicht angemessen sei und sie sich lieber nicht zu ihr setzen wollte, anstatt einen eindeutigeren Ton anzuschlagen. Die Frau blieb bis zur Sperrzeit und wartete draußen auf die vermeintliche Tochter-Doppelgängerin.
Caroline war froh, dass sie mit dem Fahrrad da war und die Frau auf dem Heimweg abhängen konnte.
Sonntag, 3. Juni 2007
Mitternächtlicher Fressflash
Meine beiden Mitbewohnerinnen Petra und Caroline kellnerten je zwei Tage pro Woche neben dem Studium, um selbiges zu finanzieren. Beide arbeiteten in derselben runter gekommenen Kneipe. Nach dem Kellnern kamen Sie meist um 0:30 Uhr nachts nach Hause und hatten dann oft haarsträubende Geschichten zu erzählen.
Da ich selbst auch eine ziemliche Nachteule bin, war ich um die Zeit oft noch auf und traf die ein oder andere Kellnerin nach Feierabend in der Küche an. Caroline hatte nach dem Kellnern meist Hunger und so setzte ich mich dazu und ließ mich bald von Carolines Hungeranfall anstecken. Nicht selten tauchte Petra auch noch auf und im Nu saßen wir zu dritt in der Küche, vertilgten Toastbrot mit Käse und quatschten miteinander.
Meist ging dabei ein ganzes Toastbrot und ein bis zwei Stunden Zeit drauf. Diese Mitternächtlichen Essanfälle wurden von Caroline, die normalerweise auf ihre Figur achtete, daher als „Fressflash“ benannt. In manchen Nächten trafen wir uns auch einfach so um Mitternacht in der Küche, um den Toast miteinander zu teilen.
Besonders schlimm wurde es, als Lars einen Sandwich-Maker besorgte und Caroline, Petra und ich anfingen, damit herum zu experimentieren. Die einfachsten Rezepte waren meist jedoch immer die besten, z.B. eine Scheibe Aldi-Gouda und etwas Ketchup ergab einen schnellen Pizza-Toast. Wenn wir die Zeit hatten, machten wir uns aber gerne auch die Vollversion dieses Rezepts, dazu benötigte man eine Scheibe Gouda, eine klein geschnittene Gewürzgurke, Salz, Pfeffer, Basilikum und etwas Ketchup. Zum Nachtisch gab es dann meist noch einen Toast mit Nutella, lecker!
Zum Glück ging der Sandwich-Maker bald kaputt. Jemand hatte wohl zu viele Zutaten auf seinen Toast gelegt und dann zu kräftig zugedrückt. Die Scharniere auf der Rückseite des Geräts rissen auf und wir konnten den Sandwich-Maker wegschmeißen.
Wenig später brachte Lars eine Friteuse in die WG. Zum Glück brauchte das Öl immer so lange, bis es heiß genug war, sonst hätten wir bald eine neue Sucht gefunden.
Da ich selbst auch eine ziemliche Nachteule bin, war ich um die Zeit oft noch auf und traf die ein oder andere Kellnerin nach Feierabend in der Küche an. Caroline hatte nach dem Kellnern meist Hunger und so setzte ich mich dazu und ließ mich bald von Carolines Hungeranfall anstecken. Nicht selten tauchte Petra auch noch auf und im Nu saßen wir zu dritt in der Küche, vertilgten Toastbrot mit Käse und quatschten miteinander.
Meist ging dabei ein ganzes Toastbrot und ein bis zwei Stunden Zeit drauf. Diese Mitternächtlichen Essanfälle wurden von Caroline, die normalerweise auf ihre Figur achtete, daher als „Fressflash“ benannt. In manchen Nächten trafen wir uns auch einfach so um Mitternacht in der Küche, um den Toast miteinander zu teilen.
Besonders schlimm wurde es, als Lars einen Sandwich-Maker besorgte und Caroline, Petra und ich anfingen, damit herum zu experimentieren. Die einfachsten Rezepte waren meist jedoch immer die besten, z.B. eine Scheibe Aldi-Gouda und etwas Ketchup ergab einen schnellen Pizza-Toast. Wenn wir die Zeit hatten, machten wir uns aber gerne auch die Vollversion dieses Rezepts, dazu benötigte man eine Scheibe Gouda, eine klein geschnittene Gewürzgurke, Salz, Pfeffer, Basilikum und etwas Ketchup. Zum Nachtisch gab es dann meist noch einen Toast mit Nutella, lecker!
Zum Glück ging der Sandwich-Maker bald kaputt. Jemand hatte wohl zu viele Zutaten auf seinen Toast gelegt und dann zu kräftig zugedrückt. Die Scharniere auf der Rückseite des Geräts rissen auf und wir konnten den Sandwich-Maker wegschmeißen.
Wenig später brachte Lars eine Friteuse in die WG. Zum Glück brauchte das Öl immer so lange, bis es heiß genug war, sonst hätten wir bald eine neue Sucht gefunden.
Freitag, 1. Juni 2007
Lars lernt Putzen ... nicht!
Meinen Mitbewohner Lars zum Putzen zu bringen war immer ein ziemlicher Kampf. Er machte gerne und oft Schmutz, diesen aber nur selten wieder weg. Irgendwie wollte er nicht begreifen, dass es in einem vier Personen Haushalt wichtig ist, dass man seine schmutzigen Töpfe und das benutzte Geschirr in angemessener Zeit sauber spült, damit es die anderen Mitbewohner auch benutzen können.
Um seiner Freundin seine Tauglichkeit als Hausmann zu demonstrieren, kochte er ihr gerne mal was. Oft gab es chinesisches oder indisches Essen aus dem Wok. Meist verzogen sich Lars und seine Freundin nach dem Essen für den „Nachtisch“ in sein Zimmer und ließen alles stehen und liegen – sie hatten ja Besseres zu tun als zu spülen. Nicht selten standen das Geschirr und der dreckige Wok am nächsten Tag immer noch in der Küche, bzw. auf dem Tisch. Verständlicherweise fanden wir anderen Mitbewohner das nicht allzu lustig.
Tatjana geriet deswegen oft mit Lars aneinander, da ihre Zündschnur kürzer war als die von Caroline oder mir. Aber außer lauten Streits und mehr oder minder begründeten Anschuldigungen sprang dabei nicht viel raus. Beim nächsten Mal hatte Lars wieder besseres zu tun als seinen Dreck hinter sich aufzuräumen. Obwohl Lars studierte war er anscheinend nicht allzu lernfähig oder –willig.
Eines Abends, nachdem uns Lars wieder einmal mit den Überresten seiner Kochexzesse beglückt hatte, platzte Tatjana der Kragen und sie stürmte nachts um 2 Uhr zu Lars ins Zimmer, um ihn ein bisschen anzuschreien. Lars fand das erwartungsgemäß nicht allzu witzig und von dieser Nacht an herrschte erst einmal Funkstille zwischen Tatjana und Lars.
Seinen Wok und sein Geschirr ließ Lars dann absichtlich in der Küche stehen bis sich Caroline dessen erbarmte und es wegspülte.
Als ich ein paar Tage später nachmittags von der Uni nach Hause kam, traf ich Tatjana und Caroline in der Küche beim Quatschen an. Tatjana fragte mich, ob ich Zeit hätte mich dazu zu setzen. Wir hätten was zu besprechen, meinte sie mit verschwörerischer Miene.
Kaum hatte ich mich dazu gesetzt, meinte Tatjana, dass das mit Lars nicht so weiter gehen kann. Alle Versuche, ihn davon zu überzeugen sich mehr in die Wohngemeinschaft einzubringen, seien fehlgeschlagen. Wir müssten drastischere Maßnahmen ergreifen. Nach etwas Diskussion entschlossen wir uns dazu, ihm eine Lehre zu erteilen, indem wir ihm sein Verhalten vorführten. Sprich: Tatjana, Caroline und ich beschlossen, eine Woche lang alles dreckig, aber nichts sauber zu machen. Vielleicht würde er dann kapieren, wie sein Verhalten auf uns wirkt. Das war zumindest unsere Hoffnung.
Ein paar Tage später sah es bei uns in der Küche aus wie nach der letzten Sylvesterparty: praktisch alles was wir an Geschirr, Besteck, Töpfen, Pfannen, Gläsern oder Bechern besaßen war in der Küche verteilt. Die Arbeitsflächen waren praktisch komplett belegt, auf dem Tisch türmte sich ein Berg von dreckigen Geschirr, in der Spüle trieben undefinierbare, organische Stoffe zwischen eingeweichten Tellern und Töpfen und selbst auf dem Fensterbrett war keine Handbreit mehr frei. Auf dem Boden lagen Papierschnipsel, ein leerer Tetrapack, mehrere Käserinden (die Tatjana jedoch absichtlich runter geworfen hatte) und ein oder zwei Löffel Haferflocken verstreut. Mit anderen Worten: Unsere Küche war ein absoluter Saustall.
Leider hatten wir Lars’ Fähigkeit zur Selbsteinsicht überschätzt. Denn er kapierte nicht, dass wir ihm sein Verhalten vorführen wollten, in der Hoffnung, dass er erkennt wie das für uns ist. Stattdessen dachte er wohl, dass wir alle auf einmal auch zu WG-Schweinen geworden wären und uns an dem Dreck in der Küche nicht mehr stören würden.
Sauber gemacht hat er natürlich nicht. Dafür hinterließ er uns eine kurze Nachricht in der Küche und fuhr über das Wochenende zu seinen Eltern nach Herrenberg. Auf dem Zettel stand:
„Da soll noch einmal jemand in mein Zimmer kommen und mich zum Spülen auffordern. Dann ist es mir um 2 Uhr früh auch scheißegal, wie es euch geht!“
Unser Problem mit Lars’ mangelndem Putzwillen wurde erst durch seinen Auszug ein Jahr später gelöst.
Um seiner Freundin seine Tauglichkeit als Hausmann zu demonstrieren, kochte er ihr gerne mal was. Oft gab es chinesisches oder indisches Essen aus dem Wok. Meist verzogen sich Lars und seine Freundin nach dem Essen für den „Nachtisch“ in sein Zimmer und ließen alles stehen und liegen – sie hatten ja Besseres zu tun als zu spülen. Nicht selten standen das Geschirr und der dreckige Wok am nächsten Tag immer noch in der Küche, bzw. auf dem Tisch. Verständlicherweise fanden wir anderen Mitbewohner das nicht allzu lustig.
Tatjana geriet deswegen oft mit Lars aneinander, da ihre Zündschnur kürzer war als die von Caroline oder mir. Aber außer lauten Streits und mehr oder minder begründeten Anschuldigungen sprang dabei nicht viel raus. Beim nächsten Mal hatte Lars wieder besseres zu tun als seinen Dreck hinter sich aufzuräumen. Obwohl Lars studierte war er anscheinend nicht allzu lernfähig oder –willig.
Eines Abends, nachdem uns Lars wieder einmal mit den Überresten seiner Kochexzesse beglückt hatte, platzte Tatjana der Kragen und sie stürmte nachts um 2 Uhr zu Lars ins Zimmer, um ihn ein bisschen anzuschreien. Lars fand das erwartungsgemäß nicht allzu witzig und von dieser Nacht an herrschte erst einmal Funkstille zwischen Tatjana und Lars.Seinen Wok und sein Geschirr ließ Lars dann absichtlich in der Küche stehen bis sich Caroline dessen erbarmte und es wegspülte.
Als ich ein paar Tage später nachmittags von der Uni nach Hause kam, traf ich Tatjana und Caroline in der Küche beim Quatschen an. Tatjana fragte mich, ob ich Zeit hätte mich dazu zu setzen. Wir hätten was zu besprechen, meinte sie mit verschwörerischer Miene.
Kaum hatte ich mich dazu gesetzt, meinte Tatjana, dass das mit Lars nicht so weiter gehen kann. Alle Versuche, ihn davon zu überzeugen sich mehr in die Wohngemeinschaft einzubringen, seien fehlgeschlagen. Wir müssten drastischere Maßnahmen ergreifen. Nach etwas Diskussion entschlossen wir uns dazu, ihm eine Lehre zu erteilen, indem wir ihm sein Verhalten vorführten. Sprich: Tatjana, Caroline und ich beschlossen, eine Woche lang alles dreckig, aber nichts sauber zu machen. Vielleicht würde er dann kapieren, wie sein Verhalten auf uns wirkt. Das war zumindest unsere Hoffnung.
Ein paar Tage später sah es bei uns in der Küche aus wie nach der letzten Sylvesterparty: praktisch alles was wir an Geschirr, Besteck, Töpfen, Pfannen, Gläsern oder Bechern besaßen war in der Küche verteilt. Die Arbeitsflächen waren praktisch komplett belegt, auf dem Tisch türmte sich ein Berg von dreckigen Geschirr, in der Spüle trieben undefinierbare, organische Stoffe zwischen eingeweichten Tellern und Töpfen und selbst auf dem Fensterbrett war keine Handbreit mehr frei. Auf dem Boden lagen Papierschnipsel, ein leerer Tetrapack, mehrere Käserinden (die Tatjana jedoch absichtlich runter geworfen hatte) und ein oder zwei Löffel Haferflocken verstreut. Mit anderen Worten: Unsere Küche war ein absoluter Saustall.Leider hatten wir Lars’ Fähigkeit zur Selbsteinsicht überschätzt. Denn er kapierte nicht, dass wir ihm sein Verhalten vorführen wollten, in der Hoffnung, dass er erkennt wie das für uns ist. Stattdessen dachte er wohl, dass wir alle auf einmal auch zu WG-Schweinen geworden wären und uns an dem Dreck in der Küche nicht mehr stören würden.
Sauber gemacht hat er natürlich nicht. Dafür hinterließ er uns eine kurze Nachricht in der Küche und fuhr über das Wochenende zu seinen Eltern nach Herrenberg. Auf dem Zettel stand: „Da soll noch einmal jemand in mein Zimmer kommen und mich zum Spülen auffordern. Dann ist es mir um 2 Uhr früh auch scheißegal, wie es euch geht!“
Unser Problem mit Lars’ mangelndem Putzwillen wurde erst durch seinen Auszug ein Jahr später gelöst.
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