Entgegen einer populären Hypothese (siehe die Bielefeldverschwörung) existiert die Stadt Bielefeld tatsächlich - ich arbeite und wohne dort nun schon seit fast fünf Monaten und hatte bisher noch nicht den Eindruck, dass diese Stadt nur die Kulisse für eine geheime Basis des BND oder für Interpol ist. Und selbst wenn sie es ist, so ist es die beste Illusion, die ich bisher gesehen habe. Da könnten selbst Hollywoods Spezialeffekt-Genies nicht mithalten.
Darüber hinaus ist Bielefeld auch nicht oder zumindest nicht mehr so hässlich, wie sein Ruf. Als klar wurde, dass ich beruflich nach Bielefeld umziehen musste, habe ich nicht nur einmal Sprüche wie „Und wenn Dir Düsseldorf nicht gefällt, dann warst Du noch nie in Bielefeld“ oder „Und wenn wir uns nicht mehr sehen auf dieser Welt, dann sehen wir uns in Bielefeld“ zu hören bekommen. Ich finde Bielefeld bis auf ein paar wenige Ecken eigentlich ganz ansehnlich. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich bisher in erster Linie die Kernstadt kenne und die umliegenden Stadtteile und eingemeindeten Dörfer nicht gesehen habe.
An was es jedoch in Bielefeld zu mangeln scheint, sind Fahrschulen. Wie gesagt wohne ich noch keine fünf Monate in dieser Stadt und in dieser kurzen Zeit wurde ich auf dem Fahrrad bereits einmal richtig und seit vergangenem Freitag dreimal fast zusammen gefahren!
Viele Bielefelder legen ein Fahrverhalten an den Tag, als hätten Sie ihren Führerschein kostenlos bei der Anmeldung zu den Entsorgungsbetrieben dazu bekommen. Zumindest die Erfindung von Fahrradwegen scheint an einigen Autofahrern in dieser ostwestfälischen Stadt spurlos vorbei gegangen zu sein. Die Regel, dass man beim Abbiegen nicht nur auf andere Autos, sondern auch auf Fahrradfahrer achten sollte, scheint noch keinen Einzug in das Allgemeinwissen der Bielefelder Bevölkerung eingegangen zu sein.
Wie sonst kann man erklären, dass ich schon besagte drei Mal fremden Kotflügeln auf dem Fahrradweg bedrohlich nahe gekommen bin und einmal gezwungen war ungeplanterweise von meinem Fahrrad abzusteigen? Geblinkt hat von diesen vieren nur einer - derjenige, der mich richtig zusammen gefahren hat, sonst wäre ich womöglich nicht neben dem Auto des Unfallverursachers gelandet sondern darunter. Die anderen drei bogen einfach ab, frei nach dem Motto: wenn ein Fahrradfahrer kommt, wird der schon bremsen, denn ich habe die besseren Argumente.
Apropos Argumente, ein paar davon haben diese unachtsamen Autofahrer dann von mir zu hören bekommen. Der Höflichkeit halber wiederhole ich diese hier nicht, aber ich hoffe, dass diese wohl gemeinten Worte den Autofahrern helfen werden, beim nächsten Mal hinzuschauen wo sie hinfahren, bevor sie dorthin fahren...
Neben diesen Blindfliegern beim Abbiegen habe ich auch schon unheimliche Begegnungen anderer Art mit den Bielefelder Autofahrern machen dürfen. Neulich zum Beispiel wollte eine Frau von einem Supermarkt-Parkplatz auf die Straße hinaus fahren, doch da dort viel Verkehr war, blieb sie einfach auf dem Fahrradweg stehen, als wäre dieser nicht ebenfalls vorfahrtsberechtigt. Statt jedoch zurückzusetzen, wie sich es gehört, wenn man jemand auf der Vorfahrtsstraße in den Weg fährt glotze sie mich blöd an, wie ein Guppy in einem Fischglas und zuckte mit den Schulten, als ob es meine Schuld wäre, dass die Entwicklung des Rückwärtsgangs noch nicht bis zu ihr vorgedrungen ist.
Diesen sollte sie mal ausprobieren. Der hilft ungemein beim Ein- und Ausparken und dessen Verwendung sorgt auch für nettere Reaktionen bei Fahrradfahrern, denen sie in den in den Weg fährt. Ich war so freundlich ihr aufzuzählen, wie viele Vögel ihrem Käfig doch entflogen sind, bevor ich mich weiter auf den Weg zum Bahnhof begab.
Ich kann nur hoffen, dass die Bielefelder Autofahrer im Zuge der Ölkrise ihre Wägen häufiger stehen lassen und auf das Fahrrad umsteigen, damit sie mal merken was für schlechte Autofahrer manche ihrer Mitbürger sind. Als promovierter Psychologe glaube ich fest an die Macht der Konditionierung und hoffe, dass selbst gemachte schlechte Erfahrungen den Bielefeldern helfen, das eigene Fehlverhalten zu erkennen und zu verbessern.
Selbst Ratten kann man durch Konditionierung neue Verhaltensweisen beibringen. Alleine schon für mein eigenes Wohlbefinden lebe ich in der Hoffnung, dass die Bielefelder Autofahrer ebenso lernfähig sind...
Dienstag, 24. Juni 2008
Dienstag, 17. Juni 2008
Diana die Zecke
Mit meiner Mitbewohnerin Diana in meiner Altstadt-WG gab es ständig Probleme. Anfangs fand ich sie noch ganz nett und konnte gar nicht verstehen, warum die beiden anderen Mitbewohner, Sigrid und Arno, einen erbitterten Grabenkrieg mit ihr führten. Doch schon bald hatte ich bemerkt, dass Diana nicht so ganz koscher war. Irgendwas war seltsam an ihr und ich lernte schnell, was das war. Sie log mich an, ohne mit der Wimper zu zucken, beklaute regelmäßig ihre Mitbewohner, versaute ständig die Küche und weigerte sich ihren Dreck wieder weg zu putzen, zahlte niemals ihre Miete oder ihre Schulden pünktlich und – das war das Schlimmste an ihr – kam mit dieser Masche ständig durch.
Es gab Tage, an denen konnten meine Mitbewohner und ihr detailgenau nachweisen, was sie schon wieder angestellt hatte und Dianas Antwort war jedes Mal „Das war ich nicht“. Selbst als wir die leeren Joghurtbecher aus Sigrids Teil des Kühlschranks in Dianas Zimmermülleimer entdeckten, leugnete sie alles und behauptete Sigrid hätte die in ihren Mülleimer geworfen, um ihr etwas anzuhängen.
Wir konnten bei ihr nichts erreichen. Sigrid, Arno und ich legten Diana mehrfach nahe, doch endlich auszuziehen uns und von ihrer Anwesenheit zu befreien, aber sie wollte partout nicht. Trotz aller Streitereien und allem Ärger, den wir mit ihr hatten, harrte sie in ihrem Zimmer aus und schloss sich regelmäßig ein aus Angst, dass wir ihr was antun könnten. Gehen wollte sie aber nicht.
Als ich eines Abends mal von der Uni nach Hause kam stand ein Polizeiwagen mit Blaulicht vor der Tür unseres Hauses. Mir war sofort klar, dass das was mit Diana zu tun haben musste – mit etwas Glück hatte sie einen Unfall und war nun ein Pflegefall oder sie hatte die falsche Person betrogen und kam jetzt in Untersuchungshaft oder gleich in den Frauenknast... mir gingen so einige fiese Gedanken durch den Kopf, als ich die Treppen zu meiner WG hoch lief.
Oben angekommen traf ich zunächst auf einen völlig aufgelösten Herrn von Hohenheim, unserem soziophoben Vermieter, der wie ein aufgeschrecktes Huhn durch den Wohnung lief.
Am anderen Ende des Flurs entdeckte ich Diana, Arno und zwei Polizisten. Der eine der beiden Gesetzeshüter klappte ein Notizbuch zusammen, die beiden verabschiedeten sich und ich hörte Diana fragen: „Und was soll ich jetzt machen?“
„Sie können ja ausziehen“, meinte der Polizist mit dem Notizblock. „Mehr können wir im Moment leider nicht für sie tun“
Daraufhin liefen die beiden Polizisten an mir vorbei zur Wohnungstür und verschwanden. Diana verzog sich ebenfalls schnell in ihrem Zimmer und schloss die Tür hinter sich zu.
Arno ging in die Küche und ging an seinen Kühlschrank. Offenbar holte er sich noch ein Bier. So blieb ich mit Herrn von Hohenhaus alleine im Flur zurück. Der Vermieter war immer noch ganz außer sich.
„Die Polizei in meinem Haus! Wie konnte das nur passieren? Wir hatten doch noch nie Probleme mit dem Gesetz!“ jammerte Herr von Hohenhaus. „Man muss doch nicht gleich Polizei rufen. Sie hätte doch erst einmal zu mir kommen können.“
Der arme Mann stand total neben sich. Also ließ ich ihn in Ruhe und ging in die Küche. Dort saß Arno mit einer halb leeren Flasche Bier in der Hand.
Ich gesellte mich zu ihm. „Und, was ist hier heute Abend passiert?“, fragte ich ihn.
„Och, nichts Besonderes. Diana hat die Polizei gerufen, weil ich mich mit ihr gestritten habe. Die blöde Fotze!“, meinte er nonchalant.
„Das muss aber ein heftiger Streit gewesen sein“, erwiderte ich.
Arno druckste etwas rum, rückte dann aber mit der Sprache raus. „Ich habe etwas gegen ihre Tür geschlagen und gerufen, dass ich sie ausquetsche wie eine Zecke, wenn ich sie erwische...“
„Ich war betrunken“, entschuldigte er sich. „Das war nicht so gemeint. Ich wollte sie nur etwas erschrecken.“
„Na das ist Dir gelungen“, sagte ich. „Und was hat die Polizei gesagt?“
Arno schüttelte den Kopf: „Das sie nicht viel machen können. Ich müsste ihr erst etwas antun, bevor sie mich belangen können. Gegen etwas Schimpfen und Drohungen können sie nichts unternehmen.“
„Ich habe gehört, dass sie ihr geraten haben auszuziehen“, sagte ich. „Hoffentlich nimmt sie sich diesen Rat zu Herzen.“
„Das wäre schön,“ lachte Arno. „Zur Not quetsche ich sie eben doch aus wie eine Zecke.“
Daraufhin leerte Arno die Bierflasche, holte sich aus dem Kühlschrank eine neue und ging in sein Zimmer.
Ich ging ebenfalls in mein Zimmer. Der Vermieter war inzwischen verschwunden, vermutlich um noch ein paar Stunden lang in seiner Wohnung hin und her zu laufen, um sich abzureagieren.
Wenig später klopfte es an meiner Zimmertür. Ich öffnete die Tür und Diana stand mir gegenüber. „Hast Du gerade etwas Zeit?“, fragte sie – zu dem Zeitpunkt redeten wir noch ab und zu miteinander.
„Na gut, komm rein!“
„Hast Du mitbekommen war hier passiert ist?“, fragte sie mich.
„Arno hat sich mit Dir gestritten und an Deine Tür geschlagen“, bekundete ich mein Wissen.
„Das ist aber noch nicht alles“, erwiderte Diana entgeistert. „Er hat gesagt, dass er mich wie eine Zecke zerquetschen will und mich zum Fenster raus werfen will. Ich hatte so eine Angst, dass ich die Polizei gerufen habe. Aber die können nicht viel machen.“
„Erst wenn Arno mir wirklich was antut und mich verletzt, kann die Polizei ihn mitnehmen.“, erzählte sie aufgeregt. „Kannst Du das glauben? Sie können nichts ausrichten bevor er mir nicht wirklich was antut.“
„Das ist doch pervers!“, kreischte Diana.
Ich schüttelte den Kopf. „Arno war betrunken. Er wird Dir schon nichts antun.“, meinte ich.
„Aber was ist, wenn er wieder was trinkt und er dann mehr macht als mir zu Drohen? Was ist, wenn er mir wirklich was antut?“
„Du darfst es eben nicht so weit kommen lassen“, sagte ich. „Wenn Du so eine Angst vor Arno hast, dann solltest Du vielleicht ausziehen“
Okay, ich gebe zu. Dieser Satz war etwas plump und nicht ganz uneigennützig, aber Diana stieg auf das Angebot nicht ein. „Ich ziehe nicht aus. Soll Arno doch gehen! Ich habe auch ein Recht hier zu wohnen.“
Und so blieb uns Diana noch ein Weilchen erhalten... Na toll!
Es gab Tage, an denen konnten meine Mitbewohner und ihr detailgenau nachweisen, was sie schon wieder angestellt hatte und Dianas Antwort war jedes Mal „Das war ich nicht“. Selbst als wir die leeren Joghurtbecher aus Sigrids Teil des Kühlschranks in Dianas Zimmermülleimer entdeckten, leugnete sie alles und behauptete Sigrid hätte die in ihren Mülleimer geworfen, um ihr etwas anzuhängen.
Wir konnten bei ihr nichts erreichen. Sigrid, Arno und ich legten Diana mehrfach nahe, doch endlich auszuziehen uns und von ihrer Anwesenheit zu befreien, aber sie wollte partout nicht. Trotz aller Streitereien und allem Ärger, den wir mit ihr hatten, harrte sie in ihrem Zimmer aus und schloss sich regelmäßig ein aus Angst, dass wir ihr was antun könnten. Gehen wollte sie aber nicht.
Als ich eines Abends mal von der Uni nach Hause kam stand ein Polizeiwagen mit Blaulicht vor der Tür unseres Hauses. Mir war sofort klar, dass das was mit Diana zu tun haben musste – mit etwas Glück hatte sie einen Unfall und war nun ein Pflegefall oder sie hatte die falsche Person betrogen und kam jetzt in Untersuchungshaft oder gleich in den Frauenknast... mir gingen so einige fiese Gedanken durch den Kopf, als ich die Treppen zu meiner WG hoch lief.
Oben angekommen traf ich zunächst auf einen völlig aufgelösten Herrn von Hohenheim, unserem soziophoben Vermieter, der wie ein aufgeschrecktes Huhn durch den Wohnung lief.
Am anderen Ende des Flurs entdeckte ich Diana, Arno und zwei Polizisten. Der eine der beiden Gesetzeshüter klappte ein Notizbuch zusammen, die beiden verabschiedeten sich und ich hörte Diana fragen: „Und was soll ich jetzt machen?“
„Sie können ja ausziehen“, meinte der Polizist mit dem Notizblock. „Mehr können wir im Moment leider nicht für sie tun“
Daraufhin liefen die beiden Polizisten an mir vorbei zur Wohnungstür und verschwanden. Diana verzog sich ebenfalls schnell in ihrem Zimmer und schloss die Tür hinter sich zu.
Arno ging in die Küche und ging an seinen Kühlschrank. Offenbar holte er sich noch ein Bier. So blieb ich mit Herrn von Hohenhaus alleine im Flur zurück. Der Vermieter war immer noch ganz außer sich.
„Die Polizei in meinem Haus! Wie konnte das nur passieren? Wir hatten doch noch nie Probleme mit dem Gesetz!“ jammerte Herr von Hohenhaus. „Man muss doch nicht gleich Polizei rufen. Sie hätte doch erst einmal zu mir kommen können.“
Der arme Mann stand total neben sich. Also ließ ich ihn in Ruhe und ging in die Küche. Dort saß Arno mit einer halb leeren Flasche Bier in der Hand.
Ich gesellte mich zu ihm. „Und, was ist hier heute Abend passiert?“, fragte ich ihn.
„Och, nichts Besonderes. Diana hat die Polizei gerufen, weil ich mich mit ihr gestritten habe. Die blöde Fotze!“, meinte er nonchalant.
„Das muss aber ein heftiger Streit gewesen sein“, erwiderte ich.
Arno druckste etwas rum, rückte dann aber mit der Sprache raus. „Ich habe etwas gegen ihre Tür geschlagen und gerufen, dass ich sie ausquetsche wie eine Zecke, wenn ich sie erwische...“
„Ich war betrunken“, entschuldigte er sich. „Das war nicht so gemeint. Ich wollte sie nur etwas erschrecken.“
„Na das ist Dir gelungen“, sagte ich. „Und was hat die Polizei gesagt?“
Arno schüttelte den Kopf: „Das sie nicht viel machen können. Ich müsste ihr erst etwas antun, bevor sie mich belangen können. Gegen etwas Schimpfen und Drohungen können sie nichts unternehmen.“
„Ich habe gehört, dass sie ihr geraten haben auszuziehen“, sagte ich. „Hoffentlich nimmt sie sich diesen Rat zu Herzen.“
„Das wäre schön,“ lachte Arno. „Zur Not quetsche ich sie eben doch aus wie eine Zecke.“
Daraufhin leerte Arno die Bierflasche, holte sich aus dem Kühlschrank eine neue und ging in sein Zimmer.
Ich ging ebenfalls in mein Zimmer. Der Vermieter war inzwischen verschwunden, vermutlich um noch ein paar Stunden lang in seiner Wohnung hin und her zu laufen, um sich abzureagieren.
Wenig später klopfte es an meiner Zimmertür. Ich öffnete die Tür und Diana stand mir gegenüber. „Hast Du gerade etwas Zeit?“, fragte sie – zu dem Zeitpunkt redeten wir noch ab und zu miteinander.
„Na gut, komm rein!“
„Hast Du mitbekommen war hier passiert ist?“, fragte sie mich.
„Arno hat sich mit Dir gestritten und an Deine Tür geschlagen“, bekundete ich mein Wissen.
„Das ist aber noch nicht alles“, erwiderte Diana entgeistert. „Er hat gesagt, dass er mich wie eine Zecke zerquetschen will und mich zum Fenster raus werfen will. Ich hatte so eine Angst, dass ich die Polizei gerufen habe. Aber die können nicht viel machen.“
„Erst wenn Arno mir wirklich was antut und mich verletzt, kann die Polizei ihn mitnehmen.“, erzählte sie aufgeregt. „Kannst Du das glauben? Sie können nichts ausrichten bevor er mir nicht wirklich was antut.“
„Das ist doch pervers!“, kreischte Diana.
Ich schüttelte den Kopf. „Arno war betrunken. Er wird Dir schon nichts antun.“, meinte ich.
„Aber was ist, wenn er wieder was trinkt und er dann mehr macht als mir zu Drohen? Was ist, wenn er mir wirklich was antut?“
„Du darfst es eben nicht so weit kommen lassen“, sagte ich. „Wenn Du so eine Angst vor Arno hast, dann solltest Du vielleicht ausziehen“
Okay, ich gebe zu. Dieser Satz war etwas plump und nicht ganz uneigennützig, aber Diana stieg auf das Angebot nicht ein. „Ich ziehe nicht aus. Soll Arno doch gehen! Ich habe auch ein Recht hier zu wohnen.“
Und so blieb uns Diana noch ein Weilchen erhalten... Na toll!
Dienstag, 10. Juni 2008
Die Mäuse schlagen zurück!
Die Mäuse aus unserer Altbau-WG zu vertreiben war kein einfaches Unterfangen. Sobald wir eine eingefangen und wieder in der Natur ausgesetzt hatten, nahmen gleich zwei neue deren Platz ein.
Wigald stellte mehrere Schnappfallen auf, um der Mausplage Herr zu werden. Das funktionierte jedoch nicht, da Diana Wigalds Fallen immer wieder sabotierte, da sie diese Methode zu grausam fand.
Ich hatte eine Lebendfalle unter der Spüle aufgestellt und auch schon eine Maus damit gefangen. Ich war überrascht als noch ein zweites Mal eine Maus in diese Fall ging. Ich hatte mal gelesen, dass Mäuse nicht mehr in eine Falle gehen, mit der schon einmal eine Maus gefangen wurde. Die Nager würden noch den Angstgeruch ihrer Vorgänger riechen können, hieß es.
Trotzdem erwischte ich noch zwei weitere Mäuse mit dieser Falle, bevor mir Diana sie „aus Versehen“ kaputt machte, als sie eine Flasche Waschmittel drauf stellte.
Die erste Maus, die ich mit dieser Falle gefangen hatte, setzte ich bei der Kirche auf der anderen Straßenseite aus, weil Diana darauf bestand, dass wir das arme Tier gleich frei setzen müssten und ich im Regen nicht so weit mit dem Fahrrad fahren wollte. Ich hätte das Tier mal markieren sollen, denn ich hatte das Gefühl, dass sie wenige Tage später schon wieder bei uns in der Wohnung war.
Daher setzte ich die zweite Maus, die ich fing, weiter entfernt von der Wohnung aus, damit sie nicht wieder ganz so schnell bei uns im 4. Stock auftauchte. Ich packte den Käfig mit der Maus in meine Lenkradtasche am Fahrrad und fuhr damit zur Vogelvoliere im Konstanzer Stadtpark.
Ich hatte dort schon einmal Mäuse herum laufen sehen und dachte mir, dass meine Maus sich dort bei ihren Artgenossen wohl fühlen könnte. Dort gibt es genug (Vogel-) Futter, nette vierbeinige oder geflügelte Gesellschaft und ein Dach über dem Kopf. Was kann sich eine Stadtmaus noch mehr wünschen?
Ich stellte den Käfig am Rand der Voliere ins Gras und öffnete den Käfig. Die Maus kauerte in der hintersten Ecke des Käfigs, zuckte mit den Barthaaren aber bewegte sich ansonsten nicht.
Nach ein oder zwei Minuten wurde sie mutiger, reckte neugierig die Nase in die Luft und lief vorsichtig ein paar Schritte vor zum Käfigrand. Mit einem Mal packte sie der Mut, sie hüpfte ins Gras, lief flink an der Wand des Vogelhauses entlang und verschwand im Gebüsch dahinter.
Ich packte die Falle ein, warf ein 2 Euro Stück in die Spendendose der Voliere für Kost und Logie für die Maus und fuhr wieder zur Wohnung zurück.
Wenige Tage später bekam die Maus unfreiwillig Besuch eines Verwandten und der Verein der Vogelfreunde in Konstanz konnte sich über eine weitere Spende freuen.
Den Kampf gegen die Mäuse gewannen wir jedoch nicht.
Nachts konnte ich oft das Getrappel der Nager im Dachgeschoß über meinem Zimmer hören. Angesichts der Tatsache, dass alle Zimmer einen Dielenboden mit einem Hohlraum darunter hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Plagegeister auch wieder unsere Wohnung in Beschlag nahmen.
Die Mäuse waren anscheinend etwas geschickter geworden, denn wir fingen keine einzige Maus mehr, weder mit Wigald Schnappfalle (vor Dianas erneuter Sabotage) noch mit meiner neu gekauften Lebendfalle.
Beim WG-Putz saugte ich jedoch immer wieder verdächtige, schwarze Kügelchen vom Küchenboden auf und unser gelber Sack hatte oft Löcher, wenn er zu lange in der Küche stand – ein untrügerisches Zeichen für illegale Einwanderer in unserer Wohnung.
Das Mausproblem löste sich erst einige Monate später mit meinem Auszug – d.h. ich hinterließ es meinen Nachmietern und zog in eine Wohnung in der die einzig legale Maus mit ihrem Schwanz am USB Port meines Computers hing.
Wigald stellte mehrere Schnappfallen auf, um der Mausplage Herr zu werden. Das funktionierte jedoch nicht, da Diana Wigalds Fallen immer wieder sabotierte, da sie diese Methode zu grausam fand.
Ich hatte eine Lebendfalle unter der Spüle aufgestellt und auch schon eine Maus damit gefangen. Ich war überrascht als noch ein zweites Mal eine Maus in diese Fall ging. Ich hatte mal gelesen, dass Mäuse nicht mehr in eine Falle gehen, mit der schon einmal eine Maus gefangen wurde. Die Nager würden noch den Angstgeruch ihrer Vorgänger riechen können, hieß es.
Trotzdem erwischte ich noch zwei weitere Mäuse mit dieser Falle, bevor mir Diana sie „aus Versehen“ kaputt machte, als sie eine Flasche Waschmittel drauf stellte.
Die erste Maus, die ich mit dieser Falle gefangen hatte, setzte ich bei der Kirche auf der anderen Straßenseite aus, weil Diana darauf bestand, dass wir das arme Tier gleich frei setzen müssten und ich im Regen nicht so weit mit dem Fahrrad fahren wollte. Ich hätte das Tier mal markieren sollen, denn ich hatte das Gefühl, dass sie wenige Tage später schon wieder bei uns in der Wohnung war.
Daher setzte ich die zweite Maus, die ich fing, weiter entfernt von der Wohnung aus, damit sie nicht wieder ganz so schnell bei uns im 4. Stock auftauchte. Ich packte den Käfig mit der Maus in meine Lenkradtasche am Fahrrad und fuhr damit zur Vogelvoliere im Konstanzer Stadtpark.
Ich hatte dort schon einmal Mäuse herum laufen sehen und dachte mir, dass meine Maus sich dort bei ihren Artgenossen wohl fühlen könnte. Dort gibt es genug (Vogel-) Futter, nette vierbeinige oder geflügelte Gesellschaft und ein Dach über dem Kopf. Was kann sich eine Stadtmaus noch mehr wünschen?
Ich stellte den Käfig am Rand der Voliere ins Gras und öffnete den Käfig. Die Maus kauerte in der hintersten Ecke des Käfigs, zuckte mit den Barthaaren aber bewegte sich ansonsten nicht.
Nach ein oder zwei Minuten wurde sie mutiger, reckte neugierig die Nase in die Luft und lief vorsichtig ein paar Schritte vor zum Käfigrand. Mit einem Mal packte sie der Mut, sie hüpfte ins Gras, lief flink an der Wand des Vogelhauses entlang und verschwand im Gebüsch dahinter.
Ich packte die Falle ein, warf ein 2 Euro Stück in die Spendendose der Voliere für Kost und Logie für die Maus und fuhr wieder zur Wohnung zurück.
Wenige Tage später bekam die Maus unfreiwillig Besuch eines Verwandten und der Verein der Vogelfreunde in Konstanz konnte sich über eine weitere Spende freuen.
Den Kampf gegen die Mäuse gewannen wir jedoch nicht.
Nachts konnte ich oft das Getrappel der Nager im Dachgeschoß über meinem Zimmer hören. Angesichts der Tatsache, dass alle Zimmer einen Dielenboden mit einem Hohlraum darunter hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Plagegeister auch wieder unsere Wohnung in Beschlag nahmen.
Die Mäuse waren anscheinend etwas geschickter geworden, denn wir fingen keine einzige Maus mehr, weder mit Wigald Schnappfalle (vor Dianas erneuter Sabotage) noch mit meiner neu gekauften Lebendfalle.
Beim WG-Putz saugte ich jedoch immer wieder verdächtige, schwarze Kügelchen vom Küchenboden auf und unser gelber Sack hatte oft Löcher, wenn er zu lange in der Küche stand – ein untrügerisches Zeichen für illegale Einwanderer in unserer Wohnung.
Das Mausproblem löste sich erst einige Monate später mit meinem Auszug – d.h. ich hinterließ es meinen Nachmietern und zog in eine Wohnung in der die einzig legale Maus mit ihrem Schwanz am USB Port meines Computers hing.
Dienstag, 3. Juni 2008
Magnus der gescheiterte Jurist
Caroline, eine der Mitbewohnerinnen in meiner Studentenwohnheims-WG, brachte öfter mal Magnus, einen Bekannten von ihr, auf unsere Kaffeekränzchen oder gemeinsamen Unternehmungen mit.
Als ich Magnus kennen lernte studierte er Jura im 5. Semester. D.h. er war im 5. Semester in Jura eingeschrieben. So weit ich das mitbekommen habe, hat er nicht viel Zeit mit dem Studium verbracht. Stattdessen hing er oft mit Caroline bei uns rum, ging abends mit meinen Mitbewohnern und mir in den Intershop etwas trinken oder zur Uni Party und erweckte so gar nicht den Eindruck, dass er viel für das Studium machen müsse.
Mir erklärte er einmal, dass man in Jura nur wissen muss wo was steht, der Rest wäre nur noch etwas auswendig lernen und das könne er gut. Ich war damals gerade erst am Anfang des Studiums und gönnte mir die ein oder andere Freiheit, aber das damals für mich unendlich weit entfernte 5. Semester hätte ich mir deutlich stressreicher vorgestellt, als Magnus es beschrieben hat. Anscheinend kam Magnus damit aber gut zurecht, denn er studierte munter weiter und wurde auch weiterhin auf vielen Partys und oft in unserer WG-Küche gesehen.
Das letzte Mal sah ich ihn auf einer Faschingsparty in einer runtergekommenen Bar namens „Salzbüchsle“ in der Konstanzer Altstadt. Er hatte sich sinnigerweise als Jurist mit grünem Jackett und brauner Aktentasche verkleidet. Die Ironie dieser Verkleidung wurde mir erst ein paar Wochen später klar.
Als ich Caroline mal in der Küche beim Abendessen traf, sagte ich zu ihr, dass ich Magnus schon lange nicht mehr gesehen habe und fragte, ob sie wisse was mit ihm los sei.
Er sei wieder zu seinen Eltern nach Köln gezogen, meinte sie. Er ist das zweite Mal durch das Staatsexamen gefallen und musste sein Studium beenden... nach 10 Semestern!
Offenbar war das Studium doch nicht so einfach, wie Magnus sich das gedacht hatte.
Herzlichen Glückwunsch zum Abitur - dem höchsten Bildungsabschluss, den Magnus nach 5 Jahren an der Uni erreicht hatte.
Als ich Magnus kennen lernte studierte er Jura im 5. Semester. D.h. er war im 5. Semester in Jura eingeschrieben. So weit ich das mitbekommen habe, hat er nicht viel Zeit mit dem Studium verbracht. Stattdessen hing er oft mit Caroline bei uns rum, ging abends mit meinen Mitbewohnern und mir in den Intershop etwas trinken oder zur Uni Party und erweckte so gar nicht den Eindruck, dass er viel für das Studium machen müsse.
Mir erklärte er einmal, dass man in Jura nur wissen muss wo was steht, der Rest wäre nur noch etwas auswendig lernen und das könne er gut. Ich war damals gerade erst am Anfang des Studiums und gönnte mir die ein oder andere Freiheit, aber das damals für mich unendlich weit entfernte 5. Semester hätte ich mir deutlich stressreicher vorgestellt, als Magnus es beschrieben hat. Anscheinend kam Magnus damit aber gut zurecht, denn er studierte munter weiter und wurde auch weiterhin auf vielen Partys und oft in unserer WG-Küche gesehen.
Das letzte Mal sah ich ihn auf einer Faschingsparty in einer runtergekommenen Bar namens „Salzbüchsle“ in der Konstanzer Altstadt. Er hatte sich sinnigerweise als Jurist mit grünem Jackett und brauner Aktentasche verkleidet. Die Ironie dieser Verkleidung wurde mir erst ein paar Wochen später klar.
Als ich Caroline mal in der Küche beim Abendessen traf, sagte ich zu ihr, dass ich Magnus schon lange nicht mehr gesehen habe und fragte, ob sie wisse was mit ihm los sei.
Er sei wieder zu seinen Eltern nach Köln gezogen, meinte sie. Er ist das zweite Mal durch das Staatsexamen gefallen und musste sein Studium beenden... nach 10 Semestern!
Offenbar war das Studium doch nicht so einfach, wie Magnus sich das gedacht hatte.
Herzlichen Glückwunsch zum Abitur - dem höchsten Bildungsabschluss, den Magnus nach 5 Jahren an der Uni erreicht hatte.
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