Im Haus in dem sich meine Innenstadt-WG befand gab es noch zwei weitere Studi-Wohnungen mit je 5 Zimmern. Obwohl die eine WG im Stock über unserer Wohnung und die andere im Stock darunter lag, bekamen wir von den anderen Studenten im Haus nicht viel mit.
Ab und zu begegnete man sich im Treppenhaus, aber darüber hinaus hatten wir nur sehr wenig Kontakt. Lediglich wenn einer der Mitbewohner oder die ganze WG eine Party feierten, war es üblich, dass man sich gegenseitig einlud.
Die meisten Partys fanden in unserer Wohnung statt, meine Mitbewohner und ich waren deutlich feierfreudiger als die anderen Studenten im Haus. Manchmal kam es aber doch vor, dass eine der anderen beiden WGs feierte - meistens wenn dort jemand ein- oder auszog.
Kurz nachdem eine junge Psychologiestudentin in die WG im Stock über uns eingezogen war, flatterte eine Einladung zu einer WG-Party in unseren Briefkasten. Heinrich, Manuela und ich machten aus, dass wir uns gegen 22 Uhr in der Küche treffen wollten, um dann gemeinsam zur Party hoch zu gehen.
Ich traf Heinrich aber schon früher am Abend im Flur und kurz darauf saßen wir in der Küche bei eine Kanne Tee und quatschten über Gott und die Welt. Darüber hinaus überlegten wir uns, ob wir nicht schon früher zur Party gehen sollten. Der Lärm der Musik und der Gäste in der Wohnung über uns war kaum zu überhören.
Heinrich hatte sich für den Abend viel vorgenommen und wollte lieber früher hoch gehen als zu spät.
„Auf der Party sind bestimmt viele Erstsemester-Studentinnen“, überlegte er. „Vielleicht kann ich da ja eine kleine Psychologin abschleppen!“
„Willst Du dann nicht lieber alleine hoch gehen?“, fragte ich. „Alleine hast Du vielleicht bessere Chancen, als wenn Manuela und ich dabei sind.“
„Hm, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Das ist aber keine schlechte Idee. Ich gehe dann wohl besser mal, ich hoffe Du nimmst mir das nicht übel.“
Mit diesen Worten stand Heinrich auf und verließ kurz darauf die Wohnung. Manuela und ich folgten ihm eine knappe halbe Stunde später nach.
In der Nachbar-WG tummelten sich viele junge Studenten und Studentinnen und ein großer Teil davon war schon recht angeheitert. Bier, Wein und stärkerer Alkohol waren bei solchen Gelegenheiten meist im Überfluss vorhanden.
In der Küche – beim Wassertrog – herrschte wie immer bei Partys ein großes Gedränge und ich brauchte einige Minuten, bis ich zwei Plastikbecher mit Rotwein für Manuela und mich organisiert hatte.
Danach mischten wir uns unter das Volk. Gut zwei Stunden und einige Becher Wein später beschlossen Manuela und ich, dass es Zeit zum Schlafengehen war und wir wieder in unsere WG runter gehen wollten. Manuela wollte bei der Wohnungstür warten, während ich nach Heinrich suchen ging. Wenig später entdeckte ich ihn in einem der Zimmer beim Gespräch mit einem Mitbewohner aus der Party-WG.
„Hey Heinrich, Manuela und ich haben genug und gehen wieder runter zu uns. Kommst Du mit?“
„Nö ich bleibe noch etwas hier“, antwortete er. „Geht mal ruhig. Ich kenn ja den Weg.“
„Dann noch viel Glück beim Abschleppen einer kleinen Psychologin“, wünschte ich ihm.
Heinrich guckte mich entgeistert an, ebenso wie drei Studentinnen, die neben ihm standen und sich bis vor einem Moment noch angeregt miteinander unterhalten hatten – der Alkohol hatte wohl meine Zunge gelöst.
„Du gehst wohl besser wieder zurück in die Wohnung. Du bist ja betrunken und weißt nicht was Du redest“, versuchte Heinrich die Situation zu retten.
Seinem Blick nach zu urteilen glaubte er aber auch nicht mehr daran, dass er nach diesem Spruch von mir heute Abend noch ein Erfolgserlebnis haben würde.
Freitag, 29. August 2008
Dienstag, 19. August 2008
Pascha Sebastian gibt sich die Ehre
Sebastian ein Doktorand am Lehrstuhl für Mathematik war nach Heinrichs Auszug in meine Innenstadt-WG gezogen. Er hatte an der Humboldt Universität in Berlin studiert und die ganze Zeit über seine Füße unter den Tisch seiner Eltern gesteckt.
Dementsprechend unbedarft war er in Haushaltsdingen. Mit anderen Worten: Ihn zum Putzen zu bekommen war schwieriger Pete Doherty vom Drogenentzug zu überzeugen. Und wenn Sebastian mal putzte, dann war er ähnlich effektiv wie Pete bei seinen zahllosen Entzugsversuchen.
Beim Vorstellungsgespräch hätten wir Sebastian wohl besser mal Probeputzen lassen, dann hätte er überhaupt nicht bei uns einziehen dürfen. Andererseits hatte er sich bereit erklärt, das größte und teuerste Zimmer in unserer Wohnung zu mieten und angesichts der hohen Miete hatten wir jedes Mal Probleme, dieses Zimmer an den Mann oder die Frau zu bringen.
Eigentlich hätten wir also froh sein müssen, dass Sebastian bei uns eingezogen war. Nur brachte er durch sein absolutes Desinteresse sich in der WG einzubringen unseren Putzplan und vor allem den Putzwillen der anderen Mitbewohner völlig durcheinander. Kaum hatten die anderen Mitbewohner gemerkt, dass Sebastian keinen Finger krumm macht, ließen auch sie die Zügel schleifen oder gaben gleich öffentlich bekannt, dass sie auch nichts machen würden, wenn Sebastian weiterhin nicht putzt.
So mussten wir eine WG-Sitzung einberufen, um Sebastian etwas ins Gewissen zu reden. Er zeigte sich auch verständnisvoll und versprach sich zu bessern – aber wenn jemand ein deutlich lascheres Verständnis von Ordentlichkeit besitzt als der Durchschnittsmitbewohner, helfen auch alle mahnenden Worte und gut gemeinten Beteuerungen nichts. Die Wohnung blieb dreckig und der Haussegen hing schief.
Richtig abstrus wurde es jedoch erst an dem Wochenende als Sebastians Freundin Nadja zu Besuch kam. Sie hatte sich lange Zeit geziemt mal nach Konstanz zu Besuch zu kommen, so dass Sebastian oft über das Wochenende nach Berlin flog, um sie zu sehen. Sebastian meinte mal, dass Nadja WGs generell nicht mag und ihn deswegen nicht in Konstanz besuchen käme.
Schließlich hatte Sebastian seine Freundin doch überreden können, mal nach Konstanz zu kommen, da er Karten für ein Konzert in St. Gallen in der Schweiz hatten und sie danach nicht wieder nach Berlin zurück fliegen konnte. Also musste sie ihr Gesicht wohl oder übel mal in unserer WG zeigen – bzw. nicht zeigen. Denn sie uns Sebastian verkrochen sich praktisch die ganze Zeit über in Sebastians Zimmer und Nadja wurde nur mal kurz auf dem Weg zur Dusche gesichtet.
Als Iris und ich am Montagabend in der Küche saßen und ein wenig quatschen kam Sebastian rein marschiert und stellte sein schmutziges Geschirr in die Spüle.
„Na, ist Deine Freundin schon wieder weg?“, fragte ich Sebastian.
„Ja. Sie ist heute Morgen von Zürich aus wieder nach Berlin geflogen.“
„Du hast sie uns gar nicht mal vorgestellt“, sagte ich etwas enttäuscht.
„Sie ist nicht so der WG-Typ“, druckste Sebastian rum. „Ihr hat es hier nicht so gut gefallen, weil es hier so dreckig ist.“
„Könnt ihr hier nicht mal ein wenig aufräumen?“, fragte er.
Iris war die Erste, die ihre Sprache wieder fand: „Wie bitte? Was hast Du da gerade gesagt?“
Dann erwachte auch ich wieder aus der Starre. „Dir geht es wohl zu gut?“, fuhr ich ihn an. „Was heißt denn hier ‚könnt ihr mal aufräumen?’ Wenn Du Wildsau mal Deinen Dreck hinter Dir weg machen würdest, dann sähe es hier deutlich sauberer aus. Wir haben Dich oft genug ermahnt, Deine Putzverpflichtung zu erfüllen, aber Du verzogenes Muttersöhnchen machst ja keinen Finger krumm! Ich hoffe, Du hast Deiner Freundin gesagt, wer die Ursache für den Saustall in dieser Wohnung ist. Sollte sie jemals mit dem Gedanken spielen, Deine Kinder in die Welt zu setzen, sollte sie besser wissen, auf was sie sich mit Dir einlässt.“
Sebastian war fast sprachlos vor lauter Überraschung über meinen lauten Ausbruch. Er fragte lediglich: „Darf ich jetzt gehen?“
„Ja!“, blaffte ich ihn an. „Und morgen früh putzt Du die Küche. Wenn ich von der Uni zurück komme ist es hier Blitzblank sauber! Ist das klar?“
Sebastian nickte wortlos und verließ die Küche. Iris und ich diskutierten noch eine Weile lang über unseren problematischen Mitbewohner ohne auf eine Patentlösung zu kommen.
Am nächsten Abend war die Küche immer noch schmutzig.
Dementsprechend unbedarft war er in Haushaltsdingen. Mit anderen Worten: Ihn zum Putzen zu bekommen war schwieriger Pete Doherty vom Drogenentzug zu überzeugen. Und wenn Sebastian mal putzte, dann war er ähnlich effektiv wie Pete bei seinen zahllosen Entzugsversuchen.
Beim Vorstellungsgespräch hätten wir Sebastian wohl besser mal Probeputzen lassen, dann hätte er überhaupt nicht bei uns einziehen dürfen. Andererseits hatte er sich bereit erklärt, das größte und teuerste Zimmer in unserer Wohnung zu mieten und angesichts der hohen Miete hatten wir jedes Mal Probleme, dieses Zimmer an den Mann oder die Frau zu bringen.
Eigentlich hätten wir also froh sein müssen, dass Sebastian bei uns eingezogen war. Nur brachte er durch sein absolutes Desinteresse sich in der WG einzubringen unseren Putzplan und vor allem den Putzwillen der anderen Mitbewohner völlig durcheinander. Kaum hatten die anderen Mitbewohner gemerkt, dass Sebastian keinen Finger krumm macht, ließen auch sie die Zügel schleifen oder gaben gleich öffentlich bekannt, dass sie auch nichts machen würden, wenn Sebastian weiterhin nicht putzt.
So mussten wir eine WG-Sitzung einberufen, um Sebastian etwas ins Gewissen zu reden. Er zeigte sich auch verständnisvoll und versprach sich zu bessern – aber wenn jemand ein deutlich lascheres Verständnis von Ordentlichkeit besitzt als der Durchschnittsmitbewohner, helfen auch alle mahnenden Worte und gut gemeinten Beteuerungen nichts. Die Wohnung blieb dreckig und der Haussegen hing schief.
Richtig abstrus wurde es jedoch erst an dem Wochenende als Sebastians Freundin Nadja zu Besuch kam. Sie hatte sich lange Zeit geziemt mal nach Konstanz zu Besuch zu kommen, so dass Sebastian oft über das Wochenende nach Berlin flog, um sie zu sehen. Sebastian meinte mal, dass Nadja WGs generell nicht mag und ihn deswegen nicht in Konstanz besuchen käme.
Schließlich hatte Sebastian seine Freundin doch überreden können, mal nach Konstanz zu kommen, da er Karten für ein Konzert in St. Gallen in der Schweiz hatten und sie danach nicht wieder nach Berlin zurück fliegen konnte. Also musste sie ihr Gesicht wohl oder übel mal in unserer WG zeigen – bzw. nicht zeigen. Denn sie uns Sebastian verkrochen sich praktisch die ganze Zeit über in Sebastians Zimmer und Nadja wurde nur mal kurz auf dem Weg zur Dusche gesichtet.
Als Iris und ich am Montagabend in der Küche saßen und ein wenig quatschen kam Sebastian rein marschiert und stellte sein schmutziges Geschirr in die Spüle.
„Na, ist Deine Freundin schon wieder weg?“, fragte ich Sebastian.
„Ja. Sie ist heute Morgen von Zürich aus wieder nach Berlin geflogen.“
„Du hast sie uns gar nicht mal vorgestellt“, sagte ich etwas enttäuscht.
„Sie ist nicht so der WG-Typ“, druckste Sebastian rum. „Ihr hat es hier nicht so gut gefallen, weil es hier so dreckig ist.“
„Könnt ihr hier nicht mal ein wenig aufräumen?“, fragte er.
Iris war die Erste, die ihre Sprache wieder fand: „Wie bitte? Was hast Du da gerade gesagt?“
Dann erwachte auch ich wieder aus der Starre. „Dir geht es wohl zu gut?“, fuhr ich ihn an. „Was heißt denn hier ‚könnt ihr mal aufräumen?’ Wenn Du Wildsau mal Deinen Dreck hinter Dir weg machen würdest, dann sähe es hier deutlich sauberer aus. Wir haben Dich oft genug ermahnt, Deine Putzverpflichtung zu erfüllen, aber Du verzogenes Muttersöhnchen machst ja keinen Finger krumm! Ich hoffe, Du hast Deiner Freundin gesagt, wer die Ursache für den Saustall in dieser Wohnung ist. Sollte sie jemals mit dem Gedanken spielen, Deine Kinder in die Welt zu setzen, sollte sie besser wissen, auf was sie sich mit Dir einlässt.“
Sebastian war fast sprachlos vor lauter Überraschung über meinen lauten Ausbruch. Er fragte lediglich: „Darf ich jetzt gehen?“
„Ja!“, blaffte ich ihn an. „Und morgen früh putzt Du die Küche. Wenn ich von der Uni zurück komme ist es hier Blitzblank sauber! Ist das klar?“
Sebastian nickte wortlos und verließ die Küche. Iris und ich diskutierten noch eine Weile lang über unseren problematischen Mitbewohner ohne auf eine Patentlösung zu kommen.
Am nächsten Abend war die Küche immer noch schmutzig.
Mittwoch, 13. August 2008
Grüße aus dem Jenseits
Meine Ex-Mitbewohnerin Diana ließ selbst nach ihrem Auszug meine Mitbewohner und mich nicht so schnell in Frieden.
Da Diana das größte Zimmer in der Wohnung bewohnt hatte und ich das kleinste, zog ich in Dianas altes Zimmer nach. Das war schon das zweite Mal, dass ich in Dianas altes Zimmer zog – bei meinem Einzug in die Wohnung hatte ich Dianas Zimmer übernommen – und wie sich bald heraus stellte, war es auch das zweite Mal, dass Diana mir einen kaputten Telefonanschluss hinterließ. Das war wohl kaum Zufall.
Beim ersten Mal hatte ein Telekom-Techniker den Anschluss noch kostenlos repariert, doch dieses Mal musste ich 50 Euro bezahlen, um mein Telefon wieder angeschlossen zu bekommen.
Darüber hinaus hatte Diana sich bei ihrem Auszug hatte beklagt, dass die Rückwand ihres Schranks verschwunden wäre und sie hatte Arno oder mich unter Verdacht. Welchen Nutzen wir an ihrer Schrankrückwand haben sollten, konnte sie uns nicht erläutern, doch sie ließ sich nicht von der Behauptung abbringen, dass einer von uns ihre Rückwand genommen haben solle.
Da ihre Auszugshelfer jedoch schon dabei waren, ihre Sachen in einen Kleinlaster zu verladen, hatte Diana keine Zeit, um sich mit Arno und mir wegen der verschwundenen Rückwand zu streiten. Wir versprachen ihr, dass wir uns melden würden, falls sie wieder auftauchte – und dann war Diana auch schon weg.
Die Rückwand tauchte wie erwartet nicht mehr auf. Wir gaben uns aber auch keine Mühe danach zu suchen.
Als Arno einige Monate später ebenfalls auszog, stellt er fest, dass die Rückwand seiner Kommode fehlte und ich merkte bei meinem Auszug, dass mein Nachtkästchen keine Rückwand mehr hatte. Offenbar gab es einen Rückwände-Dieb in der Wohnung oder Diana hatte sich doch noch an uns gerächt, bevor sie aus unserer Wohnung und unserem Leben verschwand.
Das war aber noch nicht alles. Eine andere Sache fiel mir zuerst auch nicht auf, da meine Mitbewohner oft Küchenutensilien in ihren Zimmern bunkerten. Nach einigen Tagen merkte ich dann aber doch, dass mein Topf, mein Brotmesser, ein paar Untersetzer und einiges vom Besteck fehlte.
Ein Anruf bei Dianas neuer Telefonnummer erbrachte schnell des Rätsels Lösung:
„Das waren Deine Sachen? Ich dachte das wäre Alt-WG Besitz“, tönte die verabscheute Stimme aus dem Hörer.
„Und selbst wenn es Alt-WG Besitz gewesen wäre, dann hättest Du noch lange kein Recht, es mitzunehmen“, erklärte ich Diana. „Die WG besteht auch nach Deinem Auszug noch weiter und Du kannst nicht einfach mitnehmen was Dir gefällt!“
„Ich bin die letzte Mitbewohnerin der alten WG gewesen und daher gehört alles mir.“
„Weißt Du was: wir haben Dir Deine Kaution noch nicht wieder überwiesen. Du bekommst sie erst wieder, wenn Du mir mein Eigentum wieder zurück geschickt hast. Tschüß!“
Nach diesem Gespräch passierte wochenlang jedoch nichts. Ich bekam kein Paket und auch sonst keine Nachricht unserer Ex-Mitbewohnerin. Also zog ich eines schönen Tages los, hob Dianas Kaution vom WG-Konto ab und kaufte mir einen neuen Topf, ein gutes Brotmesser mit einem Olivenholz-Griff, ein paar Schneidbrettchen und etwas Besteck. Danach waren noch knapp 50 Euro von Dianas Kaution übrig. Diese verrechnete ich mit den Kosten für den Telekom-Techniker, der mir den Telefonanschluss im Zimmer repariert hatte. Ich schenkte Diana dann sogar noch ein paar Euro – meine Großzügigkeit an diesem Tag war mal wieder grenzenlos!
Gut eine Woche später erhielt ich ein Päckchen von Diana. Darin waren mein Topf, mein altes Brotmesser und das fehlende Besteck. Diana hatte sich tatsächlich mal an ihr Wort gehalten.
Anstelle ihrer Kaution bekam sie von mir nur einen Brief zugeschickt, in dem ich ihr erklärte, dass ich das Geld für neue Küchenutensilien ausgegeben habe, da sie mir meine Sachen viel zu spät zurück geschickt hatte und sie nicht damit zu rechnen braucht, noch etwas zurück zu bekommen.
Das Schreiben und Verschicken dieses Briefs bereitete mir eine hämische Freude. Auch wenn es nach all dem Ärger und all den Streits, die ich mit Diana hatte nur ein Tropfen auf den heißen Stein war, so war dieser Brief doch das erste und einzige Mal, dass ich Diana eines auswischen konnte, und sie sich nicht wieder herausreden konnte oder ihren Hals aus der Schlinge ziehen konnte, sondern einfach erdulden musste, was über sie herein brach.
Von Diana erhielt ich nie eine Antwort auf diesen Brief und auch sonst meldete sie sich nicht mehr bei meinen Mitbewohnern und mir. Als ich einige Wochen später mal mit meiner Ex-Mitbewohnerin Sigrid telefonierte, begrüßte ich sie mit: „Hallo Sigrid, weißt Du was? Der Drachen ist weg!“
„Echt?“, antwortete sie, denn sie hatte natürlich sofort verstanden, um wen es ging. „Da habt ihr bestimmt eine fette Party gefeiert, oder?“
„Darauf kannst Du Gift nehmen!“
Inzwischen ist die Zeit mit Diana in der Wohnung schon einige Jahre her und ich sollte sie eigentlich schon lange vergessen haben, aber so jemanden wie Diana vergisst man leider nicht so leicht. Sie war die schlimmste Mitbewohnerin, die ich je hatte und nur mein Ex-Mitbewohner Gerhard kann ihr zumindest im Ansatz das Wasser reichen, auch wenn er aus ganz anderen Gründen ein anstrengender Mitbewohner war als sie. Gerhard war psychisch krank, Diana einfach nur boshaft.
Vor ein paar Jahren entdeckte ich, dass Diana sich selbstständig gemacht hatte und für ihren ein-Frau Betrieb eine Webseite erstellt hatte. Ab und zu klicke ich mal drauf und amüsiere mich über die stümperhaft gemachte Seite und die Aufstellung ihrer erfolgreichen Projekte, welche kürzer ist als die Liste von vegetarischen Gerichten im Burger King.
Hoffentlich geht’s ihr so dreckig, wie die Webseite vermuten lässt - ich würde es ihr von ganzem Herzen gönnen.
Da Diana das größte Zimmer in der Wohnung bewohnt hatte und ich das kleinste, zog ich in Dianas altes Zimmer nach. Das war schon das zweite Mal, dass ich in Dianas altes Zimmer zog – bei meinem Einzug in die Wohnung hatte ich Dianas Zimmer übernommen – und wie sich bald heraus stellte, war es auch das zweite Mal, dass Diana mir einen kaputten Telefonanschluss hinterließ. Das war wohl kaum Zufall.
Beim ersten Mal hatte ein Telekom-Techniker den Anschluss noch kostenlos repariert, doch dieses Mal musste ich 50 Euro bezahlen, um mein Telefon wieder angeschlossen zu bekommen.
Darüber hinaus hatte Diana sich bei ihrem Auszug hatte beklagt, dass die Rückwand ihres Schranks verschwunden wäre und sie hatte Arno oder mich unter Verdacht. Welchen Nutzen wir an ihrer Schrankrückwand haben sollten, konnte sie uns nicht erläutern, doch sie ließ sich nicht von der Behauptung abbringen, dass einer von uns ihre Rückwand genommen haben solle.
Da ihre Auszugshelfer jedoch schon dabei waren, ihre Sachen in einen Kleinlaster zu verladen, hatte Diana keine Zeit, um sich mit Arno und mir wegen der verschwundenen Rückwand zu streiten. Wir versprachen ihr, dass wir uns melden würden, falls sie wieder auftauchte – und dann war Diana auch schon weg.
Die Rückwand tauchte wie erwartet nicht mehr auf. Wir gaben uns aber auch keine Mühe danach zu suchen.
Als Arno einige Monate später ebenfalls auszog, stellt er fest, dass die Rückwand seiner Kommode fehlte und ich merkte bei meinem Auszug, dass mein Nachtkästchen keine Rückwand mehr hatte. Offenbar gab es einen Rückwände-Dieb in der Wohnung oder Diana hatte sich doch noch an uns gerächt, bevor sie aus unserer Wohnung und unserem Leben verschwand.
Das war aber noch nicht alles. Eine andere Sache fiel mir zuerst auch nicht auf, da meine Mitbewohner oft Küchenutensilien in ihren Zimmern bunkerten. Nach einigen Tagen merkte ich dann aber doch, dass mein Topf, mein Brotmesser, ein paar Untersetzer und einiges vom Besteck fehlte.
Ein Anruf bei Dianas neuer Telefonnummer erbrachte schnell des Rätsels Lösung:
„Das waren Deine Sachen? Ich dachte das wäre Alt-WG Besitz“, tönte die verabscheute Stimme aus dem Hörer.
„Und selbst wenn es Alt-WG Besitz gewesen wäre, dann hättest Du noch lange kein Recht, es mitzunehmen“, erklärte ich Diana. „Die WG besteht auch nach Deinem Auszug noch weiter und Du kannst nicht einfach mitnehmen was Dir gefällt!“
„Ich bin die letzte Mitbewohnerin der alten WG gewesen und daher gehört alles mir.“
„Weißt Du was: wir haben Dir Deine Kaution noch nicht wieder überwiesen. Du bekommst sie erst wieder, wenn Du mir mein Eigentum wieder zurück geschickt hast. Tschüß!“
Nach diesem Gespräch passierte wochenlang jedoch nichts. Ich bekam kein Paket und auch sonst keine Nachricht unserer Ex-Mitbewohnerin. Also zog ich eines schönen Tages los, hob Dianas Kaution vom WG-Konto ab und kaufte mir einen neuen Topf, ein gutes Brotmesser mit einem Olivenholz-Griff, ein paar Schneidbrettchen und etwas Besteck. Danach waren noch knapp 50 Euro von Dianas Kaution übrig. Diese verrechnete ich mit den Kosten für den Telekom-Techniker, der mir den Telefonanschluss im Zimmer repariert hatte. Ich schenkte Diana dann sogar noch ein paar Euro – meine Großzügigkeit an diesem Tag war mal wieder grenzenlos!
Gut eine Woche später erhielt ich ein Päckchen von Diana. Darin waren mein Topf, mein altes Brotmesser und das fehlende Besteck. Diana hatte sich tatsächlich mal an ihr Wort gehalten.
Anstelle ihrer Kaution bekam sie von mir nur einen Brief zugeschickt, in dem ich ihr erklärte, dass ich das Geld für neue Küchenutensilien ausgegeben habe, da sie mir meine Sachen viel zu spät zurück geschickt hatte und sie nicht damit zu rechnen braucht, noch etwas zurück zu bekommen.
Das Schreiben und Verschicken dieses Briefs bereitete mir eine hämische Freude. Auch wenn es nach all dem Ärger und all den Streits, die ich mit Diana hatte nur ein Tropfen auf den heißen Stein war, so war dieser Brief doch das erste und einzige Mal, dass ich Diana eines auswischen konnte, und sie sich nicht wieder herausreden konnte oder ihren Hals aus der Schlinge ziehen konnte, sondern einfach erdulden musste, was über sie herein brach.
Von Diana erhielt ich nie eine Antwort auf diesen Brief und auch sonst meldete sie sich nicht mehr bei meinen Mitbewohnern und mir. Als ich einige Wochen später mal mit meiner Ex-Mitbewohnerin Sigrid telefonierte, begrüßte ich sie mit: „Hallo Sigrid, weißt Du was? Der Drachen ist weg!“
„Echt?“, antwortete sie, denn sie hatte natürlich sofort verstanden, um wen es ging. „Da habt ihr bestimmt eine fette Party gefeiert, oder?“
„Darauf kannst Du Gift nehmen!“
Inzwischen ist die Zeit mit Diana in der Wohnung schon einige Jahre her und ich sollte sie eigentlich schon lange vergessen haben, aber so jemanden wie Diana vergisst man leider nicht so leicht. Sie war die schlimmste Mitbewohnerin, die ich je hatte und nur mein Ex-Mitbewohner Gerhard kann ihr zumindest im Ansatz das Wasser reichen, auch wenn er aus ganz anderen Gründen ein anstrengender Mitbewohner war als sie. Gerhard war psychisch krank, Diana einfach nur boshaft.
Vor ein paar Jahren entdeckte ich, dass Diana sich selbstständig gemacht hatte und für ihren ein-Frau Betrieb eine Webseite erstellt hatte. Ab und zu klicke ich mal drauf und amüsiere mich über die stümperhaft gemachte Seite und die Aufstellung ihrer erfolgreichen Projekte, welche kürzer ist als die Liste von vegetarischen Gerichten im Burger King.
Hoffentlich geht’s ihr so dreckig, wie die Webseite vermuten lässt - ich würde es ihr von ganzem Herzen gönnen.
Mittwoch, 6. August 2008
Hör mal wer da hämmert
Hermann von Hohenhaus, der Vermieter meiner Altbau-WG war ständig knapp bei Kasse, da er sich ausschließlich über seine Mieteinnahmen finanzierte und aufgrund der Erbschaftssteuer, die er noch auf das Haus zahlen musste, hoch verschuldet war.
Daher erledigte er alle handwerklichen Tätigkeiten im Haus selbst anstatt einen gelernten Handwerker zu engagieren, der die Arbeiten etwas schneller und vor allem professioneller erledigen könnte als Herr vom Hohenhaus. Dieser war nämlich absolut unbegabt im Umgang mit jeglicher Art von Werkzeug, hielt sich aber trotzdem für einen guten Heimwerker und meinte, er müsse alles selbst machen.
Da Herr vom Hohenhaus zu allem Überfluss auch beim Einkauf im Baumarkt extrem kostenbewusst vorging, sah es im Haus aus wie bei der Addams Family.
So waren zum Beispiel in unserer Wohnung mal die weißen Fliesen im Flur kaputt und wir baten Herrn von Hohenhaus wider besseren Wissen, die Fliesen doch mal zu reparieren.
Zunächst passierte wochenlang gar nichts. Dann stand Herr von Hohenhaus auf einmal abends bei mir vor der Zimmertür und wollte mit mir reden.
„Ich werde morgen früh zum Recyclinghof fahren, um nach Fliesen für ihren Flur zu schauen“, meinte er.
„Ich habe im Keller noch ein paar schöne braune Fliesen. Es sind jedoch nicht genug und ich will schauen, ob ich mal noch ein paar passende Fliesen finde.“
Mal abgesehen davon, dass ich Fliesen eher im Baumarkt oder beim Baustoffhof kaufen würde als beim Recyclinghof, fand ich die Idee dunkle Fliesen in einen fensterlosen Flur zu legen alles andere als prickelnd.
„Herr von Hohenaus, Sie wollen uns doch nicht ernsthaft braune Fliesen in den Flur legen? Der ist doch so schon dunkel genug. Wenn Sie uns auch noch solche Brauhaus-Fliesen auf den Boden legen, können wir gleich den ganzen Tag lang mit der Taschenlampe durch die Wohnung laufen.“
„Das war ja nur eine Idee.“, meinte der Vermieter und wich dabei ein paar Schritte zurück. „Dabei sind das wirklich sehr schöne Fliesen.“
„Dann behalten Sie die Fliesen doch für ihren Eigenbedarf und kaufen für uns ein paar schöne weiße oder hellgraue“, schlug ich vor.
„Nun gut, wenn Sie diese schönen Fliesen nicht wollen“, erwiderte Herr von Hohenhaus kopfschüttelnd.
„Dann schaue ich eben mal morgen, was es sonst noch so beim Recyclinghof gibt. Schönen Abend noch.“
So kam es, dass wir einige Wochen später im Flur zwei verschiedene Arten von Fliesen liegen hatten. Circa 70% des Flurs waren mit kleinen, hellgrauen Fliesen bedeckt, während der Boden vor der Eingangstür mit deutlich größeren, dafür aber flacheren und leicht weiß-grau gemusterten Fliesen ausgelegt war.
Als ich ihn mal darauf ansprach, meinte Herr von Hohenhaus nur labidar: „Im Recyclinghof gab es nicht mehr genug Fliesen von derselben Sorte. Aber die Fliesen, die ich ihnen in den Flur gelegt habe sind doch auch schön, oder?“
Daher erledigte er alle handwerklichen Tätigkeiten im Haus selbst anstatt einen gelernten Handwerker zu engagieren, der die Arbeiten etwas schneller und vor allem professioneller erledigen könnte als Herr vom Hohenhaus. Dieser war nämlich absolut unbegabt im Umgang mit jeglicher Art von Werkzeug, hielt sich aber trotzdem für einen guten Heimwerker und meinte, er müsse alles selbst machen.
Da Herr vom Hohenhaus zu allem Überfluss auch beim Einkauf im Baumarkt extrem kostenbewusst vorging, sah es im Haus aus wie bei der Addams Family.
So waren zum Beispiel in unserer Wohnung mal die weißen Fliesen im Flur kaputt und wir baten Herrn von Hohenhaus wider besseren Wissen, die Fliesen doch mal zu reparieren.
Zunächst passierte wochenlang gar nichts. Dann stand Herr von Hohenhaus auf einmal abends bei mir vor der Zimmertür und wollte mit mir reden.
„Ich werde morgen früh zum Recyclinghof fahren, um nach Fliesen für ihren Flur zu schauen“, meinte er.
„Ich habe im Keller noch ein paar schöne braune Fliesen. Es sind jedoch nicht genug und ich will schauen, ob ich mal noch ein paar passende Fliesen finde.“
Mal abgesehen davon, dass ich Fliesen eher im Baumarkt oder beim Baustoffhof kaufen würde als beim Recyclinghof, fand ich die Idee dunkle Fliesen in einen fensterlosen Flur zu legen alles andere als prickelnd.
„Herr von Hohenaus, Sie wollen uns doch nicht ernsthaft braune Fliesen in den Flur legen? Der ist doch so schon dunkel genug. Wenn Sie uns auch noch solche Brauhaus-Fliesen auf den Boden legen, können wir gleich den ganzen Tag lang mit der Taschenlampe durch die Wohnung laufen.“
„Das war ja nur eine Idee.“, meinte der Vermieter und wich dabei ein paar Schritte zurück. „Dabei sind das wirklich sehr schöne Fliesen.“
„Dann behalten Sie die Fliesen doch für ihren Eigenbedarf und kaufen für uns ein paar schöne weiße oder hellgraue“, schlug ich vor.
„Nun gut, wenn Sie diese schönen Fliesen nicht wollen“, erwiderte Herr von Hohenhaus kopfschüttelnd.
„Dann schaue ich eben mal morgen, was es sonst noch so beim Recyclinghof gibt. Schönen Abend noch.“
So kam es, dass wir einige Wochen später im Flur zwei verschiedene Arten von Fliesen liegen hatten. Circa 70% des Flurs waren mit kleinen, hellgrauen Fliesen bedeckt, während der Boden vor der Eingangstür mit deutlich größeren, dafür aber flacheren und leicht weiß-grau gemusterten Fliesen ausgelegt war.
Als ich ihn mal darauf ansprach, meinte Herr von Hohenhaus nur labidar: „Im Recyclinghof gab es nicht mehr genug Fliesen von derselben Sorte. Aber die Fliesen, die ich ihnen in den Flur gelegt habe sind doch auch schön, oder?“
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