Montag, 29. September 2008
Dienstag, 23. September 2008
Wenn der Handwerker keinmal klingelt
Meine Innenstadt-WG hatten wir von einer Vermietungsgesellschaft in Konstanz gemietet, die das Gebäude für den Besitzer, einen Doktor auf Hannover, verwaltete. Herr Krause, unser Ansprechpartner bei der Verwaltungsgesellschaft, war irgendwie ein unangenehmer Typ.
Wenn Heinrich und ich, die Hauptmieter der Wohnung, mal wegen irgendwelcher Vertragsfragen oder Abrechnungen bei ihm vorbei kamen, benahm er sich immer kumpelhaft, fast so als ob man Pferde mit ihm stehlen könnte. Auf der anderen Seite kümmerte er sich kaum um unsere Belange und hielt es auch nicht für nötig uns rechtzeitig über Sachen zu informieren, die uns oder unsere Wohnung betrafen.
So sollten zum Beispiel einmal die Fall-Leitungen im Haus gereinigt werden und dazu musste ein Klempner in die Wohnung kommen und irgendwas in unserem Bad und in der Toilette machen.
Nur wurden wir nicht darüber informiert und Herr Krause hatte dem Handwerker einfach den Generalschlüssel für das komplette Haus gegeben. Ich war nicht schlecht überrascht, als bei uns morgens um 7:30 Uhr auf einmal die Wohnungstür von außen aufgeschlossen wurde und mehrere Leute laut redend die Wohnung betraten. Ich lag noch im Bett und rang mit meinem inneren Schweinehund, der mich zum Aufstehen bringen wollte.
Doch die Stimmen im Flur überzeugten mich davon, zügig aufzustehen, um nachzusehen, was bei uns im Hausflur passierte. Ich zog schnell einen Morgenmantel über und ging in den Flur hinaus. Dort traf ich einen Klempner und seinen Assistenten an.
„Oh, da ist ja doch jemand in der Wohnung“, sagte der Handwerker.
„Guten Morgen erstmal“, antwortete ich. „Aber was haben Sie anderes erwartet, wenn Sie um diese Zeit am morgen eine Studentenwohnung betreten?“
„Wer sind Sie denn und wo haben Sie überhaupt den Schlüssel her?“
„Ich bin hier um die Fall-Leitungen säubern. Den Schlüssel habe ich von Herrn Krause.“
„Es wäre nett gewesen, wenn Herr Krause uns über ihr Kommen informiert hätte.“
„Das ist nicht mein Problem“, erwiderte der inzwischen leicht genervte Klempner. „Wo ist ihr Badezimmer?“
Ich wies ihm den Weg zum Bad.
„Können Sie bereits abschätzen, wie lange Sie brauchen werden?“
„Eine halbe Stunde.“
Dann verschwand er, seinen Assistenten im Schlepp, im Badezimmer.
Nachdem die Handwerker wieder gegangen waren, rief ich beim Hausverwalter an und beklagte mich, dass er uns nicht über den Termin vom Klempner informiert hatte.
„Oh, das muss ich wohl vergessen haben“, war seine labidare Antwort.
Ein anderes Mal klingelte es morgens an der Haustür. Heinrich ging als erster an die Gegensprechanlage: „Ja bitte?“
„Firma Maier, Gebäudesanierung. Wir müssen in ihrem Keller eine Wand einziehen.“
Heinrich war so überrascht, dass er ohne nachzufragen den Türöffner drückte. Fünf Minuten später standen drei Männer in schmutziger Arbeitskleidung vor der Tür.
„Der Keller ist ja noch gar nicht ausgeräumt“, meinte einer der drei. „Wir müssen an die Seitenwand ran. Bitte räumen Sie diese komplett frei, sonst können wir die nicht verputzen.“
„Wir wurden nicht informiert, dass wir den Keller frei räumen sollten“, sagte Heinrich. „Das hätten Sie mal vorher ankündigen sollen, meine Mitbewohner und ich waren nicht darüber informiert!“
„Das ist nicht unser Problem“, sagte der Handwerker. „Herr Krause hat gesagt, dass Sie informiert seien. Jetzt stehen wir hier und der Keller ist voll gestellt und wir können nicht arbeiten. Was sollen wir jetzt machen?“
„Nun ja gut, dann räumen wir eben gemeinsam den Keller frei“, meinte Heinrich. „Aber beim nächsten Mal würden wir das gerne etwas früher wissen.“
Heinrich und die drei Handwerker brauchten gut eine halbe Stunde, um die Kellerwand frei zu räumen. Zwei Wochen später standen Manuela, Heinrich und ich gut zwei Stunden im Keller, um den Dreck, den die Maurer im Keller hinterlassen hatten, weg zu putzen und unseren Keller wieder aufzuräumen.
Am Tag danach rief ich mal wieder bei Herrn Krause an, um mich zu beschweren, dass er uns wieder Handwerker ohne eine vorherige Information ins Haus geschickt hatte.
„Hatte ich Sie nicht informiert?“, tat Herr Krause überrascht am Telefon. „Ich hatte Ihnen doch vor zwei Wochen einen Brief geschickt. Vielleicht hat ihn einer Ihrer Mitbewohner weg geworfen?“
„Das glaube ich nicht. Normalerweise landen alle offiziellen Schreiben am Kühlschrank“, sagte ich. „Beim nächsten Mal lassen wir die Handwerker gar nicht erst ins Haus, wenn Sie uns nicht vorher informieren“.
„Dann tragen Sie aber die Rechnung für einen neuen Termin“, konterte der Verwalter. Ich sage ja, seine Freundlichkeit war nur vordergründig...
Ob die Handwerker überhaupt eine offizielle Rechnung stellten, bezweifelte ich sowieso. Die Zeiten zu denen die Handwerker manchmal auftauchten waren sehr verdächtig.
Im Spätsommer hatte Herr Krause uns tatsächlich mal einen Brief geschickt, um uns darüber zu informieren, dass der Innenhof renoviert werden solle und ein Gebäude für die Mülltonnen und gelben Säcke gebaut werden solle. Die Arbeiten würden in zwei Wochen beginnen.
Zwei Wochen später stand im Innenhof tatsächlich ein Baugerüst. Wann die Handwerker da waren oder wie lange sie gearbeitet haben, hatte ich nicht mitbekommen, da ich an der Uni war. Immerhin war es aber mal ein gutes Zeichen, dass die Maurer sich an den Termin gehalten hatten.
Ich musste mich jeden Morgen und jeden Abend mit meinem Fahrrad an dem Gerüst vorbei quetschen, und nach gut drei Wochen fragte ich mich, wie lange das Gerüst wohl noch stehen bleiben würde.
Seitdem das Gerüst aufgebaut worden war, hatte sich jedoch nichts groß im Innenhof verändert. Weder hatten die Renovierungsarbeiten an der Fassade begonnen noch war irgendein Anzeichen vom neuen Gebäude zu sehen. Man könnte fast meinen, dass die Maurer vergessen hatten, dass sie hier ein Gerüst hingestellt hatten.
Doch dann begann sich so nach und nach was zu tun. Meist Abends oder am Freitag Nachmittag ab 15 Uhr tauchten vereinzelt Handwerker auf, die für ein paar Stunden arbeiteten und dann wieder für einige Tage oder Wochen verschwanden. Manchmal wurde auch am Samstag gearbeitet.
Wahrscheinlich gehörte der Maurerbetrieb einem Cousin von Herrn Krause und der Renovierungsauftrag wurde bei einem Grillabend erteilt...
Die Renovierung und der Bau des Müllhäuschens dauerte insgesamt gut ein halbes Jahr. Wenn ein echter Handwerksbetrieb mit einem offiziellen Auftrag diese Arbeiten erledigt hat, dann hat er sein Gehalt definitiv nicht verdient!
Wenn Heinrich und ich, die Hauptmieter der Wohnung, mal wegen irgendwelcher Vertragsfragen oder Abrechnungen bei ihm vorbei kamen, benahm er sich immer kumpelhaft, fast so als ob man Pferde mit ihm stehlen könnte. Auf der anderen Seite kümmerte er sich kaum um unsere Belange und hielt es auch nicht für nötig uns rechtzeitig über Sachen zu informieren, die uns oder unsere Wohnung betrafen.
So sollten zum Beispiel einmal die Fall-Leitungen im Haus gereinigt werden und dazu musste ein Klempner in die Wohnung kommen und irgendwas in unserem Bad und in der Toilette machen.
Nur wurden wir nicht darüber informiert und Herr Krause hatte dem Handwerker einfach den Generalschlüssel für das komplette Haus gegeben. Ich war nicht schlecht überrascht, als bei uns morgens um 7:30 Uhr auf einmal die Wohnungstür von außen aufgeschlossen wurde und mehrere Leute laut redend die Wohnung betraten. Ich lag noch im Bett und rang mit meinem inneren Schweinehund, der mich zum Aufstehen bringen wollte.
Doch die Stimmen im Flur überzeugten mich davon, zügig aufzustehen, um nachzusehen, was bei uns im Hausflur passierte. Ich zog schnell einen Morgenmantel über und ging in den Flur hinaus. Dort traf ich einen Klempner und seinen Assistenten an.
„Oh, da ist ja doch jemand in der Wohnung“, sagte der Handwerker.
„Guten Morgen erstmal“, antwortete ich. „Aber was haben Sie anderes erwartet, wenn Sie um diese Zeit am morgen eine Studentenwohnung betreten?“
„Wer sind Sie denn und wo haben Sie überhaupt den Schlüssel her?“
„Ich bin hier um die Fall-Leitungen säubern. Den Schlüssel habe ich von Herrn Krause.“
„Es wäre nett gewesen, wenn Herr Krause uns über ihr Kommen informiert hätte.“
„Das ist nicht mein Problem“, erwiderte der inzwischen leicht genervte Klempner. „Wo ist ihr Badezimmer?“
Ich wies ihm den Weg zum Bad.
„Können Sie bereits abschätzen, wie lange Sie brauchen werden?“
„Eine halbe Stunde.“
Dann verschwand er, seinen Assistenten im Schlepp, im Badezimmer.
Nachdem die Handwerker wieder gegangen waren, rief ich beim Hausverwalter an und beklagte mich, dass er uns nicht über den Termin vom Klempner informiert hatte.
„Oh, das muss ich wohl vergessen haben“, war seine labidare Antwort.
Ein anderes Mal klingelte es morgens an der Haustür. Heinrich ging als erster an die Gegensprechanlage: „Ja bitte?“
„Firma Maier, Gebäudesanierung. Wir müssen in ihrem Keller eine Wand einziehen.“
Heinrich war so überrascht, dass er ohne nachzufragen den Türöffner drückte. Fünf Minuten später standen drei Männer in schmutziger Arbeitskleidung vor der Tür.
„Der Keller ist ja noch gar nicht ausgeräumt“, meinte einer der drei. „Wir müssen an die Seitenwand ran. Bitte räumen Sie diese komplett frei, sonst können wir die nicht verputzen.“
„Wir wurden nicht informiert, dass wir den Keller frei räumen sollten“, sagte Heinrich. „Das hätten Sie mal vorher ankündigen sollen, meine Mitbewohner und ich waren nicht darüber informiert!“
„Das ist nicht unser Problem“, sagte der Handwerker. „Herr Krause hat gesagt, dass Sie informiert seien. Jetzt stehen wir hier und der Keller ist voll gestellt und wir können nicht arbeiten. Was sollen wir jetzt machen?“
„Nun ja gut, dann räumen wir eben gemeinsam den Keller frei“, meinte Heinrich. „Aber beim nächsten Mal würden wir das gerne etwas früher wissen.“
Heinrich und die drei Handwerker brauchten gut eine halbe Stunde, um die Kellerwand frei zu räumen. Zwei Wochen später standen Manuela, Heinrich und ich gut zwei Stunden im Keller, um den Dreck, den die Maurer im Keller hinterlassen hatten, weg zu putzen und unseren Keller wieder aufzuräumen.
Am Tag danach rief ich mal wieder bei Herrn Krause an, um mich zu beschweren, dass er uns wieder Handwerker ohne eine vorherige Information ins Haus geschickt hatte.
„Hatte ich Sie nicht informiert?“, tat Herr Krause überrascht am Telefon. „Ich hatte Ihnen doch vor zwei Wochen einen Brief geschickt. Vielleicht hat ihn einer Ihrer Mitbewohner weg geworfen?“
„Das glaube ich nicht. Normalerweise landen alle offiziellen Schreiben am Kühlschrank“, sagte ich. „Beim nächsten Mal lassen wir die Handwerker gar nicht erst ins Haus, wenn Sie uns nicht vorher informieren“.
„Dann tragen Sie aber die Rechnung für einen neuen Termin“, konterte der Verwalter. Ich sage ja, seine Freundlichkeit war nur vordergründig...
Ob die Handwerker überhaupt eine offizielle Rechnung stellten, bezweifelte ich sowieso. Die Zeiten zu denen die Handwerker manchmal auftauchten waren sehr verdächtig.
Im Spätsommer hatte Herr Krause uns tatsächlich mal einen Brief geschickt, um uns darüber zu informieren, dass der Innenhof renoviert werden solle und ein Gebäude für die Mülltonnen und gelben Säcke gebaut werden solle. Die Arbeiten würden in zwei Wochen beginnen.
Zwei Wochen später stand im Innenhof tatsächlich ein Baugerüst. Wann die Handwerker da waren oder wie lange sie gearbeitet haben, hatte ich nicht mitbekommen, da ich an der Uni war. Immerhin war es aber mal ein gutes Zeichen, dass die Maurer sich an den Termin gehalten hatten.
Ich musste mich jeden Morgen und jeden Abend mit meinem Fahrrad an dem Gerüst vorbei quetschen, und nach gut drei Wochen fragte ich mich, wie lange das Gerüst wohl noch stehen bleiben würde.
Seitdem das Gerüst aufgebaut worden war, hatte sich jedoch nichts groß im Innenhof verändert. Weder hatten die Renovierungsarbeiten an der Fassade begonnen noch war irgendein Anzeichen vom neuen Gebäude zu sehen. Man könnte fast meinen, dass die Maurer vergessen hatten, dass sie hier ein Gerüst hingestellt hatten.
Doch dann begann sich so nach und nach was zu tun. Meist Abends oder am Freitag Nachmittag ab 15 Uhr tauchten vereinzelt Handwerker auf, die für ein paar Stunden arbeiteten und dann wieder für einige Tage oder Wochen verschwanden. Manchmal wurde auch am Samstag gearbeitet.
Wahrscheinlich gehörte der Maurerbetrieb einem Cousin von Herrn Krause und der Renovierungsauftrag wurde bei einem Grillabend erteilt...
Die Renovierung und der Bau des Müllhäuschens dauerte insgesamt gut ein halbes Jahr. Wenn ein echter Handwerksbetrieb mit einem offiziellen Auftrag diese Arbeiten erledigt hat, dann hat er sein Gehalt definitiv nicht verdient!
Mittwoch, 17. September 2008
Gerhard ante Portas
Herr Franke vom Studentenwerk hatte uns keine große Wahl gelassen, entweder wir akzeptieren den Studenten, den er uns zum Vorstellungsgespräch geschickt hatte als neuen Mitbewohner oder wir mussten die Miete für das Zimmer zahlen. Wir hatten also keine echte Wahl, denn als Studenten konnten wir uns natürlich nicht leisten, das vierte Zimmer zu zahlen, auch wenn es des kleinste und billigste war.
So blieb uns also nichts anderes übrig, als unser Glück mit Gerhard zu versuchen.
Gerhards Einzug war kurz und schmerzlos. Montagfrüh um 10 Uhr stand er mit einem Koffer in der Hand vor der Tür.
„Hallo, ich komme wegen des Zimmers.“
„Moin Gerhard. Komm rein. Das Zimmer kennst Du ja schon.“, sagte ich. „Caroline und ich sind gerade beim Frühstück. Magst Du auch was?“
„Nein, um die Zeit kann ich noch nichts essen. Ich muss schnell an die Uni.“
„Hast Du ein Seminar?“
„Nein, ich muss einfach nur an die Uni. Wo kann ich meinen Koffer hinstellen?“
„In Dein Zimmer. Zweite Tür auf der rechten Seite. Hast Du keine anderen Sachen? Möbel und so?“
„Nein“, antwortete Gerhard. „Nur meine Kleidung und ein paar Bücher. Mehr brauche ich nicht.“
„Echt? Okay. Dann mal willkommen in unserer WG“.
Ich streckte ihm die Hand hin. Gerhard zog seine Hände zurück und hielt sie abwehrend vor den Körper.
„Ich kann Dir die Hand nicht geben“, sagte er. „Ich habe meine Hände gerade erst gewaschen. Dann müsste ich mir die Hände wieder waschen, aber ich will jetzt an die Uni. Wo ist mein Schlüssel?“
„Er liegt auf dem Schreibtisch in Deinem Zimmer.“
„Du warst in meinem Zimmer?“, fragte er. „Ich mag es nicht, wenn jemand in mein Zimmer geht!“
„Nun ja, bisher war es nicht Dein Zimmer. Ich hatte den Schlüssel schon am Freitag dort hinein gelegt.“
Bevor ich weiter reden konnte, drückte sich Gerhard zwischen mir und der Wand durch, peinlich darauf achtend, dass er mich nicht berührte und verschwand in seinem Zimmer.
Ich ging kopfschüttelnd zurück in die Küche, wo Caroline ihr Müsli futterte und in einem Magazin blätterte.
„Will Gerhard sich nicht zu uns setzen?“, fragte sie.
„Nö, er muss an die Uni.“
„Ach okay. Dann vielleicht ein anderes Mal.“
So frühstückten wir eben zu zweit weiter. Ich wunderte mich etwas über Gerhards Verhalten, aber dachte mir nichts weiter dabei. Ich hatte schon so einige komische Studenten erlebt.
Vielleicht musste er sich auch erst einmal bei uns einleben....
So blieb uns also nichts anderes übrig, als unser Glück mit Gerhard zu versuchen.
Gerhards Einzug war kurz und schmerzlos. Montagfrüh um 10 Uhr stand er mit einem Koffer in der Hand vor der Tür.
„Hallo, ich komme wegen des Zimmers.“
„Moin Gerhard. Komm rein. Das Zimmer kennst Du ja schon.“, sagte ich. „Caroline und ich sind gerade beim Frühstück. Magst Du auch was?“
„Nein, um die Zeit kann ich noch nichts essen. Ich muss schnell an die Uni.“
„Hast Du ein Seminar?“
„Nein, ich muss einfach nur an die Uni. Wo kann ich meinen Koffer hinstellen?“
„In Dein Zimmer. Zweite Tür auf der rechten Seite. Hast Du keine anderen Sachen? Möbel und so?“
„Nein“, antwortete Gerhard. „Nur meine Kleidung und ein paar Bücher. Mehr brauche ich nicht.“
„Echt? Okay. Dann mal willkommen in unserer WG“.
Ich streckte ihm die Hand hin. Gerhard zog seine Hände zurück und hielt sie abwehrend vor den Körper.
„Ich kann Dir die Hand nicht geben“, sagte er. „Ich habe meine Hände gerade erst gewaschen. Dann müsste ich mir die Hände wieder waschen, aber ich will jetzt an die Uni. Wo ist mein Schlüssel?“
„Er liegt auf dem Schreibtisch in Deinem Zimmer.“
„Du warst in meinem Zimmer?“, fragte er. „Ich mag es nicht, wenn jemand in mein Zimmer geht!“
„Nun ja, bisher war es nicht Dein Zimmer. Ich hatte den Schlüssel schon am Freitag dort hinein gelegt.“
Bevor ich weiter reden konnte, drückte sich Gerhard zwischen mir und der Wand durch, peinlich darauf achtend, dass er mich nicht berührte und verschwand in seinem Zimmer.
Ich ging kopfschüttelnd zurück in die Küche, wo Caroline ihr Müsli futterte und in einem Magazin blätterte.
„Will Gerhard sich nicht zu uns setzen?“, fragte sie.
„Nö, er muss an die Uni.“
„Ach okay. Dann vielleicht ein anderes Mal.“
So frühstückten wir eben zu zweit weiter. Ich wunderte mich etwas über Gerhards Verhalten, aber dachte mir nichts weiter dabei. Ich hatte schon so einige komische Studenten erlebt.
Vielleicht musste er sich auch erst einmal bei uns einleben....
Dienstag, 9. September 2008
Ein Mozarella wird geboren
Meine Mitbewohnerin Caroline in meiner Studentenwohnheim-WG kam oft auf alberne Ideen. Zum Beispiel machte sie sich gerne grünen Salat mit Tomaten, Paprika, Gurke und Mozarella.
Eigentlich ist da nichts Schlimmes dabei. Caroline schnippelte sich ihren Salat zusammen, schnitt als letztes die Mozarella Packung auf und würfelte den Käse. Auf einmal fing Frank, der Freund unserer Mitbewohnerin Petra, an wie bescheuert zu Lachen.
Caroline sah ihn überrascht an. „Was hat Dich denn gestochen? Worüber lachst Du denn so?“, fragte sie.
„So wie Du den Mozarella aus der Packung holst sieht es aus, als würdest Du Geburtshilfe leisten und nicht eine Käsetüte öffnen“, sagte er lachend. „Zuerst platzt die Fruchtblase und dann kommt der Mozarella raus gefallen. Jetzt musst Du ihn noch auf den Hintern hauen, damit er anfängt zu schreien!“
Mir war noch nie aufgefallen, dass man in etwas derart banalem einen so (pro)kreativen Akt sehen konnte. Wenn Caroline sich einen Salat machte, konnte sie sich nicht mehr verkneifen, ihre Mozarella-Leidenschaft auf die ein oder andere Art zu kommentieren. Entweder vertonte sie das Aufschneiden der Tüte mit einem gespielten Babygeheul oder sie lud uns alle ein, das Wunder der Geburt über dem Waschbecken anzusehen.
Seit diesem Nachmittag in meiner alten WG, muss ich jedes Mal, wenn ich eine Mozarella-Verpackung aufschneide an Carolines Mozarella-Geburt denken.
Manchen Unfug bekommt man einfach gar nicht mehr aus dem Kopf raus...
Eigentlich ist da nichts Schlimmes dabei. Caroline schnippelte sich ihren Salat zusammen, schnitt als letztes die Mozarella Packung auf und würfelte den Käse. Auf einmal fing Frank, der Freund unserer Mitbewohnerin Petra, an wie bescheuert zu Lachen.
Caroline sah ihn überrascht an. „Was hat Dich denn gestochen? Worüber lachst Du denn so?“, fragte sie.
„So wie Du den Mozarella aus der Packung holst sieht es aus, als würdest Du Geburtshilfe leisten und nicht eine Käsetüte öffnen“, sagte er lachend. „Zuerst platzt die Fruchtblase und dann kommt der Mozarella raus gefallen. Jetzt musst Du ihn noch auf den Hintern hauen, damit er anfängt zu schreien!“
Mir war noch nie aufgefallen, dass man in etwas derart banalem einen so (pro)kreativen Akt sehen konnte. Wenn Caroline sich einen Salat machte, konnte sie sich nicht mehr verkneifen, ihre Mozarella-Leidenschaft auf die ein oder andere Art zu kommentieren. Entweder vertonte sie das Aufschneiden der Tüte mit einem gespielten Babygeheul oder sie lud uns alle ein, das Wunder der Geburt über dem Waschbecken anzusehen.
Seit diesem Nachmittag in meiner alten WG, muss ich jedes Mal, wenn ich eine Mozarella-Verpackung aufschneide an Carolines Mozarella-Geburt denken.
Manchen Unfug bekommt man einfach gar nicht mehr aus dem Kopf raus...
Dienstag, 2. September 2008
Sauber ist wenn es stinkt und kracht
Meine Amerikanische Vermieterin Deborah hatte mir aufgetragen, dass ich alle zwei Wochen mein Zimmer sauber machen sollte. Mit Asiatischen Mitbewohnern hatte sie mal ein paar Probleme aufgrund unterschiedlicher Vorstellung von Sauberkeit gehabt und verpflichtete seitdem alle neuen Mitbewohner zum regelmäßigen Putzen.
In einem Schrank unter dem Treppenabsatz hatte sie zu diesem Zweck einen Hoover Staubsauger stehen. Über dem Griff des Staubsaugers hing ein industrieller Gehörschutz – und das nicht ohne Grund.
Hoover Staubsauger haben in den USA einen ähnlich legendären Ruf wie Vorwerk in Deutschland. Sie sind die SUVs der Staubsaugerwelt: große, schwere Staubsauger, die unkaputtbar sind und ein Leben lang halten. Einen Hoover Staubsauger besitzt man nicht, man passt auf ihn für die nächste Generation auf.
Der Hoover Staubsauger von Deborah hatte eine Motorisierung auf die ein Smart-Fahrer neidisch sein könnte. Er war leider aber auch entsprechend laut. Daher auch der Gehörschutz. Wenn ich aus der Uni kam, konnte ich bereits zwei Blöcke vor dem Haus hören, ob Deborah gerade ihre Wohnung saugte oder nicht.
Darüber hinaus konnte ich auch sehen, dass Deborah saugte, denn Labelle, ihr Stubentiger der eigentlich nur ungern vor die Tür ging, saß bei diesen Gelegenheiten meist von draußen auf dem Fensterbrett des Wohnzimmers und starrte in die Wohnung. Die Katze tat auch besser daran, aus dem Haus zu flüchten, wenn Deborah ihren elektrischen Hexenbesen anschmiss, denn bei der Saugkraft, die dieses Gerät entwickelte, wäre selbst Labelle nur eine größere Staubflocke und würde im Nu in der Staubtüte verschwinden.
Wenn man sich nicht gerade ein Tinnitus-Konzert ins Ohr holen wollte, war es notwendig, den Gehörschutz aufzusetzen. Der Hoover machte seinem Ruf alle Ehre und ich benutzte ihn immer nur ungern. Es war einfach ein komisches Gefühl diesen verkappten Außenbordmotor durch mein Zimmer zu schieben. Darüber hinaus verbreitete der Staubsauger einen komischen Geruchsmix aus Hausstaub, verbrannten Haaren und altem Schmieröl. Nach dem Saugen konnte ich immer erst einmal das Zimmer lüften.
Einige Jahre später entdeckte ich, dass Hoover die Wunder seiner Entwicklungsabteilung auch in Deutschland vertrieb. So kauften sich meine Mitbewohner und ich eine Waschmaschine von Hoover, die uns vom Elektrohändler unseres Vertrauens empfohlen wurde.
Wider besseren Wissens stimmte ich dem Kauf zu, lernte jedoch bald diesen zu bereuen. Die Waschmaschine stand Deborahs Staubsauger im Hinblick auf die Geräuschkulisse in nichts nach. Wenn sie in den Schleudergang über ging, wurde unser Haus von einem Erdbeben mit einer Stärke von circa 2 auf der nach oben offenen Richterskala erschüttert. Bleibende Risse blieben zum Glück nicht im Putz, aber Unterhaltungen waren in der Küche und den Wohnungen über und unter uns nur sehr eingeschränkt möglich – wenn Hoover etwas baut, dann richtig!
Leider war die Waschmaschine nicht mal halb so stabil gebaut wie Deborahs Staubsauger, denn sie gab bereits nach vier Jahren den Geist auf und wurde durch eine bedeutend leisere deutsche Maschine von einem neuen Elektrohändler unseres Vertrauens ersetzt.
In einem Schrank unter dem Treppenabsatz hatte sie zu diesem Zweck einen Hoover Staubsauger stehen. Über dem Griff des Staubsaugers hing ein industrieller Gehörschutz – und das nicht ohne Grund.
Hoover Staubsauger haben in den USA einen ähnlich legendären Ruf wie Vorwerk in Deutschland. Sie sind die SUVs der Staubsaugerwelt: große, schwere Staubsauger, die unkaputtbar sind und ein Leben lang halten. Einen Hoover Staubsauger besitzt man nicht, man passt auf ihn für die nächste Generation auf.
Der Hoover Staubsauger von Deborah hatte eine Motorisierung auf die ein Smart-Fahrer neidisch sein könnte. Er war leider aber auch entsprechend laut. Daher auch der Gehörschutz. Wenn ich aus der Uni kam, konnte ich bereits zwei Blöcke vor dem Haus hören, ob Deborah gerade ihre Wohnung saugte oder nicht.
Darüber hinaus konnte ich auch sehen, dass Deborah saugte, denn Labelle, ihr Stubentiger der eigentlich nur ungern vor die Tür ging, saß bei diesen Gelegenheiten meist von draußen auf dem Fensterbrett des Wohnzimmers und starrte in die Wohnung. Die Katze tat auch besser daran, aus dem Haus zu flüchten, wenn Deborah ihren elektrischen Hexenbesen anschmiss, denn bei der Saugkraft, die dieses Gerät entwickelte, wäre selbst Labelle nur eine größere Staubflocke und würde im Nu in der Staubtüte verschwinden.
Wenn man sich nicht gerade ein Tinnitus-Konzert ins Ohr holen wollte, war es notwendig, den Gehörschutz aufzusetzen. Der Hoover machte seinem Ruf alle Ehre und ich benutzte ihn immer nur ungern. Es war einfach ein komisches Gefühl diesen verkappten Außenbordmotor durch mein Zimmer zu schieben. Darüber hinaus verbreitete der Staubsauger einen komischen Geruchsmix aus Hausstaub, verbrannten Haaren und altem Schmieröl. Nach dem Saugen konnte ich immer erst einmal das Zimmer lüften.
Einige Jahre später entdeckte ich, dass Hoover die Wunder seiner Entwicklungsabteilung auch in Deutschland vertrieb. So kauften sich meine Mitbewohner und ich eine Waschmaschine von Hoover, die uns vom Elektrohändler unseres Vertrauens empfohlen wurde.
Wider besseren Wissens stimmte ich dem Kauf zu, lernte jedoch bald diesen zu bereuen. Die Waschmaschine stand Deborahs Staubsauger im Hinblick auf die Geräuschkulisse in nichts nach. Wenn sie in den Schleudergang über ging, wurde unser Haus von einem Erdbeben mit einer Stärke von circa 2 auf der nach oben offenen Richterskala erschüttert. Bleibende Risse blieben zum Glück nicht im Putz, aber Unterhaltungen waren in der Küche und den Wohnungen über und unter uns nur sehr eingeschränkt möglich – wenn Hoover etwas baut, dann richtig!
Leider war die Waschmaschine nicht mal halb so stabil gebaut wie Deborahs Staubsauger, denn sie gab bereits nach vier Jahren den Geist auf und wurde durch eine bedeutend leisere deutsche Maschine von einem neuen Elektrohändler unseres Vertrauens ersetzt.
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