Dienstag, 31. März 2009
Audition
Darüber hinaus hatte er eine Truckerkneipe vor den Toren von Konstanz übernommen und wollte etwas näher an seine neue Arbeitsstätte ziehen.
So erwartete uns mal wieder die übliche Prozedur: Zettel an der Uni aufhängen, eine Notiz ans Mietangebote-Brett beim Studentenwerk hängen, einen Eintrag in vierwaen.de machen und dann regelmäßig den AB abhören und seine E-Mails checken und Termine ausmachen, an denen möglichst alle Bewohner im Haus sind.
Die Mitbewohnersuche war richtig harte Arbeit!
Die Nachmietersuche konnte aber durchaus auch seine lustigen Seiten haben. Wer schon mal den Film „Shallow Grave“ („Kleine Morde unter Freunden“) gesehen hat, kann sich eine Vorstellung davon machen, was man bei einer Mitbewohnersuche so alles erleben konnte.
Normalerweise machten wir Mitbewohner immer einen Abend aus, an dem wir zwischen 6 und 10 mögliche Nachmieter zum „Vorsingen“ einluden. Bevor es den Friedhof der Gruscheltiere (= StudiVZ) gab, blieb einem nichts anderes übrig, als alle Interessenten ins Haus zu holen und selbst zu begutachten. Heutzutage kann man die Bewerber auch erst einmal anhand ihrer StudiVZ Profile aussieben und nur den Rest einladen, aber vor ein paar Jahren war das noch anders.
Jeder bekam normalerweise eine halbe Stunde - oder je nach erstem oder zweitem Eindruck auch mal weniger – und meine Mitbewohner und ich bekamen pro Besucher ein Glas Wein. Das stellte sicher, dass der Abend nicht ganz umsonst war und die späteren Bewerber größere Chancen hatten genommen zu werden als die frühen – was nicht unbedingt immer ein Vorteil war.
Manchmal kreuzten bei derartigen Terminen echt seltsame Typen auf. Insbesondere dann, wenn wir auf die Ausschreibung das Alter der anderen Mitbewohner angegeben hatten. Sobald eine der Altersangaben auf die 30 oder schon über die magische 30 ging, änderte sich das Publikum der Wohnungsbesichtigung schlagartig.
Neben ein paar verzweifelten Erstis, die sich mit den Mitbewohnern ihrer aktuellen WG verkracht haben oder im Nachrückverfahren ein paar Wochen zu spät an die Uni gekommen sind und bisher in der Jugendherberge geschlafen haben, tauchen dann oft Studenten aus höheren Semestern oder sogar Berufstätige auf.
Einmal saß bei uns ein Endzwanziger Mann namens Sebastian bei uns in der Küche. Er war ein laufendes Klischee: Rastalocken, Ziegenbart, Brille, verschlissenes Soul Asylum T-Shirt, zerrissene Jeans und ausgelatschte Tennisschuhe und natürlich Mitarbeiter im Konstanzer Jugendhaus. Er hatte sich das Zimmer schon angesehen und hatte sich gerade im Flur auf die Couch gesetzt, um sich mit uns zu unterhalten. Kaum saß er auf der Couch zog er Tabak und Papiere aus der Tasche und begann sich eine Zigarette zu drehen: „Bei euch darf man doch rauchen, oder?“
Meeeep! Nächster!
Am selben Tag stellte sich die 19jährige Anna vor. Sie war erst vor wenigen Tagen nach Konstanz gekommen, weil sie sich im kommenden Semester an der FH für Architektur bewerben wollte: „Sagt mal, darf mich am Wochenende mein Freund besuchen kommen, wenn ich bei euch wohne? Meine Mutter wollte immer nicht, dass Nick bei mir übernachtet, deswegen bin ich jetzt schon ausgezogen, auch wenn ich mich erst im kommenden Semester für die FH bewerben will.“
Nun ja, vielleicht etwas zu pubertär. Nächste!
Danach kam Nadja zu uns. Sie hatte eine Ratte auf der Schulter sitzen und studierte natürlich Soziologie, Politik und Kunst- und Medienwissenschaften. „Sind bei euch in der Wohnung Tiere erlaube?“
Danke, aber wir haben schon Mäuse unter dem Dielenboden und den Wänden. Noch mehr Nager brauchen wir dann doch nicht.
Frank, der frisch geschiedene Mann meiner Ex-Mitbewohnerin Petra stellte sich auch bei uns vor, aber meinen Mitbewohnern gefiel er nicht. Irgendwie wurde ich aber nicht den Eindruck los, dass Wigald und Isabel nur nicht wollten, dass jemand in die Wohnung einzog, mit dem ich mich gut verstand und der meine Position stärken würde... Die beiden und ich hatten so einige unterschiedliche Ansichten, was hier und dort mal zu kleinen Reibereien führte – und zum Überstimmt werden bei der Mitbewohnersuche.
Meep! Der fünfte Besucher an diesem Abend hieß Ingo. Er hatte bereits ein Diplom in Elektrotechnik und studierte nun Wirtschaftswissenschaften im Zweistudium. „Ich habe noch keinen Bock auf’s Arbeiten und gehe lieber noch etwas studieren. Das Studentenleben gefällt mir so gut“, sagte der 33jährige.
„Wie sieht es denn bei Dir mit der Miete aus?“, war meine spontane Antwort.
„Was kostet das Zimmer denn?“
„256 Euro pro Monat zuzüglich Nebenkosten“
„Lässt sich an dem Preis was drehen?“
MEEEP! Nächster.
Und so ging der Abend lustig weiter. Gegen 22:30 Uhr hatten wir gut 9 Vorsänger gesehen und es waren tatsächlich auch noch welche dabei, die wir ganz lustig fanden. In der Tat hatten wir am Ende des Abends das Problem, dass wir uns zwischen zwei vielversprechenden Kandidaten entscheiden mussten und die Wahl mit einem Münzwurf entschieden.
„Das war eigentlich ganz lustig. Das sollten wir öfter mal machen!“, meinte Wigald, der zu diesem Zeitpunkt bereits drei oder vier Gläser Merlot intus hatte.
„Was? Im Flur hocken und zwei Flaschen Wein leeren oder Zimmer vermieten?“
„Zimmer vermieten. Oder zumindest so tun als ob.“, erwiderte er. „Dabei lernt man lustige Leute kennen. Das macht Spaß.“
„Nun gut, aber wir haben leider nur alle paar Monate mal ein Zimmer zu vermieten.“
„Wir müssen ja nicht wirklich ein Zimmer vermieten. Wir können ja nur so tun als ob.“ meinte Wigald mit vom Wein getrübter Stimme. „Wisst ihr, einfach nur so tun als ob wir ein Zimmer vermieten würden, Zettel aufhängen, Leute einladen, einen lustigen Abend haben. Das wäre doch witzig.“
„Ist das den Studis gegenüber nicht ein wenig unfair? Die kommen hierher, verbringen ihre Zeit hier, hoffen, dass sie genommen werden und dann ist alles nur Show.“
„Ist doch egal. Wir sagen den einfach ab und sie werden nie erfahren, dass das alles nicht ernst gemeint war. Ich fände das lustig.“, schloss der betrunkene Wigald seine Argumentation ab.
„Das ist genauso eine Schnappsidee, wie damals als Du den Vorwerk-Vertreter einladen wolltest, damit er uns bei der Vorführung seiner Sauger die Wohnung putzt.“
„Sei doch nicht gleich immer so negativ.“, verteidigte sich Wigald.
„Auch egal. Ich bin müde und hatte ein oder zwei Gläser Wein zu viel. Ich gehe ins Bett. Gute Nacht.“
Mittwoch, 25. März 2009
Langhaariger Bombenleger
Auch wenn ich mich heutzutage frage, wie ich nur so lange eine derartige Frisur tragen konnte, damals hat mir das gut gefallen und aufgrund dieser Haartracht habe ich die ein oder andere unterhaltsame Situationen erlebt, von denen ich hier ein paar erzählen möchte:
Für viele Kurzhaarträger ist ein Mann mit langen Haaren schon aus Prinzip suspekt und wird von den „Geschorenen“ anders behandelt, fast möchte ich sagen, diskriminiert...
So konnte ich zum Beispiel nicht ein einziges Mal über die Schweizer Grenze fahren, ohne dass ich von einem Grenzbeamten angehalten und nach dem Besitz von Waren gefragt worden bin. Nachdem ich mir die Haare abgeschnitten hatte, kam ich wesentlich häufiger „ungeschoren“ über die Grenze.
Oder als ich bei meinem Auslandsjahr in den USA mal in einem Supermarkt an der Kasse stand, zupfte mich ein kleiner Junge am Ärmel und fragte mich mit großen Auge: „Are you a Wrestler“ („Bist Du ein Ringer?“).
Offenbar kannte er Männer mit langen Haaren nur aus den Wrestling-Shows aus dem Fernsehen.
Ich beugte mich zu ihm runter und sagte: „You got me! I’m the Grim German and I’m mad as hell!“ („Du hast mich richtig erkannt! Ich bin der grimmige Deutsche und ich bin total durchgeknallt!“)
Daraufhin drehte der Junge sich schnell um, rannte schnell weg und rief „Mum!“ („Mamma!“).
Die Eltern meiner ersten Freundin lernte ich bei einer Geburtstagsfeier in ihrer Wohnung kennen. Ich war mit dem Zug gekommen und ihr Vater holte ein paar andere Gäste und mich mit dem Auto am Bahnhof ab, da die Wohnung gut 16 Kilometer vom Bahnhof entfernt war.
Dort angekommen stieg ich aus und ging zum Kofferraum, um meine Sachen aus dem Kofferraum zu holen. In diesem Moment kam ihre Mutter aus dem Haus heraus, und als sie mich, bzw. meine Haarpracht von hinten erblickte, rief sie aufgeregt:
„Ein Weib, ein Weib, Du hast ein Weib mitgebracht!“
Der Vater hatte ihr wohl gesagt, dass nur Männer kommen würden und nun war sie überrascht, dass eine Person mit langen Haaren aus dem Auto gestiegen war. Doch als ich mich umdrehte war die Mutter sichtlich erleichtert. „Ach es ist nur ein langhaariger Mann.“
Kopfschüttelnd setzte ich meinen Rucksack auf, steckte mir den Schlafsack unter den Arm und lief mit den anderen Gästen ins Haus hinein. Was die Mutter wohl gegen Frauen in ihrem Haus hatte?
Nach dem Wochenende bei meiner Freundin war ich schlauer geworden: Die Mutter war einfach so eine schlechte Hausfrau, dass sie keine anderen Frauen in ihrer Wohnung haben wollte, aus Angst, diese könnten bemerken, wie schlecht sie ihren Haushalt führte. Jungen Männern unterstellte sie offenbar weniger Aufmerksamkeit für ihre mangelhafte Hausarbeit...
Lange Haare verbinden einander aber auch – mit anderen langhaarigen Männern hat man gleich ein Gefühl der Verbundenheit. Sie haben wahrscheinlich ähnliche Einstellungen, sie kennen den allmorgentlichen Kampf mit der Bürste und sie kennen wahrscheinlich auch all die Sprüche, die unsereins von den Kurzhaarigen ertragen müssen - das verbindet!
So saß ich zum Beispiel mal mit Manuela im Kino im Film „Erin Brockovich“. Als der Freund von Erin Brockovich das erste Mal auf der Leinwand erschien und die Kamera über seine lange Mähne fuhr, meinte ich zu Manuela spaßeshalber: „Iiih, ein Bombenleger!“
Da drehte sich vor mir ein langhaariger Kopf um und eine tiefe Stimmte sagte „Hey, mach mal halblang!“
Als Antwort griff ich in meine Haare, wedelte mit meinem Pferdeschwanz und meinte: „Ich darf darüber Witze machen.“
„Ey, alles cool“, kam es zurück und mein „Artgenosse“ drehte sich wieder nach vorne um.
Ich hatte schon während der Schulzeit angefangen, meine Haare wachsen zu lassen, doch bis zum Beginn meines Studiums trug ich die Haare noch offen. So auch während meines Zivildienstes an der Pforte im Krankenhaus.
In dieser Position war ich unter anderem auch dafür zuständig, Besuchern den Weg zu den Stationen zu weisen.
Einmal kam eine ältere, leicht gebrechliche Dame zu mir an die Pforte gelaufen. Sie stützte sich heftig atmend auf der Ablage vor dem Pfortenhäuschen auf, beugte sich zu mir in das Fenster hinein und meinte: „Junges Fräulein, können Sie mir bitte sagen in welchem Zimmer die Frau Mayer liegt?“
Mittwoch, 18. März 2009
Johns Zahnfee ist nicht kostenlos
Normalerweise verliert ein Mensch seine Milchzähne bis zum 13. Lebensjahr, aber John hatte 6 Jahre später immer noch drei Stück davon im Mund, die einfach nicht von alleine ausfallen wollten. Ohne professionelle Hilfe, würde er wohl auch noch bei seinem Uniabschluß in einigen Jahren ein sehr unebenes Grinsen haben.
„Meine Mutter hat gesagt, ich soll mir die Zähne in Deutschland ziehen lassen, weil die Zahnärzte hier viel billiger sind als in den USA“, erklärte mir John, als er mir über sein Zahnproblem erzählte. „Kennst Du einen guten Zahnarzt?“
Ich vermutete, dass eine Zahnbehandlung von seiner Auslandskrankenkasse getragen werden würde. In den USA müssen viele Menschen ihre Arztbehandlungen aus eigener Tasche zahlen, da es dort keine Krankenversicherungspflicht gibt und Zahnbehandlungen sind oft sehr teuer. Johns Argumentation klang also durchaus schlüssig.
Der Zahnarzt, den ich ihm empfohlen hatte, war ihm zu weit außerhalb von Konstanz und so ging er zur nächstgelegenen Praxis von unserer Wohnung aus und ließ sich die Zähne ziehen und noch so manch andere Sachen am Gebiß richten. Danach lief er mit zwei großen Zahnlücken im Mund herum und sah noch mal ein paar Jahre jünger aus. Wir anderen WG-Bewohner mussten schon fast aufpassen, dass man uns auf der Straße nicht für seine Erziehungsberechtigten hielt.
Einige Wochen später zog John aus unserer Wohnung aus, um zurück in die USA zu gehen und dort sein Studium abzuschließen. Meine Mitbewohner und ich dachte uns, dass wir das letzte von John gesehen und gehört hätten – wie das eben so ist, wenn ein Mitbewohner auszieht.
Doch wir hatten uns geirrt. Circa 4 Wochen nachdem John ausgezogen war, lag ein Brief seiner Zahnarztpraxis in unserem Briefkasten. Ich informierte John per E-Mail über den Brief und fragte ihn, was ich damit machen solle.
„Das ist bestimmt nur irgendeine Werbung. Du kannst den Brief gerne wegwerfen“. antwortete John.
„Ärzte in Deutschland dürfen aber keine Werbung verschicken“, schrieb ich zurück. Aber John beharrte darauf, dass ich den Brief entsorgen solle.
Ich legte den Brief jedoch in eine Ablage in meinem Zimmer – ich hatte da schon so einen Verdacht, was darin stehen könnte.
Nach circa zwei Wochen kam ein weiterer Brief des Zahnarzts und auch dieses Mal antwortete mir John per E-Mail, dass ich den Brief wegwerfen könne. Er habe alles mit dem Zahnarzt geregelt und könne sich nicht vorstellen, was der noch von ihm wolle.
Dann tauchten erst einmal keine Briefe mehr auf. Ich hatte die Sache schon fast vergessen als gut 8 Wochen später ein Schreiben vom Amtsgericht Konstanz für John im Briefkasten lag.
Dieses Mal ließ ich mich von John nicht abwimmeln und schrieb ihm, dass er das gefälligst klären solle, weil ich keine Lust darauf habe, dass irgendwann ein Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen würde.
John meinte, dass ich all die Briefe an die Eltern seiner Freundin nach Ravensburg schicken solle und die sich darum kümmern würden. Danach kamen keine weiteren Schreiben mehr an. Vielleicht waren die Deutschen Zahnärzte doch nicht so günstig, wie John sich das gedacht hatte – vor allem wenn man keine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hatte...
Ich fragte mich aber trotzdem, was John da wohl wieder verbockt hatte und auch, ob wir demnächst noch von anderen Ärzten oder Geschäften Mahnschreiben für John bekommen würden.
Donnerstag, 12. März 2009
Underneath your clothes
Zum Kino kann man problemlos zu Fuß laufen – und kommt natürlich immer zu spät zum Treffen mit den Freunden, da diese längere Anreisewege haben und sich daher früher auf den Weg gemacht haben, um pünktlich zu kommen.
Einer der Nachteile ist, dass man Samstags praktisch nicht ausschlafen kann, da in der Fußgängerzone vor dem Fenster bereits um 9 Uhr die Einkäufer lautstark ihren Geschäften nachgehen und spätestens um 10 Uhr der erste Akkordeonspieler vor dem Haus mit seiner Endlosschleife von „La Toccata“ (in der Hochgeschwindigkeitsversion) beginnt.
Tritt man vor die eigene Haustür – sofern das überhaupt möglich ist, weil nicht selten Döner-Essende Einkäufer (um 10 Uhr früh!) auf der Stufe hocken und diese nur unter schmatzendem Protest wieder frei geben, als hätten sie diesen Platz am Abend vorher telefonisch reserviert – steht man sofort im Einkaufsgetümmel, ohne auch nur den Hauch einer Chance dieses zu haben, dieses zu umgehen.
Aber man geht nicht nur mit den Einkäufern in der Innenstadt auf Tuchfühlung, sondern auch mit seinen Nachbarn, da die Häuser in der Stadt alle sehr eng aufeinander stehen und man problemlos in die Wohnungen der anderen schauen kann und selbst in die Wohnung geschaut bekommt.
Manchmal kann das ganz lustig sein, wie im Fall des Damenfitness-Studios auf der einen Hausseite meiner Innenstadt-WG, manchmal kann das auch eher anstrengend sein, wie zum Beispiel im Fall des lustigen Abends einer meiner Nachbarinnen im Sommer vor einigen Jahren.
Unsere Nachbarn feierten mitten in der Woche eine Party. Ein Geburtstag oder was ähnliches. Dagegen ist eigentlich nichts auszusetzen, vor allem nicht von uns Studenten, da wir als in unserer WG auch schon die ein oder andere Party gefeiert haben und dabei nicht gerade um 22 Uhr die Musik abgedreht hatten.
Interessant war jedoch nicht die Party an sich, sondern was im Schlafzimmer zur Straße hin passierte. Dessen Fenster stand offen und ich konnte von meinem Zimmer aus praktisch jedes Wort hören, das auf der anderen Straßenseite gesprochen wurde. Offensichtlich versuchte ein männlicher Gast bei der Gastgeberin zu landen.
Er schwärmte von sich und seiner Arbeit und all den Sachen die er macht und machen will. Er versuchte zwar auch aufmerksam für die Dinge zu sein, die sein weibliches Gegenüber sagte, auch wenn er sie oft nicht lange Reden ließ, denn meistens hörte ich nur ihn reden ... und Shakira singen!
Einer von den beiden hatte nämlich die Maxi-CD von „Underneath your Clothes“ von Shakira aufgelegt und auf „Wiederholen“ eingestellt, so dass dieser Song in Endlosschleife aus dem CD Player schallte und aufgrund der geringen Distanz zum Nachbarhaus auch in meine Ohren drang, da ich das Fenster geöffnet hatte, um die Sommerhitze etwas zu vertreiben.
Das war zwar etwas nervig, weil ich nun nicht gerade ein großer Shakira Fan bin, aber ich baute darauf, dass die beiden bald zum gemütlichen Teil dieses Annäherungsversuchs übergehen würden und dann die Musik durch eine eher private Geräuschkulisse ersetzen würden.
Als meine Freundin Manuela und ich gegen Mitternacht ins Bett gingen, lief nebenan immer noch Shakira und man hörte ihn immer quatschen. Ich starrte im Bett eine Weile lang an die Decke und dachte mir, „Nun lass ihn halt endlich ran, damit mal Ruhe herrscht.“
Dann schlief ich trotz, oder vielleicht auch wegen Shakira ein.
Gegen drei Uhr früh wachte ich noch einmal auf. Shakira explorierte immer noch die Kleidung ihres Gegenübers, der Schwätzer in der Nachbarwohnung war immer noch beim Vorspiel. So langsam ging mir das auf den Geist!
Ich schaute zu meiner Freundin rüber, sie starrte Löcher in die Dunkelheit.
„Also so langsam kann ich den Song echt nicht mehr hören. Ich hoffe, die kommen bald mal zur Sache.“
„Das wird heute Nacht nichts mehr, wenn sie ihn jetzt noch nicht rangelassen hat, dann wird sie es auch den Rest der Nacht nicht tun“, erwiderte sie.
„Und was machen wir jetzt? Wir müssen beide morgen früh arbeiten und ich habe keine Lust darauf, dass mich Shakira noch mal in den Schlaf singt.“
„Was willst Du machen? Bei denen klingeln? Du weißt ja noch nicht einmal welche Klingel das ist!“
„Wir könnten denen irgendwas ins Fenster schmeißen, eine feuchte Klopapierrolle oder so.“
„Triffst Du das Fenster auf die Entfernung?“
Das war ein guter Punkt. Also tat ich das einzige, was mir noch übrig blieb. Ich ging zum Fenster und rief über die Straße: „Poppt endlich oder macht die Musik aus, aber entscheidet euch mal!“
Kurz darauf wurde das Fenster geschlossen und Shakira verstummte. Den Rest der Nacht schlief ich friedlich wie ein Baby.
Mittwoch, 4. März 2009
Uschis Story
Und in einer so kleinen Stadt wie Konstanz hat man in dieser Zeit nur zwei Optionen: entweder man wandert eine Woche lang aus oder man feiert mit.
Normalerweise habe ich immer Gebrauch von der ersten Möglichkeit gemacht, weil ich nicht so der Fasnet-Fan bin. In einem der Jahre in meiner Wohnheim-WG beschlossen meine Mitbewohnerin Caroline und ich nach einem feucht-fröhlichen Abend, dass wir uns dieses Mal in das Narren-Getümmel stürzen würden ... mit vertauschten Rollen: Caroline würde mein Macker sind und ich seine Tusse. Carolines Freundin Gabi und ihr Bekannter Magnus ließen sich ebenfalls von dieser Idee begeistern und so entstand die folgende Story:
Hallo, ich bin Uschi und dies ist meine Geschichte.
Meine Freundin Anjana macht mir gerade die Tür auf.
Und das bin ich, die Uschi - wie sie leibt und lebt!
Anjana hat sich heute Abend auch richtig hübsch gemacht.
Das ist mein Macker, Karl. Er mag meine Brüste!
Das ist meine Freundin Michaela und ihr Typ Gerd.
Karl und ich sind ein Herz und eine Seele!
Hier laufe ich durch Konstanz auf der Suche nach etwas Spaß.
Meine Beine sind ganz schön muskulös, nicht wahr?
Windowshopping - meine Lieblingsbeschäftigung.
Mein Bekannter Frank trägt echt seltsame Sachen.
Das ist Anke, sie ist meine Nachbarin. Wir hatten viel Spaß.
Anjana und ich tanzen im Irish Pub.
Im Irish Pub ist viel los. Ständig wurden wir angesprochen.
Anjana ist auf dem Weg zur nächsten Party-Location.
In der Stadt haben wir seltsame Leute getroffen.
Anjana und Gerd posieren im McDonalds für die Kamera.
Anjana, Karl und ich - wir sind ein klasse Team!
Dieser McDonalds Angestellte wollte unbedingt ein Foto.
Bin ich nicht eine hübsche?
